Von Kranichen und Gänsen: Unterwegs im Nationalpark

BVZ mittendrin

Am vergangenen Samstag lud der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel zu einer Exkursion rund um Kraniche und Gänse ein. Die BVZ begleitete die Tour, die unter der Leitung der Rangerin Sabine Wohlfart stand und rund 20 naturinteressierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer anlockte. Die herbstliche Landschaft des Seewinkels bildete die Kulisse für eine Wanderung, die eindrucksvolle Beobachtungen und fundierte Einblicke in das Verhalten der Zugvögel bot.

Bei der Exkursion „Kraniche und Gänse - Vorboten des Winters“ sind spektakuläre Fotos entstanden.

Bei der Exkursion „Kraniche und Gänse - Vorboten des Winters“ sind spektakuläre Fotos entstanden.

© Julian Fözö, JULIAN FOEZOE

Ein erster Blick in den Himmel

Schon am Ausgangspunkt im Nationalparkzentrum Illmitz lenkten die ersten überfliegenden Kraniche den Blick der Gruppe nach oben. Während über den Köpfen die charakteristischen „trompetenden“ Rufe zu hören waren, erklärte Wohlfart die Hintergründe: „Zurzeit halten sich tausende Kraniche im Gebiet des Nationalparks auf. Die Vögel ziehen im Herbst von ihren Brutgebieten in Finnland, dem Baltikum und dem Westen Russlands in ihre Überwinterungsgebiete in Frankreich, auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika – und legen dabei auch im Osten Österreichs eine Rast ein“, sagte die Rangerin.

Gänse am Darscho

Weiter führte die Exkursion zum Darscho bei Apetlon, einer der typischen Sodalacken des Seewinkels. Hier zeigten sich große Trupps von Graugänsen und Blässgänsen, die an ihrer namensgebenden weißen Stirn gut zu erkennen sind.

Wohlfart erläuterte, dass viele Blässgänse aufgrund des milden Klimas den Winter mittlerweile in der Region verbringen. In ihren arktischen Brutgebieten wäre das Nahrungsangebot zu dieser Jahreszeit bereits stark eingeschränkt. Neben den Gänsen ließen sich Reiher und andere Wasservögel beobachten. Sogar die letzten Kiebitze waren noch zu sehen, während erneut Kraniche über die Landschaft flogen.

Schlafplätze am Schilfgürtel

Zum Abschluss führte die Tour bei Sonnenuntergang zur Graurinderkoppel zwischen Apetlon und dem Neusiedler See. Die Abendstimmung färbte den Himmel inzwischen in weiches Orange, als die Kraniche zu ihren Schlafplätzen zurückkehrten.

Wohlfart erklärte: „Die Kraniche nutzen die flachen Wasserflächen vor dem Schilfgürtel, geschützt vor Fressfeinden, als sichere Schlafplätze. In den frühen Morgenstunden brechen sie dann in großen Zahlen nach Südosten auf, um auf Feldern in Ungarn nach Nahrung zu suchen. Im Herbst und Winter stehen dabei vor allem Ernterückstände und Neusaaten, aber auch Insekten bei den Allesfressern auf dem Speiseplan.“

Die Gruppe beobachtete, wie die Vögel in großen Schwärmen einflogen. Das gemeinsame Niedergehen in den flachen Wassern, begleitet von lauten Trompetenrufen, erzeugte ein eindrucksvolles Naturbild, das lange nachwirkte.

Die Kraniche rasten nur für kurze Zeit im Seewinkel. Wer das eindrucksvolle Naturspektakel noch beobachten möchte, sollte sich beeilen: Bis Mitte November ziehen sie weiter nach Südwesten, um in ihren Überwinterungsgebieten – vielfach in Eichenpflanzungen – den Winter zu verbringen. Bis dahin bietet der Nationalpark weiterhin die Möglichkeit, eines der markantesten Naturschauspiele des Herbstes zu erleben.