Klikovits: „Vertraute darauf, dass Pucher das Wunder vollbringt“

Commerzialbank-Prozess

Mit der Befragung von Commerzialbank-Vorständin Franziska Klikovits wurde am 21. Jänner 2025 der Prozess fortgesetzt. Die Angeklagte gab zu, an den Malversationen mitgewirkt zu haben.

Am Landesgericht Eisenstadt wurde am Dienstag der Prozess gegen Ex-Commerzialbank-Vorständin Franziska Klikovits und drei pensionierte Unternehmer fortgesetzt.

Am Landesgericht Eisenstadt wurde am Dienstag der Prozess gegen Ex-Commerzialbank-Vorständin Franziska Klikovits und drei pensionierte Unternehmer fortgesetzt.

© BVZ/Wagentristl

1993/1994 habe Bankchef Martin Pucher sie erstmals aufgefordert, einen Kontoauszug unrichtig darzustellen. In diesen Zeitraum falle auch die erste überhöhte Darstellung von Zinserträgen. Wurden für die Finanztricks anfangs noch reale Konten verwendet, so stieg man später auf fiktive Konten um.

„In den Folgejahren wurden die Ansinnen von Pucher immer mehr“, so die Angeklagte. Sie habe zunächst nicht Vorständin werden wollen, als jedoch 1997 eine Prüfung durch die Österreichische Nationalbank bevorstand, sei die „Gefahr sehr hoch gewesen, dass es zur Aufdeckung der Malversationen kommt“, so Klikovits, zumal die damalige zweite Vorständin von der unrichtigen Darstellung nichts wusste.

Pucher habe sie gebeten, die Funktion im Vorstand zu übernehmen. „Er versprach, Sorge zu tragen, dass das Delta geschlossen wird“, sagte Klikovits zur bereits damals existierenden Finanzlücke in der Bank. „Es war aus heutiger Sicht die schlimmste Fehlentscheidung meines Lebens.“

Hinsichtlich der mitangeklagten drei Unternehmer sagte sie: „Die Hauptsorge von Pucher war, wenn die Unternehmen in den Konkurs schlittern, dass die Malversationen auffliegen. So gesehen, waren die hier anwesenden Unternehmer ein Risiko...“

Die Commerzialbank habe den drei Unternehmen unvertretbare Kredite gewährt, weder Bonität noch Sicherheiten seien ausreichend gewesen. Dazu habe man sich nur die Saldenentwicklung dieser Firmen anschauen müssen, so Klikovits.

„Wussten Sie, dass manipuliert wird, um Bargeld für Pucher zu beschaffen?“, fragte Richterin Karin Knöchl. „Meine Aufgabe war, die Bargeldabflüsse zu verschleiern“, sagte die Angeklagte. Dass es Bargeldzuwendungen an die drei mitangeklagten Unternehmer gab, habe sie „jahrelang vermutet“.

„2016 wusste ich es, als ich dreimal Bargeld an einen der Unternehmer übergab“, so Klikovits. Bei den anderen beiden Unternehmen habe sie es nur „insofern gewusst, als Pucher sagte, wir müssen ihnen helfen“.

Sie habe selbst 60.000 Euro an den einen der angeklagten Unternehmer übergeben. Für die Bargeldübergaben an die Unternehmen habe es laufend Bargeldentnahmen aus der Commerzialbank gegeben. Verschleiert wurden diese mit gefälschten Schecks, die auf den Namen eines weiteren Unternehmens ausgestellt wurden.

„Diese Schecks gab es in unregelmäßigen Abständen, wenn Pucher mit dem Kassier die Kassa abstimmte“, so Klikovits.

„Sie wussten, dass Bargeld für bankfremde Zwecke entnommen wird. Fiel Ihnen auf, dass der Großteil zum SV Mattersburg geht?“, fragte die Richterin. „Ich habe es vermutet“, sagte Klikovits. „2016 wusste ich es, weil ich selbst Bargeld an einen Vertreter des SVM übergab.“

„Was war Ihr Motiv, jahrzehntelang mitzuwirken?“, fragte die Richterin.

„Mein Motiv war: Wenn ich nicht verschleiert hätte, wären alle Kunden geschädigt worden. Ich habe darauf vertraut, dass Pucher das Wunder vollbringt, so wie er immer versprochen hat, dass er das Delta ausgleicht.“ Dieser Ausgleich hätte z. B. durch Sportwetten, eine Änderung des Zinsniveaus oder ein Projekt in der Slowakei stattfinden sollen.

„Bis zum Schluss erklärte Pucher, dass wir es schaffen, das Delta zu verringern“, so Klikovits. In Wahrheit sei aber alles „immer schlimmer geworden“.

„Warum gingen Sie nicht zur Polizei“, fragte ihr Anwalt Johann Pauer. „Ich hatte nur eine Hoffung, dass niemand zu Schaden kommt“, so Klikovits. „Ich redete mir ein, dass ich schuld gewesen wäre. Pucher erklärte mir, wir brauchen nur Zeit, wenn wir Zeit haben, schaffen wir es.“

Auf Nachfrage des Verteidigers bestätigte sie, dass die Malversationen bereits vor ihrem Eintritt in die damalige Raiffeisenbank, aus der später die Commerzialbank hervorging, begonnen habe, nämlich 1981. Da sei es zur Eröffnung des ersten Fake-Kontos gekommen.

Sie habe, bestätigte Klikovits auf entsprechende Fragen ihres Anwalts, an der Aufklärung des Commerzialbank-Skandals mitgewirkt. So habe sie unmittelbar nach der Bankschließung USB-Sticks übergeben, auf denen die Schattenbuchhaltung ersichtlich war, damit lückenlose Aufklärung möglich war.

Aufhorchen ließ Klikovits am späten Vormittag, als sie gefragt worde, wie die Commerzialbank ohne Malversationen dagestanden wäre. „Die Bank wäre allein nicht lebensfähig gewesen“, so die Ex-Vorständin. Das Verhältnis zwischen „real und fiktiv“ sei so gewasen, dass „auf der Aktivseite schon 90 bis 95% nicht real waren“.

In der kommenden Woche wird der Prozess mit dem Gutachten des Finanz-Sachverständigen fortgesetzt.