Burgenland holte bei der Kaufkraft deutlich auf

Darüber spricht das Land

Eine aktuelle OGM-Studie zeigt: Burgenländer können sich um 5,2% mehr leisten als die Bevölkerung im restlichen Österreich. Die BVZ hat sich die Kaufkraft der Burgenländer im Detail angesehen.

Wie viel Euro die Österreicher im Geldbörsel haben und wie viel der einzelne Euro wert ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

Wie viel Euro die Österreicher im Geldbörsel haben und wie viel der einzelne Euro wert ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

© Weingartner-Foto, Weingartner-Foto

Aus Anlass der Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland nahm das OGM-Institut die sozioökonomische Situation in den beiden Bundesländern unter die Lupe. Das Burgenland schnitt bei den Werten zu Einkommen, Kaufkraft, Preisen, Arbeitslosigkeit, Kinderbetreuung und Altersarmut vergleichsweise gut ab.

Noch vor einer Generation sei das Burgenland beim Einkommen an der letzten Stelle in Österreich gelegen und habe als „Armenhaus“ Österreichs gegolten, berichtet Johannes Klotz vom OGM-Institut. Der Fall des Eisernen Vorhangs, die EU-Ziel-1-Förderungen, Aufschwung in Wirtschaft und Tourismus, mehr Bildung, steigende Pendlereinkommen und die Zuwanderung aus Wien hätten das Land aber nun auf die Überholspur gebracht.

Burgenland holte bei der Kaufkraft deutlich auf

Bei den Einkommen liegt das Burgenland aktuell 2,5% über dem Bundesdurchschnitt. Zugleich sind die Preise um 2,6% niedriger als österreichweit. Das macht das Leben im östlichsten Bundesland günstiger als anderswo, vor allem Wohnen und Gastronomiebesuche kosten hier weniger.

Aus einer kombinierten Betrachtung von Einkommen, Konsumverhalten und Preisniveau wird die reale Kaufkraft berechnet. Diese lag im Burgenland um 5,2% über dem Bundesdurchschnitt. „Deshalb kann sich ein statistischer Burgenländer mit seinem Einkommen um 5,2% mehr Waren und Dienstleistungen leisten als der statistische Österreicher“, hält der OGM-Datenexperte fest.

Burgenland bei Kaufkraft österreichweit auf Platz 2

In der Steiermark, wo die FPÖ bei der Landtagswahl als Sieger hervorging und SPÖ und ÖVP Verluste hinnehmen mussten, liegt die reale Kaufkraft um 1,0% unter dem Österreichwert. Im Ranking der Kaufkraft aller Bundesländer rangiert das Burgenland hinter Niederösterreich auf Platz 2, die Steiermark nur auf Platz 6.

„Die Zukunftsängste der Menschen - auch in Bezug auf ihre Kaufkraft - waren eines der Hauptmotive für die Wahl in der Steiermark“, sagte Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) bei einer Pressekonferenz zur Kaufkraftstudie. Unsicherheiten aufgrund der wirtschaftlichen Lage seien der Grund gewesen, dass ÖVP und SPÖ im Nachbarbundesland Stimmen verloren. Im Burgenland profitieren von der wirtschaftlichen Entwicklung alle Bezirke: Vom Norden bis in den Süden liegt die reale Kaufkraft über dem Österreichdurchschnitt. In der Steiermark konnten nur vier von dreizehn Bezirken eine überdurchschnittliche Kaufkraft verbuchen.

Burgenland holte bei der Kaufkraft deutlich auf

© OGM

Besser schnitt das Burgenland auch beim Anstieg der Arbeitslosigkeit ab: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit im Oktober 2024 im Burgenland „nur“ um 8,6% gestiegen, in der Steiermark jedoch um 14,8% und österreichweit um 9,7%.

Erfreulich hoch ist im Burgenland die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren. Diese liegt bei rund 40%, das ist hinter Wien Platz 2 im Österreich-Ranking. Ein Indikator für den Wohlstand im Land ist die Altersarmut, die sich an der Zahl der Ausgleichszulagenbezieher sichtbar machen lässt. Im Burgenland sind nur 6,9% aller Pensionsbeziehenden auf einen staatlichen Zuschuss angewiesen, in der Steiermark sind es 11%.

Wir greifen brennende Themen auf und wollen sie beantworten. Landesrat Leonhard Schneemann.

Verschiedene Parameter würden zeigen, dass das Burgenland besser aufgestellt ist als das restliche Österreich, so Landesrat Schneemann. Das treffe auch, so Schneemann, auf die Bedrohung durch Armut zu, die im Burgenland „nur“ 9%, österreichweit hingegen 17% der Menschen betreffe.

„Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass es der richtige Weg war“, sagte Landtagspräsident Robert Hergovich (SPÖ). Er nannte Betriebsansiedlungen von Schlumberger, MAM und Sigmapharm sowie den fixen Stromtarif der Burgenland Energie mit dem „Fanclub Burgenland“ als Maßnahmen, die gesetzt wurden, um das Burgenland „besser durch die Krise“ zu bringen.