Heiss: „Jeder, der sich uns anschließt, spürt dieses familiäre Umfeld“

SV Leithaprodersdorf

Der Kapitän von Leithaprodersdorf spricht über das Erfolgsgeheimnis seines Klubs, seine Verletzung und die Zukunft unter Trainer Mario Santner.

Kapitän Stephan Heiss will endlich wieder an den Ball

Kapitän Stephan Heiss will endlich wieder an den Ball

© Philipp Frank

Stephan Heiss spielt zeit seines Lebens für seine Heimatgemeinde Leithaprodersdorf. Seinen 30. Geburtstag im letzten September feierte er aber nur als Zuschauer, weil er im BFV-Cup gegen St. Margarethen einen Kreuzbandriss erlitt. Es ist seine erste gröbere Verletzung. Seit er 16 ist spielt er in der Kampfmannschaft, vorerst in der 2. Liga Nord. Erst 2016 gelang der Aufstieg, samt sofortigem Abstieg. Seit 2018 allerdings ist Leithaprodersdorf Stammgast in der Landesliga. Vor 40 Jahren hatte die erste goldene Ära des Klubs dort geendet. Anfang der 2000er gab es ein kurzes Comeback samt Durststrecke bis zur Generation um Stephan Heiss.

BVZ: Wie ging es Ihnen nach der Verletzung?

Stephan Heiss: Ich war am Boden zerstört. Ich war noch nie so schwer verletzt. Und ich habe mich so auf den Meisterschaftsauftakt gefreut, auf das Spiel gegen Mattersburg in Pappelstadion. Dort habe ich als Kind so viele Spiele gesehen.

Waren Sie sich sofort bewusst, dass es etwas Gröberes ist?

Ich bin weggeknickt, habe aber weiter gespielt, aber gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Über Nacht ist das Knie angeschwollen, beim MRT war die Schwellung wieder weg. Das Ergebnis der Untersuchung war dann ein Schlag in den Magen.

Heiss: „Jeder, der sich uns anschließt, spürt dieses familiäre Umfeld“

© Christopher Schneeweiß

Ihre Reaktion?

Ich dachte viel nach und wollte eigentlich aufhören. Ich habe einen dreijährigen Sohn, wir bekommen im Mai das zweite Kind, haben Haus gebaut und dann noch die Arbeit. Ich wusste nicht, wie ich die Motivation aufbringen sollte, um an einem Comeback zu arbeiten. Den Ball gegen Hantel und Ergometer einzutauschen war für mich unvorstellbar.

Was hat Sie umgestimmt?

Die Ärztin hat mir vor der OP gesagt, dass "nur" das Kreuzband ab ist. Knorpel und Meniskus sind nicht betroffen Und dass die Wahrscheinlichkeit wieder Fußball spielen zu können, relativ hoch ist. Ich habe auch viel mit dem Trainer und Mitspielern gesprochen und irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, wo ich wusste, dass das nicht das Ende gewesen sein konnte.

Wann wollen Sie zurück auf den Platz?

Ich bin motiviert dafür zu arbeiten, aber unterm Strich mache ich mir keinen Stress. Ich will auch nichts riskieren und womöglich zu früh beginnen, deswegen jetzt Schritt für Schritt und mein Ziel ist es, in der Sommer-Vorbereitung wieder voll dabei zu sein bei den Jungs.

Heiss: „Jeder, der sich uns anschließt, spürt dieses familiäre Umfeld“

© Günther Pavlovics

Mit Ihnen zählen dann sechs Spieler aus Leithaprodersdorf zur Stammformation.

Das ist schon beachtlich, wir haben sehr viele junge Talente und die gilt es nach und nach an die Kampfmannschaft heranzuführen, wir älteren Spieler sind dann gefragt, sie zu unterstützen und zu begleiten. Die Jungs rund um Tobi Beran, Fabi Dinhof, Levi und Simi Markhardt sind alle Anfang Mitte 20 und gefühlt schon ewig dabei. Ich kann mich noch gut erinnern, wo sie am Sprung zu uns waren, und jetzt sind sie nicht mehr wegzudenken. Die Nachwuchsarbeit beim SVL spricht ja für sich. Man kann von den Trainern und Trainerinnen nur den Hut ziehen, was da Tag täglich geleistet wird, ist sensationell und einzigartig in der Umgebung würde ich sagen.

Heiss: „Jeder, der sich uns anschließt, spürt dieses familiäre Umfeld“

© Christopher Schneeweiß

Was schweißt die Truppe zusammen?

Beim SVL ist es extrem familiär. Jeder der sich uns anschließt, spürt dieses familiäre Umfeld meist nach wenigen Tagen. Ich selber habe noch viel Kontakt zu ehemaligen Spielern und viele davon sagen, dass ihre schönste Zeit beim SVL war. Der Charakter dieser Mannschaft ist unvergleichbar, und ich bin stolz schon solange Teil davon sein zu dürfen!

Familie oder Geld?

Es gabt während meiner Zeit in Leithaprodersdorf immer wieder mal Angebote. Ich habe mich aber immer für den SVL entschieden und würde es wieder machen. Es waren in der Zeit wirklich viele gute Fußballer hier, und ich habe dadurch auch sehr gute Freundschaften geschlossen weit über den Fußball hinaus, und dafür bin ich sehr dankbar.

Heiss: „Jeder, der sich uns anschließt, spürt dieses familiäre Umfeld“

© Günther Pavlovics

Mit Mario Santner gibt es seit eineinhalb Jahren einen ehrgeizigen Trainer, der hoch hinaus will.

Ich mag seine Art und wie er die Dinge angeht. Er hat das nötige Verständnis für die Spieler, was für einen Trainer sehr wichtig ist und weiß aber im Gegenzug, was er von der Mannschaft verlangen kann. Wir Spieler wissen genau, was wir an unserem Trainerteam haben. Mario Santner und sein Assistent Michael Terdy sind menschlich und fachlich einfach top, und es macht uns extrem viel Spaß mit ihnen Arbeiten zu dürfen.