Mehr Todesfälle als Geburten, mehr Hochzeiten und Scheidungen
Darüber spricht das Land
Zeit der großen Bilanzen - die Statistik Austria hat die Geburtenbilanz und Hochzeits- wie Scheidungs-Zahlen veröffentlicht. Im Burgenland wurden 2023 mehr Hochzeiten und Trennungen verzeichnet, es gab weniger Geburten und Todesfälle; die Geburtenbilanz fällt jedoch negativ aus. Die BVZ sprach dazu mit den Spitälern, Standesbeamten und Bestattern.
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Das Jahr 2023 brachte im Burgenland mehr Hochzeiten, aber auch mehr Scheidungen. Das zeigen die jüngst veröffentlichten Zahlen von Statistik Austria. Bei den Eheschließungen steigt das östlichste Bundesland aus dem Österreichtrend aus, der mit minus 3,4 Prozent insgesamt rückläufig war. Mit einem Plus von 1,6 Prozent verzeichnete das Burgenland bei den Hochzeiten neben Wien (plus 0,6 Prozent) eine leichte Steigerung.
Insgesamt fanden im Vorjahr im Burgenland 1.436 Eheschließungen statt. Diese verteilten sich laut Statistik Austria auf die Bezirke wie folgt:
Eheschließungen 2023
- Neusiedl am See: 273 (-2,8%)
- Eisenstadt: 85 (+10,4%)
- Eisenstadt-Umgebung: 215 (-3,6%)
- Rust: 8 (-)
- Mattersburg: 222 (+12,1%)
- Oberpullendorf: 155 (-15,3%)
- Oberwart: 270 (-0,7%)
- Güssing: 119 (+20,2%)
- Jennersdorf: 89 (+23,6%)
Ingrid Schwarz, die Präsidentin des Standesamtsverbandes Eisenstadt und Fachverbandspräsidentin der Standesbeamten in Österreich, beobachtet, dass die Paare seit dem Vorjahr wieder häufiger zu größeren Hochzeiten tendieren. Während der Pandemiezeit wurde vorzugsweise im kleinen Rahmen geheiratet, jetzt frequentieren die Hochzeitsgesellschaften wieder größere Hochzeits-Locations, wie das Schloss Eisenstadt oder die Orangerie.
„Die kirchlichen Trauungen gehen zurück, die standesamtlichen Eheschließungen werden aufgewertet“, stellt Ingrid Schwarz fest. Gerne werden freie Rednerinnen gebucht, die für die Hochzeitspaare Zeremonien gestalten.
Jede Gemeinde beschäftigt Standesbeamte, die Trauungen durchführen. Die große Hochzeitsgesellschaft ist seit dem Vorjahr wieder im Kommen, „es gibt aber auch einige Paare, die alleine zur Trauung kommen“, berichtet Ingrid Schwarz. Seit November 2013 sind keine Trauzeugen mehr erforderlich, fürs Heiraten reichen zwei Partner und der Standesbeamte oder die Standesbeamtin.
„Manche machen nur den gesetzlichen Teil – sie geben sich das Ja-Wort, unterschreiben die Dokumente und verlassen das Standesamt, andere bevorzugen große Hochzeiten“, sagt Ingrid Schwarz. „Das macht es so schön und spannend, es wird nie langweilig.“

© Quelle: Statistik Austria, Grafik: BVZ
Langweilig dürfte es manchen dann in der Ehe werden, und sie reichen die Scheidung ein. 460 Mal ist das im Vorjahr im Burgenland geschehen, das ist ein Plus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022. Die mittlere Ehedauer betrug im Vorjahr im Burgenland 12,3 Jahre.
Aktuell wurden auch die Daten zur Bevölkerung veröffentlicht. Die Zahl der Geburten ging im Vorjahr im Burgenland um 7,6 Prozent zurück. Die durchschnittliche Anzahl von Kindern pro Frau betrug 1,26. Laut Statistik Austria wurden 2023 folgende Zahlen an Neugeborenen pro Bezirk gemeldet:
Neugeborene 2023
- Neusiedl am See: 396 (-21,1%)
- Eisenstadt: 126 (+10,5%)
- Eisenstadt-Umgebung: 303 (-2,6%)
- Rust: 13 (+44,4%)
- Mattersburg: 300 (+4,9%)
- Oberpullendorf: 217 (-14,9%)
- Oberwart: 371 (-3,9%)
- Güssing: 153 (-1,3%)
- Jennersdorf: 100 (-18,7%)
In der seit 1962 bestehenden Geburtenabteilung des Krankhauses Barmherzige Brüder Eisenstadt wurden im Vorjahr 797 Geburten verzeichnet, davon sieben Zwillingsgeburten. Somit erblickten 804 Babys im Krankenhaus in Eisenstadt das Licht der Welt, davon 422 Buben und 382 Mädchen. Das durchschnittliche Geburtsgewicht der Neugeborenen betrug exakt 3.356,34 Gramm. 297 Geburten wurden in Eisenstadt per Kaiserschnitt durchgeführt. 25 Mal kam es zu einer Frühgeburt, das bedeutet, dass das Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kam.
An der Geburtenstation im Krankenhaus Oberwart wurden im Vorjahr 616 Geburten verzeichnet, davon 13 Zwillingsgeburten. An der Geburtenstation in der Klinik Oberpullendorf kamen 331 Babys zur Welt, Zwillinge waren im Vorjahr nicht dabei. Einen Rückgang gab es 2023 nicht nur bei den Geburten, sondern auch bei den Todesfällen: 3.456 Menschen verstarben, das sind um sechs Prozent weniger als 2022.

© Quelle: Statistik Austria, Grafik: BVZ
Die Geburtenbilanz fällt für das ganze Burgenland negativ aus. In allen Bezirken wurden weniger Neugeborene als Verstorbene verzeichnet, wie aus den Zahlen von Statistik Austria hervorgeht. Die Liste enthält die Zahl der Verstorbenen und in Klammer die Geburtenbilanz: Damit ist die Zahl der Geborenen abzüglich der Zahl der Verstorbenen gemeint.
Interview mit dem Leiter des Instituts Kinderwunsch
Immer mehr Paare bleiben ungewollt kinderlos. Hilfe bietet in einer solchen Situation das Institut Kinderwunsch in der Klinik Oberpullendorf an. Leiter Prof. Dr. Kazem Nouri stand für ein Interview zur Verfügung:

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Wie viele Paare wurden im Vorjahr im Institut Kinderwunsch in Oberpullendorf betreut?
Dr. Nouri: „Wir haben rund 160 Paare beraten und betreut.“
Bei wie vielen Paaren klappte es aufgrund dieser Behandlung mit einer Schwangerschaft bzw. Geburt?
Dr. Nouri: „Das ist stark vom Alter der Kinderwunsch-Paare abhängig. Bei den Unter-40-Jährigen liegt die Quote bei 30 bis 40 Prozent.“
Steigt die Zahl an Paaren, die sich mit einem Kinderwunsch an das Institut Kinderwunsch wenden?
Dr. Nouri: „Ja, die Zahl steigt. Unseren Einschätzungen nach sind zwischen 15 und 25 Prozent der Paare ungewollt kinderlos.“
Woran liegt es, dass Paare Probleme damit haben, ihren Kinderwunsch zu erfüllen?
Dr. Nouri: „Es gibt mehrere Faktoren: Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt, Stress, Umweltfaktoren, Lifestyle und anderes. Wir klären bei uns aber auch mögliche medizinische oder genetische Gründe ab.“
Was raten Sie Paaren, die sich ein Kind wünschen?
Dr. Nouri: „Am besten ist es, so schnell wie möglich Experten wie beispielsweise die Kinderwunsch Burgenland aufzusuchen, wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt, um eine längere Unsicherheit zu vermeiden. Zu einem gesunden Lebensstil raten wir aber auf jeden Fall.“
Verstorbene und Geburtenbilanz
- Neusiedl am See: 676 (-280)
- Eisenstadt: 179 (-53)
- Eisenstadt-Umgebung: 440 (-137)
- Rust: 48 (-35)
- Mattersburg: 409 (-109)
- Oberpullendorf: 524 (-307)
- Oberwart: 644 (-273)
- Güssing: 350 (-197)
- Jennersdorf: 186 (-86)
Wie Landesinnungsmeister Joachim Aufner informiert, waren im Vorjahr 60 Bestattungsunternehmen im Burgenland tätig. 2013 waren es 73 gewesen. „Die Anzahl ist relativ stabil“, sagt Joachim Aufner.
„Wir sind die Schnittstelle zwischen Behörden, Friedhofsverwaltungen, Kirchen, Chören, Musikern, Floristen und Steinmetzbetrieben“, umreißt der Innungsmeister das Aufgabengebiet der Bestatter. „Mit all unserer Erfahrung, Wissen, mit Einfühlungsvermögen und Diskretion unterstützen wir die Hinterbliebenen, die Herausforderungen zu meistern.“
Schon mehr als ein Drittel Feuerbestattungen
Im Vorjahr kümmerten sich die burgenländischen Bestattungsunternehmen um 3.662 Sterbefälle, davon wurden 1.263 als Feuerbestattungen durchgeführt. „Das sind 34,49 Prozent", gibt Joachim Aufner bekannt. „2014 – das ist das erste Jahr, in dem die Anzahl der Feuerbestattungen erhoben wurde – gab es 3.693 Sterbefälle, davon 339 Feuerbestattungen, das waren 9,18 Prozent.“
Die Zahl der Feuerbestattungen nehme weiterhin zu, allerdings nicht mehr so stark wie zuletzt. Die Urnen werden meist in bestehenden Gräbern beigesetzt, dabei werden biogene Urnengefäße verwendet, die sich in einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren auflösen.
Naturbestattungen dürfen nur auf ausgewiesenen Flächen stattfinden, davon gibt es im Burgenland derzeit eine: den Parkfriedhof Lutzmannsburg. Weitere Flächen sind in Planung. „Im Burgenland ist auch die Urnenverwahrung außerhalb des Friedhofes möglich“, berichtet Joachim Aufner. Es bestehe nur eine Mitteilungspflicht an die Gemeinde, wo die Beisetzung stattfindet.
Flussbestattungen sind nur auf einem Teilstück der Donau erlaubt. Dabei muss das Gefäß so schwer sein, dass es zu Boden sinkt.