Burgenland im WM-Fieber: Startpfiff für Feuerwehren
Darüber spricht das Land
Noch fiebern die Fans bei den Matches der Fußball-WM mit, bald wird im Burgenland selbst eine Weltmeisterschaft ausgetragen. Die Internationalen Feuerwehrwettbewerbe finden von 22. bis 26. Juli in Eisenstadt statt.
© Grafik: BVZ, Anna Kunczer
127 Feuerwehrgruppen aus 17 Nationen sind für die Feuerwehr-Wettkämpfe gemeldet, die am Samstag, 25. Juli 2026, in der Leichtathletikarena Eisenstadt ausgetragen werden. Mehr als 1.300 Feuerwehrleute werden beim Löschangriff und beim Hindernis-Staffellauf am Start stehen, 127 Bewerter werden jeden Handgriff und jeden Schritt genau kontrollieren.
„Die größte Herausforderung bestand darin, alles innerhalb von neun Monaten auf die Beine zu stellen“, sagt Organisationsleiter Harald Nakovich, Stellvertreter des Landesfeuerwehrkommandanten.
Berlin hatte vor einem Jahr die Durchführung aus finanziellen Gründen zurückgelegt, die WM 2026 drohte zu scheitern. „Wir organisieren Abschnitts-, Bezirks-, Landes- und Bundesbewerbe und so kurz vor dem Zenit - der Weltmeisterschaft - wird einfach abgesagt? Das wollte ich nicht akzeptieren“, stand für den „alten Wettkämpfer“ Harald Nakovich fest.
Er krempelte die Ärmel hoch und stellte mit seinem Team ein Event der Superlative auf die Beine. „Das Konzept stand innerhalb von drei oder vier Tagen“, sagt der Organisationsleiter. Das Burgenland wird somit heuer erstmals Schauplatz der Internationalen Feuerwehrwettkämpfe des CTIF, des Comité Technique International de prevention et d'extinction de Feu. 300 freiwillige Helferinnen und Helfer aus allen burgenländischen Bezirken sorgen für einen reibungslosen Ablauf.
Die Feuerwehr-WM wird alle vier Jahre ausgetragen, zuletzt fand sie 2022 in Celje in Slowenien statt. In Österreich waren bereits Krems, Vöcklabruck und Villach Austragungsorte. „Wichtig ist, dass alle zu ihrem Wort stehen“, lobt Harald Nakovich die breite regionale Unterstützung für das Event.
„Die Stadtgemeinde Eisenstadt war sofort Feuer und Flamme“, freut er sich. Die Bildungsdirektion half beim Kontakt zu den Schulen - im Gebäude von HAK und HTL Eisenstadt werden 60 Bewerbsgruppen untergebracht werden. 19 Gruppen nächtigen in der Berufsschule, alle anderen im Gymnasium Kurzwiese. 1.500 Feldbetten sind vorbereitet. Der niederösterreichische Feuerwehrverband stellte vier Duschcontainer zur Verfügung.
Die Justizanstalt Eisenstadt nähte die Schleifen für die 127 Bewerter, die Polizei hilft beim Regeln des Verkehrs, das Bundesheer sorgt mit der Militärmusik für die musikalische Umrahmung bei der Siegerehrung. Stadt- und Feuerwehrkapelle Eisenstadt spielen bei der Eröffnungsfeier auf, die am Donnerstag, 24. Juli, um 19 Uhr in der Leichtathletikarena stattfindet.
Wie viele Zuschauer zu den Feierlichkeiten und den Wettkämpfen kommen werden, lasse sich schwer einschätzen, sagt der Organisationleiter. Er rechnet mit 3.000 Personen und lädt die Bevölkerung ein, sich die atemberaubenden und sportlich anspruchsvollen Bewerbe anzuschauen. Mit einem Meter Abstand zu den Bewerbsbahnen werden Absperrgitter aufgestellt, dahinter darf das Publikum Stellung beziehen und die Teilnehmenden kräftig anfeuern.
Zusätzlich zu der fixen Tribüne mit 250 Sitzplätzen werden auf der Leichtathletikarena sechs Stehtribünen aufgebaut. Richtung Osten, wo Vorbereitungen für die Errichtung eines Wohnbaus laufen, wird der Zaun entfernt und eine Fläche für Zuschauer und Ausschank vorbereitet. Stärken kann man sich auch in der Eislaufhalle, wo Speisen und Getränke angeboten werden.
Die 1.500 Teilnehmer und Bewerter werden im Feuerwehrhaus Eisenstadt verköstigt, wo das Rote Kreuz und das Bezirksfeuerwehrkommando Mattersburg Frühstück, Mittagessen und Abendessen servieren werden. Die Fahnen der teilnehmenden Nationen werden vom Lagerhaus-Gebäude wehen, Maskottchen „Fuxl“ seine Runden drehen.
Die teilnehmenden Gruppen sind in unterschiedliche Kategorien eingeteilt:
- Freiwillige Feuerwehren
- Berufsfeuerwehren
- Frauengruppen
In diesen Kategorien gibt es A- und B-Gruppen, bei den B-Gruppen werden Alterspunkte in der Bewertung berücksichtigt. Antreten werden die Gruppen in einem zweiteiligen Bewerb. Beim Löschangriff geht es darum, als Gruppe zu neun Personen Schläuche zu kuppeln und Löschleitungen auszulegen. Jeder Handgriff muss sitzen. Die Spitzenzeiten für diese Aufgabe liegen bei 27 Sekunden.
Weil Originalspritzen bis zu 200 Kilo wiegen, werden bei den Feuerwehrbewerben Spritzenattrappen verwendet. Diese werden seit 2020 von der HTL Eisenstadt angefertigt und seither bei Bewerben im Burgenland verwendet. „Für die WM brauchen wir neun solche Attrappen“, sagt Harald Nakovich. Die Gestelle sind mit Eingangs- und Ausgangsstücken ausgestattet und leicht genug, um vor Ort platziert zu werden.
Erfahrene Bewerter lassen die Teilnehmer keine Sekunde aus den Augen. Jeder Fehler schmerzt, da darf kein Frühstart passieren, keine Kupplung fallen gelassen, keine Ventilleine unwirksam angelegt werden.
Sportlich anspruchsvoll ist der Staffel-Hindernislauf über acht Mal 50 Meter. Der dritte Läufer muss über einen Balken springen, der siebte eine 1,50 Meter hohe Wand passieren, der achte durch ein acht Meter langes Rohr hechten. „Die besten Teams schaffen das schon in 52 Sekunden“, sagt Harald Nakovich.
Die Wettkämpfe finden bei jedem Wetter statt, selbst wenn wieder eine Hitzewelle das Land zum Schwitzen bringt. „Wir haben rund um die Uhr ein Ärzteteam vom Feuerwehrverband da“, informiert der Organisationsleiter. Als mobile Krankenstation steht ein „San-Container“ zur Verfügung.
Worauf sich Harald Nakovich jetzt am meisten freut? „Das ist der Moment, wo das olympische Feuer entzündet wird.“ Die HTL Eisenstadt hat dafür ein mächtiges, 4,5 Meter hohes Gestell gebaut, ein Pyrotechniker aus Vorarlberg sorgt für die Sicherheit. Gasbetrieben soll die Fackel während der gesamten Veranstaltung durchbrennen.
Seit Oktober 2025 trainiert die Wettkampfgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Zillingtal für die Heim-WM. Kommandant Christoph Fellinger gehört der Gruppe aus zwölf Personen an, die für die „Feuerwehr-Olympiade“ akkreditiert wurde.
„Leider habe ich mir bei den Landesmeisterschaften in Olbendorf einen Muskelfaserriss zugezogen, da blieb wertvolle Zeit liegen. Ich hoffe, dass es sich bis zur WM ausgeht“, blickt er nach vorne.
In den Wintermonaten stand Krafttraining am Programm. Seit Jänner wird zweimal wöchentlich trainiert, zuletzt gezielt für den Löschangriff und den Staffellauf. „Ist einer um den Tick zu langsam, stockt es durch“, beschreibt Christoph Fellinger die Herausforderung.
Jede Übung wird mitgefilmt, das Video danach analysiert, „um zu schauen, wo man noch eine Zehntelsekunde herausholen kann“. Ziel für diese WM? „Eine Top-10-Platzierung“, hofft Christoph Fellinger.
„Wir trainieren, seit wir 2025 erfahren haben, dass wir antreten werden“, berichtet Harald Lenauer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr St. Martin an der Raab - Berg. Wie auch sein Bruder, Abschnittskommandant Erwin Lenauer, ist er Mitglied der Wettkampfgruppe, die bei der WM im B-Bewerb ihr Bestes geben wird.
Beim Landesfeuerwehrleistungsbewerb in Olbendorf Anfang Juli durfte sich die Gruppe im B-Bewerb über Siege in den Kategorien Bronze und Silber freuen.
Die seit 20 Jahren bestehende Wettkampfgruppe aus dem Bezirk Jennersdorf hat schon in Finnland, Frankreich, Tschechien und Slowenien WM-Erfahrung gesammelt. „In Finnland sind wir unter den Goldmedaillengewinnern Dritter geworden“, erzählt Harald Lenauer.
In Eisenstadt geht es um ein fehlerfreies Ergebnis. Ganz vorne dabei zu sein, wäre das große Ziel der erfahrenen Gruppe, deren Durchschnittsalter bei 50 Jahren liegt.
Donnerstag, 23. Juli:Öffentliches Training ab 9 Uhr.
Freitag, 24. Juli:Öffentliches Training ab 9 Uhr, Mittagessen ab 12 Uhr, Clubbing ab 21 Uhr.
Samstag, 25. Juli:Internationaler Bewerb ab 9 Uhr, Mittagessen ab 12 Uhr, Livemusik ab 21 Uhr.
Sonntag, 26. Juli:Siegerehrung um 10 Uhr, Frühschoppen ab 11 Uhr.