Unterpullendorf feierte zwei großartige Jubiläen
Dankesvesper
Mit einer feierlichen Dankesvesper fand am Sonntag ein ereignisreiches Jubiläumsjahr in Unterpullendorf seinen würdigen Abschluss. Die Gemeinde Frankenau-Unterpullendorf blickte nicht nur auf die Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen zurück, sondern ehrte zugleich den bedeutenden Musiker Stefan Kocsis anlässlich seines 95. Geburtstages.
Julius und Ingrid Kiss (Krippenverein Frauenkirchen), Leo Zontsich, Professor Stefan Kocsis, Pater Zoran sowie Gerold Zontsich leisteten gemeinsam mit Jelka Zeichmann-Kocsis einen wesentlichen Beitrag zu dieser gelungenen Veranstaltung.
© Nadine Wiedemann
Das Fest stand ganz im Zeichen der Musik, aber auch der Erinnerung. Eigentlich hätte es ein durchwegs freudiger Anlass sein sollen, doch der Tod des langjährigen Chormitglieds Gertrud Muskovich vor zwei Wochen verlieh der Feier einen stillen, würdevollen Rahmen. Ihr zu Ehren erklang die „Toccata in d-Moll“. Im Anschluss gab Stefan Kocsis wohl eines seiner letzten Orgeldebüts und schuf einmal mehr jene besinnliche Atmosphäre, für die er über Jahrzehnte geschätzt wurde.
Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters hatte Kocsis die Leitung des Unterpullendorfer Chores bereits vor ein paar Jahren an seine Tochter Jelka Zeichmann-Kocsis übergeben. Sie führt das musikalische Erbe mit großer Hingabe fort. Überdies singt Jelka mit dem Frauenensemble, sehr zur Freude ihres Vaters, der nicht stolzer auf das künstlerische Wirken seiner Tochter sein könnte.
© Nadine Wiedemann
Ebenso beeindruckend ist das Lebenswerk von Stefan Kocsis. Der Unterpullendorfer begann bereits mit zwölf Jahren Orgel zu spielen. Ab 1948 studierte er an der Wiener Musikhochschule Kirchenmusik, Musikpädagogik, Klavier und Gesang. Danach war Stefan Kocsis als Leiter des Mittelburgenländischen Lehrerchors, als Musik- und Gymnasiallehrer in Oberpullendorf sowie am Joseph-Haydn-Konservatorium in Eisenstadt tätig. Seit 1955 trat Kocsis zudem als Komponist zahlreicher kroatischer und deutscher Kirchenmessen hervor und erlangte auch internationales Ansehen.
Das Jubiläumsjahr hatte bereits mit dem Konzert „Exsultate jubilate!“ begonnen und bot ergänzend eine Vielzahl neuer Formate wie das Streetfoodfestival mit internationalen Spezialitäten. Zugleich lebten alte Traditionen wie das Theaterspielen auf. Außerdem setzten sportliche Events, Bildungsprojekte zur NS-Zeit sowie die Nachbildung der Venus von Unterpullendorf ein kulturelles Zeichen. Die Kulturinitiative Unterpullendorf hofft, viele dieser Veranstaltungen fortführen zu können und kündigte für 2026 eine Chronik sowie ein digitales Archiv an.
Einen weiteren Höhepunkt bildete die Segnung der neuen Weihnachtskrippe. Diese war von Gerold und Leo Zontsich zusammen mit Julius und Ingrid Kiss vom Krippenverein Frauenkirchen geschaffen worden. Den Hintergrund hatte Christian Priber gefertigt.

© Nadine Wiedemann
Die Krippe selbst war in über 180 ehrenamtlichen Arbeitsstunden aus Styropor, Holz, Gips und mehr als 500 Glasmosaiksteinen entstanden. Das dreiteilige Kunstwerk erinnert an einen orientalischen Palast und verbindet das Altertum, die Geburt Jesu Christi mit der Neuzeit.