Duo Kutrowatz im Interview: „Auf der Bühne muss es einfach rocken“
BVZ-Martini - Kultur
Als Klavier- und Intendanten-Duo sind sie die bekanntesten Brüder der burgenländischen Szene. Zum 40-jährigen Bühnenjubiläum überzeugten Johannes und Eduard Kutrowatz auch die Jury des BVZ-Martini in der Kategorie Kultur. Im Interview geben sie Einblick in die Pläne fürs Liszt-Zentrum Raiding, erzählen Anekdoten und sprechen darüber, wie es im vierhändigen brüderlichen Duett am besten läuft.
Freude über den Kulturpreis. Eduard und Johannes Kutrowatz (v.l.) bei der Überreichung des BVZ-Martini auf der Dachterrasse des KUZ Eisenstadt. Auch hier steht den Brüdern ein Büro zur Verfügung. Zuhause sind die gebürtigen Rohrbacher aber auf der ganzen Welt – und in Raiding.
© Gregor Hafner, Hafner Gregor
BVZ: Sie spielen seit 40 Jahren gemeinsam Klavier. Sie erinnern sich beide bestimmt noch an das erste Konzert, oder?
Johannes Kutrowatz:Natürlich! Das war am 12. Juni 1983 im Kulturzentrum Mattersburg, ein Riesenprogramm an zwei Klavieren. Wir haben davor schon auch Konzerte gespielt, aber das war sozusagen der Startschuss mit gerammelt vollem Saal.
Wer hatte eigentlich zuerst die Idee, als Brüder-Duo aufzutreten?
Johannes Kutrowatz:Das kam noch aus der Ausbildungszeit, die haben wir damals solo an der Musik-Uni absolviert. Und unsere gemeinsame Professorin Renate Kramer-Preisenhammer, die in ihrer Karriere selbst im Klavierduo gespielt hatte, meinte einmal: „Leute, der Markt ist hart und weltweit eng – es könnte aber funktionieren, dass zwei Brüder als Klavierduo reüssieren.“ Und dann ergab ein Schritt den nächsten.
Wie schnell kam Ihre Karriere dann in Schwung?
Johannes Kutrowatz: Es gab damals zwei entscheidende Schritte: Der eine war ein Wettbewerbspreis in Italien in der Sparte Klavierduo, womit schon eine gewisse Aufmerksamkeit im internationalen Kontext erregt war. Und der zweite große Meilenstein war, dass wir im Zuge einer Japan-Tournee für jemanden eingesprungen sind. Das war für uns der entscheidende Türöffner dazu, dass Japan und der asiatische Raum für unsere Karriere ganz wesentlich geworden sind.
Die Verbindung zu Japan hat ja bis heute angehalten. Ein zweites Zuhause, oder ein drittes?
Eduard Kutrowatz: Man kann sagen, Japan war von Anfang an eine wichtige Station in unserem musikalischen Reisetagebuch. Wir sind viel unterwegs, aber im Endeffekt haben wir Burgenland immer als unsere Homebase gesehen, auch als unsere Experimentierwerkstatt in allen Bereichen.
Die Gründung des Klangfrühlings auf Burg Schlaining war dann unsere burgenländische Zentrale für ein internationales, weltumspannendes Festival. Das hat damals auch sozusagen vier Kontinente umfasst.
Zeitgleich haben Sie auch in Japan ein Festival geleitet. Wie haben Sie diesen ständigen Wechsel der Kulturen erlebt?
Eduard Kutrowatz:Das Festival in Japan war natürlich ebenfalls malerisch schön, direkt am Fuß des Fujiyama. Auch dort war es der Sinn und Zweck, Kulturen zu verbinden: traditionelles japanisches Instrumentarium mit Haydn, Mozart, Liszt und allem, was dazugehört, zusammenzuführen.
Das hat große Freude gemacht und es war natürlich Spitzensport, wenn man das so bezeichnen will. Man hat gesehen, was schon Haydn einst gesagt hat: „Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt.“ Kultur verbindet die Menschen wirklich!
Johannes Kutrowatz:Beim Liszt-Festival bringen wir die Menschen nach Raiding und versuchen, diese Begeisterung weiterzugeben. Wir waren und sind leidenschaftliche Burgenländer und wir haben diese Schmelztiegel-Mentalität des Burgenländers in unserem künstlerischen Schaffen weltweit ausgelebt. Auch indem wir die verschiedenen Einflüsse – die ungarischen und kroatischen Wurzeln – in die Welt hinausgetragen haben.
© Gregor Hafner, Hafner Gregor
Im Gegenzug kommen durch die Netzwerke viele internationale Künstlerinnen und Künstler zum Festival hierher. Welche Anziehung übt Raiding als Liszt-Geburtsort aus?
Johannes Kutrowatz:Diese emotionale Kraft von historischen Wurzeln, das hat für Künstlerinnen und Künstler eine unglaubliche Bedeutung und starke Anziehungskraft. Zugleich ist die Anforderung extrem hoch, um in Raiding aufzutreten, die Latte liegt auf Weltklasse-Niveau. Also das Liszt-Zentrum ist Champions League.
Derzeit läuft der Umbau des Liszt-Zentrums und des Museums, nächstes Jahr wird neu eröffnet – wie geht es Ihnen mit dem Bauprojekt?
Johannes Kutrowatz: In unserer „fortgeschrittenen Jugend“ ist es natürlich eine große, aber auch schöne Herausforderung, dieses riesige Projekt als Kuratoren zu begleiten. Wir haben diese Phase auch – dem kulturpolitischen Auftrag folgend – dazu genützt, das Haus für eine Ganzjahres-Bespielung vorzubereiten. In enger Abstimmung mit unserem Team ist die Planung schon erfolgt.
Eduard Kutrowatz: Das Liszt-Festival steht als großer Paukenschlag zu Beginn der Saison. In der Jahres-Bespielung können jetzt noch verschiedenste weitere Themenbereiche abgedeckt werden, von Familienkonzerten und Sommerkonzerten über die Barocktage bis zum Aspekt der Blasmusik.
Welchen Stellenwert wird das neu gestaltete Liszt-Museum einnehmen?
Johannes Kutrowatz: Das Museum wird im Mai eröffnet, und wir erwarten, dass mit einem internationalen Besucherstrom zusätzlich der Fokus auf den Standort und auf das Burgenland gerichtet sein wird. Man darf eines nicht vergessen: Als Geburtsort spielt Raiding im großen Reigen der Liszt-Stätten wie Budapest, Bayreuth und Weimar eine gleichbedeutende Rolle. Das wird mit dem Umbau neu geschärft. Eine Herausforderung, die wir genießen. Man wird als Kurator gerne ein Ermöglicher.
Sie bringen immer neue und auch junge Künstlerinnen und Künstler nach Raiding. Ebenso geht es wie bei allen Spielstätten um den Nachwuchs im Publikum, oder?
Eduard Kutrowatz: Das liegt uns natürlich ebenso am Herzen, darauf achten wir sogar länderübergreifend. Wir gehen auch gerne in die Schulen, nehmen die Jungen im wahrsten Sinn des Wortes bei der Hand und bringen sie ins Liszt-Zentrum.
Und wer einmal in diesem Haus war, der ist auch begeistert. Was da auf der Bühne passiert, gerade im Bereich klassischer Kunst, das ist nichts Museales, das ist einfach Popkultur. Da ist Franz Liszt im höchsten Maße dazu geeignet, er wird nicht umsonst als der erste Popstar der Musikgeschichte vermarktet.

© Nina Mayer
Zeigt sich diese Nachwuchsarbeit am Ende auch an den Zuschauerzahlen?
Johannes Kutrowatz: Da hat sich beim Festival schon viel getan. Der Anteil der jugendlichen Zuhörerinnen und Zuhörer wird immer größer. Das ist unser Hauptaugenmerk für die Zukunft.
Eduard Kutrowatz:Wir sehen es als unsere Aufgabe, das Erlebnis Live-Musik zu fördern – und darum, die Menschen ins Konzert zu bringen. Wer einmal dabei war, der spürt, dass man dabei etwas erlebt. Wir sagen immer: Wir verkaufen keine Konzertkarten, wir verkaufen Emotionen und Erlebnisse.
Sie sind klarerweise als Liszt-Spezialisten bekannt. Welche Komponisten haben Sie außerdem ständig begleitet?
Eduard Kutrowatz: Das Burgenland hat mit Joseph Haydn und Franz Liszt ja gleich zwei große Schätze. Die sind natürlich gleichbedeutend und lassen sich, gerade in der Historie, gar nicht trennen. Uns sind alle Komponisten gleich wichtig. Liszt steht im Zentrum und er ist der Star des Festivals, das ist unsere Maxime
Wenn man Sie nach einem Lieblings-Komponisten fragen würde, was wäre die Antwort?
Johannes Kutrowatz:Also mein Lieblings-Komponist ist inzwischen mein Bruder Eduard Kutrowatz geworden. Weil ihm seine ausgeprägte kompositorische Ader ein Ausdrucks- Bedürfnis ist. Er hat eine ganz persönliche musikalische Sprache gefunden, die stilistisch unglaublich breit aufgestellt ist.
Sie ist gleichzeitig nie plakativ und geschmäcklerisch. Das ermöglicht auch den Ausführenden trotz der Vorbereitungs-Schwerarbeit einen echten Genuss. Das ist eine sehr aparte Kombination und im Kunstbetrieb durchaus selten zu finden.
Eduard Kutrowatz: Da kann ich bei Johannes ganz beruhigt sein. Er ist einer der geradlinigsten Menschen, die ich kenne, und er würd's mir sehr klar sagen, wenn ihm etwas nicht gefällt. Wenn er sagt, dass es gut ist, dann ist das für mich eine hohe Wertschätzung und auch das größte Kompliment. Unser Fundament, das sind und bleiben dabei immer die „Säulenheiligen“ wie Liszt, Haydn, Bach, Mozart, Schubert, Beethoven. Das ist einfach unser Schatz im Musikland Österreich.
Wie gehen Sie als Intendanten an diesen Schatz heran? Wie hoch sind die Ansprüche an sie selbst?
Johannes Kutrowatz: Die Kunst des Intendanten ist es nicht, zu versuchen, das Rad neu zu erfinden, auch nicht mit dem Format Konzert. Das ist ja nur im ersten Moment eine scheinbar konservative Präsentationsform. Die Kunst des Intendanten ist es aber, Interpretinnen und Interpreten auszusuchen, die auf der Bühne rocken, von Bach über Liszt bis zu zeitgenössischen Werken.
Auch bei den Sprechern und Vortragenden geht es um diese Kraft der Persönlichkeit, wenn man so will, um Grenzgänger. Wir werden ja nichts auf die Bühne setzen, was uns nicht gefällt.

© Nina Mayer
Sie sind auch hochaktiv am Klavier und selbst im Konzertbetrieb. Stellt sich rund um das heurige Bühnenjubiläum und nach so vielen Jahren überhaupt noch die Frage, wie speziell die enge Zusammenarbeit gerade als Brüderpaar ist?
Eduard Kutrowatz:Es gab da einmal ein bestimmtes Schlagwort: streiten auf der Basis von Vertrautheit, und streiten nur im Sinne von diskutieren. Nämlich so lange zu diskutieren, bis man ganz einfach das optimale Ergebnis hat.
Johannes Kutrowatz:Du musst ja zu einem Ergebnis kommen, wenn du um halb acht auf die Bühne gehst. Da kannst du nicht gegeneinander arbeiten. Das fühlt sich auch manchmal wie ein Korsett an, speziell in jüngeren Jahren, weil das Ego noch so groß ist und man immer recht haben will. Das, was ich sagen, stimmt ja auch (lacht). Und der andere wird dasselbe sagen, und das zu Recht. Aber die Lebensschule zeigt dir einfach, dass du zu gemeinsamen Lösungen kommen musst.
Eduard Kutrowatz: Wenn das unter Geschwistern funktioniert, dann ist das Ergebnis vielleicht noch stärker, weil man keine Kompromisse macht und vor allem keine Fouls. Auf der Basis dieser enormen Vertrautheit weiß man einfach, was Sache ist.
Johannes Kutrowatz: Und es darf manchmal auch ein bisschen scheppern. Denn ich liebe meinen Bruder dann ja immer noch über alles.

© Andreas Hafenscher, Sarah Tesch
Noch ein Highlight im Liszt-Zentrum
Im Rahmen der Family-Concerts steht am 7. Dezember das musikalische Märchen „Des Kaisers Nachtigall“ am Programm. Das Vocalforum graz unter der Leitung von Franz Herzog, Maria Fedotova an der Flöte und Sprecher Michael Dangl vertonen das Andersen-Märchen für alle Altersgruppen.
Samstag, 7. Dezember, 14 Uhr und 17 Uhr
Liszt-Zentrum Raiding
Karten und Infos auf www.lisztfestival.at