Gehen, Radeln, Klima schützen
Darüber spricht das Land
Vor zwölf Jahren wurden in Eisenstadt 70 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt, heute sind es 57 Prozent. Wie man noch mehr Menschen fürs Gehen und Radfahren gewinnt, wurde bei einem dreitägigen Gipfeltreffen diskutiert.
Als "Space Walker" verkleidet, spazierte diese Gruppe durch Eisenstadt - ein Zeichen für die klimafreundliche Fortbewegungsart des Gehens.
© BVZ/Kirchmeir
Rund 550 Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft nahmen an der Konferenz teil. Erstmals wurden dabei der Österreichische Fußverkehrsgipfel und der Österreichische Radgipfel gemeinsam durchgeführt.
„Aktive Mobilität verbindet“ lautete das Motto der Tagung und im Fokus standen Ideen, wie man den Fußverkehr stärken und die fahrradfreundliche Infrastruktur weiter ausbauen kann.
Klimafreundliche Projekte wurden am zweiten Kongresstag von Mobilitätsminister Peter Hanke, dem Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner als Vizepräsident des Städtebundes, Erich Trummer, Bürgermeister in Neutal und Vizepräsident des Gemeindebundes, und dem Wirtschaftskammer-Vertreter Stefan Ebner prämiert.
Für den Masterplan „Burgenland zu Fuß“ wurde das Land Burgenland mit dem Sonderpreis „Pionier im Fußverkehr“ ausgezeichnet. Die Freistadt Eisenstadt erhielt einen Fußverkehrs-Award - unter anderem für den Probebetrieb der Schulstraße vor der Volksschule Eisenstadt und die Querungsmöglichkeiten in der Mattersburgerstraße. Der Masterplan „Gehen“ soll für Eisenstadt noch heuer im Dezember beschlossen werden.
Auszeichnungen gab es auch für den Geh- und Radwegebau in Unterrabnitz-Schwendgraben, Lockenhaus, Lutzmannsburg, Frankenau-Unterpullendorf, Großwarasdorf, Raiding, Steinberg-Dörfl, Neutal, Draßmarkt, Kaisersdorf sowie in Rohrbach, Draßburg, Baumgarten, Marz, Sieggraben, Wiesen, Pöttelsdorf, Steinbrunn und Müllendorf.
Burgenländische Firmen wurden prämiert, weil sie den Radverkehr fördern:
- Die H. Wenzl GmbH in Gols hat nicht nur LKW in ihrer Flotte, sondern seit 2025 auch fünf E-Räder und zwei E-Transporträder.
- Neudoerfler Office Systeme installierte einen Schnellladepunkt für E-Autos und schaffte zehn E-Bikes an.
- Die Raiffeisenbank Region Deutschkreutz Horitschon eGen hat seit letztem Jahr 16 Elektrofahrräder in ihrem Fuhrpark.
- Beim Radverleih von Birgit Sack in Weiden am See sind seit 2024 17 neue E-Bikes in Verwendung.
- Radsport Philipp Waldherr bietet im Radverleih in Podersdorf am See ebenfalls sieben neue E-Bikes an.
- Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn errichtete am Bahnhof Wulkaprodersdorf neue Radabstellanlagen.
Ein Drittel der Wege soll, das wünschen sich die Organisatoren des Fußverkehrs- und Radgipfels, künftig klimafreundlich zurückgelegt werden. Der Fußverkehrsanteil soll auf 20 Prozent steigen, der Radverkehrsanteil auf 14 Prozent.
Eisenstadt gilt hier als Vorbild: „Rund 24 Prozent des Gesamtverkehrs werden bereits zu Fuß zurückgelegt“, berichtete Bürgermeister Thomas Steiner. Er sei, sagte Steiner, seit 15 Jahren Bürgermeister. „Vor zwölf Jahren hieß es noch: Wo werden Straßen gebaut? Das war das Hauptanliegen der Bevölkerung. Heute ist das Gegenteil der Fall.“
2013/2014 wurden in Eisenstadt 70 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt, es habe wenig öffentlichen Verkehr und wenig Radfahrende gegeben, berichtete der Bürgermeister beim Fußverkehrs- und Radgipfel im Eisenstädter Kulturzentrum. „Innerhalb von zehn Jahren gingen die Autofahrten auf 57 Prozent zurück, der Radverkehr hat sich verdreifacht, der öffentliche Verkehr verachtfacht“, sagte Thomas Steiner.
Zwei Drittel der Burgenländer gehen (fast) täglich zu Fuß - österreichweit sind es 70 Prozent, wie im Report „Aktive Mobilität 2026“ des Mobilitätsministeriums nachzulesen ist. Die meisten Burgenländer, nämlich drei Viertel, gehen in der Freizeit zu Fuß, nur jeweils knapp 40 Prozent erledigen den Einkauf oder andere Tätigkeiten per pedes. Österreichweit sind es jeweils mehr als 50 Prozent.
Aufs Fahrrad schwingen sich nur 5,9 Prozent der Burgenländer (fast) täglich, österreichweit sind es 9,1 Prozent der Bevölkerung. 21 Prozent der Burgenländer fahren mehrmals pro Woche Rad, weitere 20 Prozent tun es mehrmals pro Monat, ein knappes Viertel seltener und fast 30 Prozent nie. Fast 80 Prozent der Radfahrer im Burgenland nützen das Rad für Freizeitaktivitäten, 40 Prozent machen damit Erledigungen, 36 Prozent fahren mit dem Rad zum Einkaufen. Nur 10 Prozent radeln zur Ausbildung oder zur Arbeit. Österreichweit sind es 19 Prozent.
„Dass der Österreichische Rad- und Fußverkehrsgipfel im Burgenland stattgefunden hat, war für uns eine große Chance“, sagt Christine Zopf-Renner, Leiterin der Mobilitätszentrale Burgenland. „Wir konnten zeigen, wie viel sich auch in einem ländlich geprägten Bundesland bewegen lässt.“
Dass der Gipfel Fachleute, Gemeinden und Entscheidungsträger aus Österreich und Ungarn zusammen, sei besonders wertvoll gewesen: „Klimafreundliche Mobilität endet weder an Gemeinde- noch an Staatsgrenzen.“
Unter den vielen Programmpunkten der Konferenz haben Christine Zopf-Renner die Rad- und Fußparade sowie die grenzüberschreitenden Exkursionen besonders beeindruckt. „Gemeinsam unterwegs zu sein, macht aktive Mobilität unmittelbar erlebbar“, sagt die Mobilitäts-Expertin.
Das Burgenland habe vor allem beim Radverkehr große Fortschritte gemacht. Seit 2022 wurden rund 25 Millionen Euro in die Attraktivierung der Radwege investiert, 96 Projekte umgesetzt und etwa 125 Kilometer Radinfrastruktur errichtet oder saniert.
„Besonders wichtig sind Initiativen, die klimafreundliche Mobilität fest im Alltag verankern: sichere Radverbindungen zu Bahnhöfen und P&R-Anlagen, Projekte zur Verbesserung der Schulmobilität, attraktivere Bedingungen für den Fußverkehr und Pilotprojekte, bei denen neue Lösungen zunächst erprobt und anschließend anhand konkreter Daten bewertet werden“, sagt Christine Zopf-Renner.
Klimafreundliche Mobilität müsse für die Menschen einfach, sicher und alltagstauglich sein – in den Städten ebenso wie in den kleineren Gemeinden, meint sie.