Alle (halben) Jahre wieder: Horitschon trennt sich von Luca Wirtitsch

Burgenlandliga

Horitschon wechselt überraschend nun doch seinen Coach. Luca Wirtitsch ist nach einem halben Jahr wieder Geschichte. Ein neuer Mann soll bereits ante portas stehen, es wäre der sechste Chefcoach im 18. Monat.

Luca Wirtitsch ist nach einem halben Jahr beim ASK Horitschon wieder weg. Die Blaufränkischen trennten sich am Mittwochvormittag vom 32-Jährigen.

Luca Wirtitsch ist nach einem halben Jahr beim ASK Horitschon wieder weg. Die Blaufränkischen trennten sich am Mittwochvormittag vom 32-Jährigen.

© Strodl

Edi Stössl hat neben dem Vizemeistertitel im Winter 2024 anscheinend noch andere Dinge bei seinem Abschied aus Horitschon hinterlassen. Seit der Trennung vom Gloggnitz-Meistercoach dreht sich Horitschons Trainerkarussell immer weiter. Auf die Chefcoaches Dominik Schiefer und David Witteeveen folgte ein Vierteljahr Schiefer als alleiniger Boss. Mit rund 10 Monaten im Amt ist der auch der mit Abstand langlebigste Übungsleiter der jüngsten Vergangenheit. Dann kam Christoph Tischler, der aber nach wenigen Monaten wieder ging. Luca Wirtitsch wurde vergangenen Winter beordert, muss jetzt aber auch wieder gehen.

Inmitten eines Chaos, bestehend aus Kaderplanung und Spielklassenthematik, entscheidet man sich nun also für einen erneuten Rauswurf. Obwohl bis vor wenigen Tagen die Vorzeichen ganz klar auf eine weitere Zusammenarbeit standen. Es kommt nicht nur die Frage nach der fehlenden Kontinuität auf, sondern eben auch nach dem berühmt-berüchtigten W-Wörtchen. Warum gerade jetzt? „Es hat sich tatsächlich erst in den letzten Tagen herauskristallisiert“, sagt Sportlicher Leiter Lukas Poglitsch auf die Frage nach dem Wann, und zögert auch beim Warum nicht wirklich: „Im Sportvorstand haben wir dann beschlossen, dass es jetzt ein Umbruch sein soll.“

Kostete der jugendliche Ehrgeiz Wirtitsch den Job?

Der Grund klingt letzten Endes aber etwas durchsichtig. Vor allem das Timing darf hinterfragt werden. „Die Gespräche mit Lukas Poglitsch und Joe Wessely waren wirklich respektvoll. Ich will absolut kein schlechtes Wort über den Verein verlieren. Überrascht war ich aber schon, als es mir mitgeteilt wurde“, tut das auch Wirtitsch selbst. Der bis vor wenigen Tagen eben auch der Meinung war, er würde künftig weiterhin die Horitschoner trainieren und sich demnach nicht nach einem neuen Klub umsehen müssen.

„Es war auch der Plan, dass wir mit ihm weitermachen“, verrät Poglitsch in weiterer Folge aber auch spannende Details. Fachlich hätte es aus Vorstands-Sicht keinen Grund gegeben, die Zusammenarbeit zu beenden. Poglitsch und sein Team hätten auch auf zwischenmenschlicher Ebene keinen triftigen Bedarf gesehen, den Trainer zu wechseln und „es wäre auch logisch gewesen, wenn wir uns zusammensetzen und weiterhin zusammenarbeiten“, so der Sportboss. Wenn da der Konjunktiv nicht wäre. Denn bei allem fachlichen Wissen Wirtitschs muss er gestehen: „Wir mussten jetzt entscheiden. Und da passt das Gesamtpaket einfach nicht mehr zu uns.“ Besonders deswegen, weil es eine Gruppe von Spielern gibt, deren Rollen innerhalb des Vereins tragender sind als manch andere - eben auch als jene des Trainers.

Letzten Endes sei es auch einfacher, anstatt mehrerer Spieler mit dem Trainer eben nur eine Personalie tauschen zu müssen. So sprachen sich einige Kicker dafür aus, unter Wirtitsch nicht weitermachen zu wollen. Konkret ginge es unter anderem darum, dass taktischer Natur oftmals zu viel vorgegeben wurde. Mit großem Ehrgeiz bei seiner ersten Trainerstation im Erwachsenenbereich hätte er sich auch vielleicht zu sehr darauf versteift, einen guten Job zu machen. „Ich hätte davon nichts mitgekriegt. Die Stimmung war immer eine gute und ich habe auch versucht, ständig mit den Jungs zu reden. Die Trainingsbeteiligung war trotz diverser Ausfälle auch immer hoch. Das ist dann schon komisch für mich“, zeigte sich auch Wirtitsch verdutzt.

Poglitsch: „Sind in sehr guten Gesprächen“

Die Ära Wirtitsch ist also zu Ende. Eine erneute Trainersuche wirkt neben Horitschons aktivem Protest, in der Burgenlandliga zu bleiben (kommende Woche tagt der Ausschuss, der Horitschons Abstieg aller Voraussicht nach in erster Instanz bestätigen wird), gepaart mit der Ungewissheit bezüglich der Kaderplanung eigentlich nach zu viel Chaos, das ein Klub in einer solchen Lage stemmen will. „Die Trainersuche ist meine kleinste Sorge“, sagt Poglitsch selbstbewusst. Im Blaufränkischland hat man nämlich schon einen Nachfolger an der Angel. Einen Namen verrät der Sportboss nicht, lässt er sich aber schon interessante Details entlocken: „Es gibt sehr gute Gespräche mit einem interessierten Trainer, der für beide Ligen zusagen würde und weiß, was am Spiel steht.“

Es wird damit bald schon der sechste Cheftrainer der letzten 18 Monate bestellt - das entspricht einem neuen Übungsleiter alle drei Monate. Dabei geht es für jeden Neo-Coach fast schon ums Image, wenn die jüngste Vergangenheit eine klare Botschaft vermittelt. Was stimmt Horitschon optimistisch, dass nach dem halben Dutzend endlich wieder Ruhe einkehren könnte und der nächste Coach auch tatsächlich ein Mann für die Zukunft ist? „Natürlich wäre es das Optimum, dass das der neue Trainer ist. Unser Kader ist jetzt aber unser größtes Problem. Der muss in beiden Ligen funktionieren und zu einhundert Prozent top sein.“

Stützen wie Zsolt Ratkai und Niklas Lehner haben bereits zugesagt, auch einheimische Kicker wie Nico Wessely oder dessen Namensvetter, Kapitän Philip, laufen nächste Saison für Horitschon auf. Dafür hat es aber auch die Liste der Abgänge in sich. Mit Julian Konrad (Kohfidisch), Julian Ribaritsch (Oberpullendorf), Christoph Schedl (Edelserpentin), Elias Stranzl (Eberau) und Niklas Vlasich (Lackenbach) verschlägt es gleich fünf Kicker zu (Stand jetzt noch) Ligakonkurrenten, vier davon könnten sogar noch in einer U21 spielen. Der schmerzhafteste Abgang betrifft aber Goalgetter Manuel Baumgartner, der den Klub Richtung Bad Sauerbrunn verlässt. Sein Ersatz ist schon fix: Endrit Mucolli kommt aus Stuben.