50 Jahre Wiesen Festivals: Jazz, Reggae und vieles mehr
BVZ-Martini
Die Familie Bogner mit ihren Wiesen-Festivals sind die diesjährigen Gewinner des BVZ-Martini in der Kategorie Kultur. Franz und Juliane Bogner berichten über die Entstehungsgeschichte und was für 2026, wenn die Wiesen Festivals das 50−jährige Jubiläum feiern, geplant ist.
BVZ-Chefredakteur Markus Stefanitsch überreichte Juliane Bogner den BVZ-Martini.
© Wolfgang Millendorfer
BVZ: Kommendes Jahr wird das 50-jährige Jubiläum der Wiesen-Festivals gefeiert. Woher stammt Ihre Liebe zur Musik?
Franz Bogner:Mein Bezug zur Musik stammt eigentlich aus Oberschützen, wo ich zur Schule gegangen bin. Dort habe ich das Trompetenspielen erlernt. Ich habe bereits mit 15 Jahren in einer Band gespielt, in deren Programm auch Jazz vertreten war.
In jungen Jahren war Ihre zweite Leidenschaft der Motorsport.
Franz Bogner: Das stimmt. Ich habe dann die HTL in Mödling mit der Fachrichtung Maschinen- und KFZ-Bau besucht. Mein großes Idol war mein leider bereits verstorbener Bruder Reinhard. Er ist Motorrennen gefahren und wurde einmal Sechster bei der Staatsmeisterschaft. Ich war meist als Mechaniker mit dabei und bin selbst auch Bergrennen gefahren. Es war eine Zeit, als ein Niki Lauda oder ein Keke Rosberg in unserer Klasse gefahren ist
Wie kamen die ersten Konzerte überhaupt nach Wiesen?
Franz Bogner: Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre waren viele lokale Bands wie die Meadows oder die Moonshots unterwegs, und es hat nicht allzu viele Lokale zum Spielen gegeben. Meine Eltern haben das Gasthaus Feurer – wo sich nun das Jazz Pub befindet – geführt. Da hat sich der Saal angeboten. Es hat relativ viele Konzerte gegeben, noch bevor wir die Jazz Pub Disco eröffnet haben.
Wie ist dann das Jazz Pub entstanden?
Franz Bogner: Das war zunächst keine Disco im herkömmlichen Sinne. Wir haben auf der Bühne einen Biertisch hingestellt. Biringer Franz hatte damals die Band AirForce, von denen hatten wir zwei Boxen und das Mischpult. Dann haben wir ein Equipment in den Raum „reingestellt“ und einen „Disco-Mischer“. So haben wir 1972 mit der eigentlichen Disco begonnen. Der Name war „Racing Disc“.
Wie ist man auf den Namen Jazz Pub gekommen?
Franz Bogner:Es haben dann auch in der Disco Bands gespielt, und vor allem JazzBands sind sehr gut angekommen. Ich denke etwa an die erste Free-Jazz-Band aus Wien. Wenn die gespielt haben, war die Hütte voll. Bei uns hatten sie viel mehr Zuschauer als in Wien. Uns ist bewusst geworden, dass der Name Racing Disc nicht mehr passt. Albert Mayer ist 1974 schließlich auf den Namen Jazz Pub gekommen.
Bereits im Jazz Pub sind ja Musikgrößen von Weltformat aufgetreten.
Franz Bogner: Da gibt es unzählige: Don Cherry, Vater von Eagle-Eye und Neneh Cherry, Barbara Thompson, Ginger Baker oder auch Colosseum mit Gary Moore. Nach einer Zeit mussten wir uns selbst nicht mehr um die Bands kümmern, die haben sich alle selber „angetragen“.
1976 fand dann das erste Jazz-Festival statt. Wie ist es dazu gekommen?
Franz Bogner:Die Konzerte im Jazz Pub sind äußerst gut angekommen. So haben wir gesagt: „Probieren wir ein Freiluft-Festival.“ Es war das zweitägige Internationale JazzFest mit zwölf Bands, und 500 Leute waren vor Ort. Finanziell gesehen hat diese Veranstaltung ein Defizit gebracht. Die Werbewirkung war jedoch enorm, sodass dann im Jazz Pub jeden Abend 500 Leute waren. Unterm Strich hat es sich also rentiert. Und wir haben uns entschlossen, auch im Jahr darauf ein Jazz-Fest zu machen.
Die Freiluft-Veranstaltungen waren zunächst noch nicht am jetzigen Festivalgelände.
Franz Bogner:Das stimmt. Das erste Fest war am jetzigen Tennisplatz. Eine Woche zuvor fand dort der Ananas-Cocktail statt, und wir haben das Zelt genutzt. 1977 ist das JazzFest dann am Trainingsplatz des jetzigen Sportplatzes durchgeführt worden. 1978 hat es dann von Seiten der Gemeinde Widerstände gegeben: „Zu laut und in der Ortschaft“ – war die Begründung. Wir haben das Jazz-Fest dann in einem privaten, großen Garten abgehalten. Danach ist es sukzessive gewachsen. 1979 und 1980 konnten wir die Bands in einer Schottergrube der Kies Union, direkt am Keltenberg, spielen lassen. Bei drei Tagen hatten wir dann schon 2.000 Besucher.
Stimmt es, dass das Jazz-Festival dann fast vor dem Aus stand?
Franz Bogner: Ja, weil die Schottergrube aufgelassen wurde, musste ich mir eine neue Veranstaltungsstätte suchen. Ich war sogar in Rotenturm und habe mir das Schloss angeschaut. Das Areal hätte sich angeboten.
Dann ist man schließlich dort gelandet, wo auch jetzt noch die Festivals stattfinden.
Franz Bogner: Zunächst kauften wir einen eher kleinen Teil des aktuellen Areals. Im Laufe der Jahre haben wir das Gelände dann sukzessive erweitert.
Im Laufe der Zeit hat man das Musikangebot sukzessive erweitert, den Besuchern wurde nicht mehr ausschließlich Jazz angeboten.
Franz Bogner: Uns war natürlich bewusst, dass wir auch andere Veranstaltungen machen müssen, damit sich das finanziell trägt. Damals ist im Jazz Pub auch afrikanische Musik und Reggae sehr gut „gegangen“. Die Idee für das Sunsplash war geboren. Sunsplash stand immer für Reggae sowie Musik aus den Ursprungsländern des Reggae – afrikanische und lateinamerikanische Musik.
Stichwort Sunsplash – Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Franz Bogner: Da gibt es viele schöne Erlebnisse. 1987, beim zweiten Sunsplash zum Beispiel, hatte Ray Lema einen Auftritt. Das Konzert war ein Wahnsinn, und die Stimmung schwappte natürlich aufs Publikum über. Nach dem Auftritt verließ Ray Lema kurz die Bühne, stellte sich hin und weinte vom Herzen. Nach der Zugabe habe ich ihn dann gefragt: „Na, was war denn los?“ Er hat dann zu mir gesagt: „Ich habe geglaubt, ich bin in Afrika.“ Das sind Erlebnisse, die packen dich ganz einfach.
Im Laufe der Zeit wurde, wie Sie bereits erwähnt haben, das Gelände sukzessive erweitert. In den 1990er-Jahren wurde der „Ausbau“ des Kerngeländes abgeschlossen. Im Bereich der Infrastruktur gibt es ein spannendes Detail, das den Festivalbesuchern eigentlich stets verborgen bleibt.
Franz Bogner:Die Garderoben für die Künstler befinden sich hinter der Bühne in Zugwaggons. Früher hatten wir Wohnwägen, die waren jedoch sehr filigran. Ich habe mitbekommen, dass in Straßhof alte Waggons hätten verschrottet werden sollen. Ich habe sie heruntertransportieren lassen. Dies war 1982. Es gibt sie noch immer für die Bands als Location zum Umziehen. Es sind vier Waggons mit insgesamt sieben Garderoben.
© zVg
Bei Jazz und Reggae ist es in Wiesen jedoch nicht geblieben.
Franz Bogner:Das Jazz Fest und das Sunsplash waren ja wirklich große Erfolge. Wir sind dann zum Entschluss gekommen, dass wir den Besuchern auch etwas anderes anbieten. Mitte der 1990er-Jahre haben wir begonnen, größere Konzerte und andere Festivals zu veranstalten. Das Forest Glade oder auch das Two Days a Week-Festival waren enorme Erfolge.
50 Jahre Wiesen-Festivals – kann man das in zwei, drei Sätzen zusammenfassen?
Franz Bogner: Das ist nicht einfach. Was vielleicht vielen nicht so bewusst ist: Wir haben über die Jahre hinweg viele verschiedene Musikrichtungen nach Österreich gebracht. 1976 haben wir mit dem Jazz Fest begonnen, 1985 das Sunsplash, in den 1990er-Jahren das Forest Glade und 2003 gab es die „Electric Dance“-Schiene mit den Urban Art Forms. Von all diesen Formaten waren wir die Initiatoren. Ich denke, es gibt eine Unmenge an Menschen, die in Wiesen eine sehr schöne Zeit verbracht haben.
Zurück zur Gegenwart. Wie schwierig ist es, gewinnbringend zu wirtschaften?
Juliane Bogner: Wie in vielen Wirtschaftszweigen ist es auch in unserer Branche momentan nicht einfach, mit dieser Situation sind wir also nicht alleine. Aber wir bleiben positiv und sind ständig dran, neue Wege zu finden.
Das Metal Fields wurde nach vergangenem Jahr auch heuer wieder abgesagt.
Juliane Bogner: Wir wollten das Metal Fields auf nächstes Jahr verschieben, aber leider ist uns ein Sponsor abgesprungen. Ohne Unterstützung geht es eben leider nicht. Aber wir bieten trotzdem und ganz besonders zum 50-Jahr-Jubiläum sehr gute Präsentationsflächen für heimische Unternehmen. Veranstaltungen dafür gibt es in Wiesen heuer genug!
Sie sind mit dem Jazz Pub und den Festivals aufgewachsen, mittlerweile leiten Sie gemeinsam mit Ihrem Bruder Franz-Peter die Wiesen-Festivals. An welches Konzert erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
Juliane Bogner:Das war jenes von Manu Chao im Jahr 2002. Ich war damals 17 Jahre alt. Ich kannte nur seinen Hit „King of the Bongo“, der mir eigentlich etwas zu monoton war. Live war Manu Chao ein Wahnsinn. Da ist es auch im VIP-Bereich, wo es in der Regel eher ruhig ist, „voll abgegangen“
Wie wird sich das Programm im Jubiläumsjahr gestalten?
Juliane Bogner:Wir haben wieder wie in den letzten Jahren ein abwechslungsreiches Programm. Unter anderem das Herbert-Pixner-Projekt an zwei Tagen, Steinbäcker wird aufspielen, Josh., Rian, Omar Sarsam, das One Love Festival, Martina Schwarzmann, Legenden des Austropop, das Outback Festival oder auch Nic k P.
Gibt es zum Abschluss einen Wunsch an das Wiesen-Publikum?
Juliane Bogner: Die Wiesen-Festivals gibt es im kommenden Jahr seit 50 Jahren. Es hatten irrsinnig viele Leute eine schöne Zeit in Wiesen. Darunter sind auch Leute, die aktuell vielleicht nicht kommen. Allein aus dem Grund, dass sie so schöne Erinnerungen haben, hoffen wir, dass sie uns trotzdem unterstützen. Diesen Zuspruch brauchen wir nun auch. Wir sind gerade mitten in der Ausarbeitung des Konzepts „Friends of Wiesen“. Wir glauben, dass dieser Friends Club mit besonderen Wiesen-Geschenken für ihre Mitglieder sehr gut aufgenommen wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
Nur ein kleiner Auszug der Acts, die im Rahmen der Wiesen Festivals aufgetreten sind:
1980: Chico Freeman (Jazz Festival).
1983: Ray Charles, Ella Fitzgerald.. (Jazz Festival).
1984: Weather Reprot mit Joe Zawinul, Dave Brubeck Quartett, Miles Davis Sextett, Chick Corea (Jazzsummit).
1985: Desmond Dekker, Supermax (Sunsplash).
1988: Ron Wood and Bo Diddley, Chuck Mangione Band (Jazzfest). Ray Lema (Sunsplash).
1989: Herbie Hancock (Jazz Fest).
1992: Saxon, Killers (Live Aid for Croatia). Steve Coleman and Five Elements (Jazzfest). New Model Armay (Independent Festival). Kid Creole and the Coconuts (Sunsplash). Carlos Santana.
1993: The Pogues (InDAYpendent Festival). Jethro Tull. Fats Domino.
1994: Iggy Pop, Crash Test Dummies (TriDAYpenden Festival). Rats and Roots (Sunsplash). Uriah Heep, Nazareth, Alkbottle (Stone Rock). Reinhard Fendrich.
1995: Ziggy Marley, Jimmy Cliff, The Wailers (Tribute To Bob Marley). Therapy, H-Blockx (Forestglade). Schürzenjäger. Faith No More. Green Day. Björk. Die Ärzte.
1996: Van Morrison (Jazzfest). Nick Cave (Forestglade). Black Uhuru (Sunsplash). Mark Knopfler.
1997: Gary Moore, Eric Burdon, Peter Green (Blues Conference).
1998: The Cure, Pulp, Rammstein, Ash, Paradise Lost, Guano Apes (Forestglade). Hans Söllner, Ras and Roots (Sunsplash). Jestofunk (GrroveQuake). Austria 3.
1999: Bloodhound Gang, Tito and Tarantula, Deus (Forestglade). Marla Glen (Jazzfest). Red Hot Chilli Peppers, Joe Strumner, The Offspring (Two Days A Week).
2000: Nina Hager, Tocotronic, NIne Inch Nails, Dog Eat Dog (Forestglade 2k). Alpha Blondy, Misty in Roots, Sly Robbie and Black Uhuru (Sunsplash). Blink 182, Limp Bizkit (Two Days a Week).
2001:Judas Priest (Mind Over Matter). Third World (Spring Vibration). Placebo, New Model Army, Söhne Mannheims, PJ Harvey (Forestglade). Aswad (Sunsplash). Run DMC, Die Ärzte (Two Days A Week). Jamiroquai.
2002:Leningrad Cowboys (Legends of Rock). Ostbahn Kurti. STS. Bush, Shane Mac Gowan, Heather Nova (Forestglade). Manu Chao, Chuck Mangione (GrooveQuake). Jovanotti, Marla Glen, Van Morrison, Randy Crawford (Jazzfest). UB40 (Sunsplash). Korn (Two Days A Week). Sportfreunde Stiller, Heinz (Alpha).
2003: Marilyn Manson (Kick Off). Underworld, Farin Urlaub (Forestglade). Calexico (Jazzfest). Bauchklang, Sly and Robbie (Sunsplash). Placebo, K's Choice (Two Days A Week).
2004: Massive Attack (Groove Quake). Litterbox (Spring Vibration). Wir sind Helden (Forestglade). Zucchero (Jazzfest). Nena. Shaggy (Sunsplash). Kings of Leon, Franz Ferdinand, Muse, Mike Patton (Two Days A Week). Tito and Tarantula (Alpha).
2005: Garbage, Seed (Forestglade), Rebekka Bakken (Jazzfest), Clawfinger, Bad Religion, Korn (Two Days A Week).
2006: Stanley Clarke George Duke Project (Jazzfest). Rise Against Jimmy Eat World (Two Days A Week).
2007: Joe Cocker, Roy Hodgson, John Fogerty.
2008: Live, Pennywise (Two Days A Week).
2009: Jestofunk (The Nova Jazz & Blues Night). Alpha Blondy & Solar System (Sunsplash Reloaded). Leonard Cohen. The Offspring, Die Toten Hosen (Two Days A Week).
2010: Toto, Uriah Heep (Lovely Days). The Cranberries, Faith No More Gossip (Forestglade). Jamiroquai (The Nova Jazz & Blues Night). Bildberbuch (Two Days A Week).
2011: Arcade Fire. Jack Johnson. Jimmy Cliff (Sunsplash Reloaded). Hatebreed, Paradise Lost (Two Days A Week).
2012: Mumford & Sons, Thees Uhlmann & Band (Harvest Of Art). Lou Reed & Band (Lovely Days). Billy Idol (Forestglade). Flogging Molly, In Flames (Two Days A Week).
2013: Andreas Gabalier & Band. ZZ Top, Status Quo, Steve Winwood, Opus (Lovely Days). Arctic Monkeys (Harvest Of Art). Al Jarreau, Jamie Cullum (The Nova Jazz & Blues Night). Die Ärzte. NOFX, The Darkness (Two Days A Week).
2014: Manu Chao. Chicago (Lovely Days). Gregory Porter (The Nova Jazz & Dance Night).
2015: Bob Dylan and his Band. Eric Burdon (Lovely Days). Wanda (Harvest Of Art). Count Basic (Nova Jazz & Blues Night). A Caustic Fate, Flogging Molly, Anti-Flag, Sepultura (Two Days A Week). Hubert von Goisern.
2016: Tocotronic (Out Of The Woods). Revolverheld. NOFX (And There Come The Wolves).
2017: Die Toten Hosen.
2021: Rebekka Bakken (Woman of Wiesen). Seer.
2022: Pennywise, NOFX (Punk in Drublic). Peter Cornelius. Third World, Julian Marley (One Love Festival).