Sebastian Koch im Haydnsaal: „Die ,Traumnovelle‘ ist wie Musik“
BVZ-Interview
Der deutsche Schauspielstar Sebastian Koch gastiert am 5. April (20 Uhr) mit seiner musikalischen Lesung im Schloss Esterházy: Im Rahmen des Streichquartettfestivals „quartetto plus“ gibt es Arthur Schnitzlers Klassiker mit Jazz zu hören. Mit der BVZ sprach Sebastian Koch über die Kraft des Textes.
Schauspieler Sebastian Koch. Am Samstag ist der deutsche Kinostar zu Gast im Schloss Esterházy.
© Mathias Bothor
Vor 100 Jahren wurde Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ veröffentlicht: Was früher als Skandal galt, ist heute noch ein hochaktuelles Buch über Beziehungen und auch über die Gesellschaft, findet Sebastian Koch, der „jeden Winkel des Textes kennt“, wie er im Interview erzählte.
Auf der Leinwand und im TV kennt man Sebastian Koch aus seinen Rollen in „Speer und Er“, „Das Leben der Anderen“ oder Hollywood-Filmen wie „Bridge of Spies“. Mit seinem musikalischen Programm zur „Traumnovelle“ ist der Schauspieler aber ebenso lange auch auf den Bühnen unterwegs. Sein Festival-Abend im Haydnsaal (5. April, 20 Uhr) ist eines der Highlights von „quartetto plus“ (4. bis 6. April, Programm siehe unten).
Sebastian Koch im Interview
Zum 100-jährige Jubiläum des Buches passt der Abend im Schloss Esterházy natürlich wunderbar. Sie sind aber schon lange mit der „Traumnovelle“ vertraut, wie man weiß.
Sebastian Koch: Dieser Text begleitet mich tatsächlich schon ewig, 100 Jahre sind aber auch nochmal etwas ganz Besonderes. Die „Traumnovelle“ ist so aktuell und modern, weil es einfach ein guter Text ist. Was die Situation der Frau betrifft, war das Buch damals ein Paukenschlag, weil es so viel über die Beziehung von Mann und Frau erzählt und einstige gesellschaftliche Normen hinterfragt. Was ich außerdem schön finde: Dass der Text so musikalisch ist, so klug, zart und liebevoll geschrieben. Die Komposition von Hubert Nuss ergänzt das kongenial, sie ist ganz eng mit der Geschichte verwoben.
Die Verbindung von Text und Musik ist Ihnen ebenfalls seit jeher wichtig?
Ich bin mit viel Klassik aufgewachsen, und die Wirkung von Musik hat mich nie wieder losgelassen. Schon vor beinahe 30 Jahren habe ich damit begonnen, Literatur und Klassik zusammenzuführen. Was anfangs zu dieser Zeit vielleicht noch skeptisch gesehen wurde, hat sich heute längst etabliert. Das macht mir große Freude, weil man auch diese Einheit von Musik und Text und das sich gegenseitige Bedingen herausarbeiten kann.
Im Haydnsaal werden Sie bei Ihrer Lesung vom Hubert Nuss Jazzquartett begleitet. Wie sind Sie auf diese Verbindung gestoßen?
Zuallererst war das ein Gefühl, als ich im Auto den Soundtrack von Miles Davis zu „Fahrstuhl zum Schafott“ wieder mal gehört habe: Dieser schwüle, morbide, erotische Klang der Trompete erinnerte mich plötzlich und sehr intensiv an die „Traumnovelle“. Und so habe ich mich mit dem wunderbaren Pianisten Hubert Nuss zusammengetan. Im Schlafzimmer meiner damaligen Wohnung stand ein Klavier, und da haben wir dann zusammen das Programm konzipiert. Der Text hat etwas von einer Fuge, das hat Hubert dann in seine Komposition mit aufgenommen.

© Wolfgang Millendorfer
Für Künstlerinnen und Künstler ist es auch immer etwas Besonderes, an der ehemaligen Wirkungsstätte Joseph Haydns aufzutreten. Wie eng sind Sie mit seinem Werk – oder gar mit dem Burgenland – verbunden?
Ich habe einmal eine Art Reihe über Haydn gemacht, in Verbindung mit den Heidelberger Symphonikern und dem früheren Zeitgeschehen. Ich kenne auch die Geschichte der Fürsten Esterházy, die Verbindung ist also gegeben. Mit dem Burgenland und Eisenstadt verbindet mich bis jetzt zwar noch nichts, aber das kann ja jetzt kommen. In Österreich bin ich immer wieder sehr gerne, vor allem in Wien drehe ich hin und wieder. Ein Höhepunkt war es für mich, die „Traumnovelle“ im Theater in der Josefstadt zu lesen, im achten Bezirk, wo die Geschichte ja auch spielt!
Wie sehr soll oder darf man Schnitzlers Text eigentlich im Licht heutiger Geschlechter-Diskussionen lesen?
Die Geschichte ist für mich perfekt, man sollte nicht jede Zeit überinterpretieren. Die Conclusio steht für mich am Ende des Buches, und sie heißt: „Es gibt Gesprächsbedarf.“ Der Wunsch des Paares, dass sich etwas ändert, der macht Hoffnung. In einer Beziehung muss man gemeinsam wachsen, und das ist nur möglich, wenn man ein zartes Verhältnis zueinander hat. Das sagt Schnitzlers Text für mich auch aus, es geht um gegenseitigen Respekt. So würde ich es heute auch sehen: Dass wir wieder ein wenig Entspannung reinbekommen und respektvoll miteinander umgehen.
Das Festival-Programm: „quartetto plus“
4. April (19.30 Uhr):„Fandango” im Haydnsaal – Cuarteto Casals (Vera Martínez Mehner, Violine / Abel Tomàs Realp, Violine / Jonathan Brown, Viola / Arnau Tomàs Realp, Violoncello) und Emanuele Buono an der Gitarre
5. April (18 Uhr):„American Dream” im Empiresaal – SIGNUM saxophone quartet (Blaž Kemperle, Sopransaxophon / Jacopo Taddei, Altsaxophon / Alan Lužar, Tenorsaxophon / David Brand, Baritonsaxophon)
5. April (20):Die „Traumnovelle“ im Haydnsaal – mit Sebastian Koch und dem Hubert Nuss Jazzquartett
6. April (11 Uhr):„Sunrise“ im Haydnsaal – Aris Quartett (Anna Katharina Wildermuth, Violine / Noémi Zipperling, Violine / Caspar Vinzens, Viola / Lukas Sieber, Violoncello) und Eckart Runge am Violoncello
Infos & Karten auf www.esterhazy.at