Asbest: Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Darüber spricht das Land

Greenpeace schlägt Alarm, das Land versucht zu beruhigen und hat umgehend eine Taskforce eingerichtet. Wie dramatisch ist die Situation rund um asbesthältiges Material in öffentlichen Bereichen? Ein Überblick.

Greenpeace warnt nach der Proben-Entnahme: Einfache Erschütterungen reichen, um Asbest freizusetzen. Jetzt untersucht die Taskforce des Landes die Luft.

Greenpeace warnt nach der Proben-Entnahme: Einfache Erschütterungen reichen, um Asbest freizusetzen. Jetzt untersucht die Taskforce des Landes die Luft.

© Greenpeace, Mitja Kobal, MITJA KOBAL

Das Thema Asbest kommt im Burgenland seit Anfang Jänner nicht aus den Schlagzeilen. Die Chronologie zeigt, wie sich die Situation in den vergangenen Wochen entwickelt hat:

  • 31. Dezember 2025:Der Grenzwert für Asbest in der Luft wird von 100.000 Fasern pro Kubikmeter Luft auf 10.000 Fasern herabgesetzt.
  • 2. Jänner 2026:Bei Luftgütemessungen in der Umgebung der Serpentinit-Steinbrüche bei Pilgersdorf, Bernstein, Rumpersdorf und Badersdorf wurden erhöhte Belastungen durch Asbest gemessen. Daraufhin wurden die vier betroffenen Steinbrüche mit Jahresbeginn 2026 behördlich geschlossen.
  • 23. Jänner: Greenpeace veröffentlicht Ergebnisse aus Analysen und warnt vor einer Belastung mit krebserregenden Asbestfasern. Die Proben waren an neun Stellen in Oberwart, Rechnitz und Neumarkt im Tauchental genommen worden.
  • 26. Jänner:Das Land Burgenland informiert über die Einrichtung einer Taskforce mit der Aufgabe, Luftmessungen und eine gesundheitliche Bewertung der Situation durchzuführen. Kurz darauf kamen weitere Steinbruch-Proben aus Rechnitz und Burg, die kein Asbest nachweisen. Kurz darauf kamen weitere Steinbruch-Proben aus Rechnitz und Burg, die kein Asbest nachweisen.

Materialproben wurden vor der Klinik Oberwart, von einer Baustelle hinter dem Krankenhaus, bei einer neu gebauten Einfamilienhaussiedlung sowie bei einem Kinderspielplatz in Neumarkt im Tauchental und im Asphalt vor der Rettungseinfahrt in Rechnitz genommen.

Die analysierten Proben enthalten laut Greenpeace 20 bis 50 Prozent Asbest. Auch im Asphalt des Pumptracks in Rechnitz, bei der Baustelle des Gewerbeparks 47 in Oberwart und im Asphalt vor dem Rathaus Oberwart stellte Greenpeace Asbestvorkommen fest. „Dabei gilt Material bereits mit mehr als 0,1 Prozent Asbestanteil als gefährlicher Abfall, der unter strengen Sicherheitsauflagen geborgen und in Asbestdeponien entsorgt werden muss“, informiert Greenpeace.

Nicht der Asbestanteil im Gestein oder in gebundenen Materialien sei für die gesundheitliche Beurteilung entscheidend, sondern ausschließlich eine mögliche Belastung der Atemluft, argumentiert das Land.

Asbestfasern sind winzig und scharf, können beim Einatmen in die Lunge eindringen, dort chronische Entzündungen und Vernarbungen verursachen und das Risiko für die Entstehung von Krebs erhöhen, warnt Greenpeace. Durch Asbest verursachte Krankheiten können oft erst nach 15 bis 40 Jahren auftreten.

„Asbest ist ein sensibles Thema“, bestätigt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Man nehme jede Information, eine potenzielle Gesundheitsgefährdung betreffend, ernst. Gesundheitsrelevant sei nicht das Gestein, sondern die Luft. „Genau dort setzen wir jetzt mit Vorsorgemaßnahmen an“, versprach der Landeshauptmann.

Greenpeace forderte die zuständigen Behörden auf, asbestbelastete Bereiche an besonders kritischen Stellen wie der Pumptrackanlage in Rechnitz oder der Baustelle beim Krankenhaus Oberwart sofort zu schließen und für Baustellen einen Baustopp zu verhängen, solange eine Verwendung von Material aus den Serpentinit-Steinbrüchen nicht ausgeschlossen werden könne.

Auch dürfe, fordert Greenpeace, kein möglicherweise asbestbelastetes Material mehr verbreitet, und es sollte erhoben werden, wo solches Material möglicherweise verwendet wurde.

Wenn die nun eingesetzte Taskforce des Landes erhöhte Werte feststelle, werde man Maßnahmen ergreifen, sagte Landeshauptmann Doskozil. Diese könnten darin bestehen, dass beispielsweise ein betroffener Spielplatz gesperrt oder dass das dort aufgebrachte Material getauscht werde.

Der Oberwarter Bürgermeister Georg Rosner (ÖVP) verwies darauf, dass in den seit Jahresbeginn geschlossenen Steinbrüchen in der Vergangenheit Millionen Tonnen an Material abgebaut und im Südburgenland und in der Steiermark verwendet worden seien. Der Rechnitzer Bürgermeister Martin Kramelhofer (SPÖ) kündigte an, man werde etwas unternehmen, wenn eine Gesundheitsgefährdung vorliege.

Asbest verfügt über Eigenschaften wie Hitzebeständigkeit und thermische sowie elektrische Isolationswirkung. Deshalb fanden Asbestfasern zwischen 1950 und 1990 in Österreich häufig Verwendung. Jährlich sollen 30.000 bis 40.000 Tonnen Asbest verarbeitet worden sein.

Seit 1990 gilt in Österreich ein Asbestverbot. Kommt es bei Instandhaltungs-, Wartungs- oder Sanierungssarbeiten oder bei der Entsorgung von asbesthältigem Material zu Kontakt mit Asbest, so müssen besondere Schutzmaßnahmen befolgt werden.

Als gesundheitlich kritisch gelten faserförmige Asbestpartikel mit einer Länge von mehr als fünf Mikrometer, einem Durchmesser unter drei Mikrometer und einem Längen-Durchmesser-Verhältnis über 3:1. Problematisch ist, dass sich Asbestfasern dauerhaft in der Lunge festsetzen und dort das Gewebe reizen.

Umso jünger die Betroffenen sind, desto höher ist bei einer erhöhten Faserkonzentration die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der Atemorgane.