So managen Eltern den Sommer

Darüber spricht das Land

Neun Wochen Sommerferien - das ist nicht nur pure Lebensfreude sondern für Eltern auch eine echte Challenge. Wie schaffen sie die Kinderbetreuung?

Sportvereine helfen mit Sportprogrammen durch den Sommer. Beim Sportunion-Actionday in Pinkafeld war auch Präsidentin Karin Ofner bei den stark frequentierten Stationen dabei.

Sportvereine helfen mit Sportprogrammen durch den Sommer. Beim Sportunion-Actionday in Pinkafeld war auch Präsidentin Karin Ofner bei den stark frequentierten Stationen dabei.

© Sportunion

Die Eltern sind berufstätig, der Jahresurlaub begrenzt, die Großeltern nicht verfügbar. Wie gestaltet man für aufgeweckte Kids den Sommer so, dass ihnen nicht fad wird? Im Burgenland hat eine Gesetzesänderung dafür gesorgt, dass seit 2025 Kinderkrippen und Kindergärten auch im Sommer durchgehend geöffnet bleiben müssen.

„Durch den Ganzjahreskindergarten ist auch der Betreuungsbedarf in den Ferienzeiten abgedeckt – für Kinder im Krippenalter bis zum Ende der Volksschulpflicht“, informiert das Land Burgenland. Das Angebot werde im ganzen Land angenommen.

„Für viele berufstätige Eltern hat diese Novelle eine Entlastung und Verbesserung bedeutet“, heißt es von der Arbeiterkammer Burgenland. Um die ganzjährige Öffnung sicherzustellen, dürfen Gemeinden Kooperationen mit Nachbargemeinden eingehen.

„Gemeinden haben die Möglichkeit, Kooperationen mit anderen Gemeinden abzuschließen, um einerseits den Betreuungsbedarf der Kinder lückenlos nachzukommen und andererseits dem Personal Erholungsurlaub zu gewähren“, wird seitens des Landes bestätigt. Das bedeute, wenn der Kindergarten in der Gemeinde A geschlossen ist, werde die Betreuung der Kinder in der Kooperationsgemeinde B sichergestellt.

Dadurch seien für manche Eltern neue Probleme aufgetreten, informiert Arbeiterkammer-Expertin Gabi Tremmel-Yakali. Eltern seien damit konfrontiert, dass die Kinderkrippe oder der Kindergarten in den Schulferien nicht zu den gewohnten Zeiten geöffnet hat.

„Wir haben daher als Arbeiterkammer Burgenland bereits angeregt, dass in der nächsten Novelle des Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes eine Klarstellung hinsichtlich der Öffnungszeiten erfolgen muss“, sagt Gabi Tremmel-Yakali. Im Sinne der Verlässlichkeit und Planbarkeit sollte es im Rahmen des Ganzjahreskindergartens in Zeiten der Schulferien zu keinen verkürzten Öffnungszeiten kommen dürfen.

Auch Anika Karall, Gründerin des burgenländischen Vereins „Alleinerziehend, aber nicht allein“, ist mit Beschwerden ihrer Mitglieder konfrontiert. „Wenn Betreuungsangebote von Gemeinden zusammengelegt werden, wie es z. B. im Südburgenland der Fall ist, so ist das für längeren Anfahrtswegen verbunden und dann geht es sich nicht mehr aus, dass die alleinerziehende Mutter rechtzeitig am Arbeitsplatz ist“, beschreibt sie das Problem.

Sie wünscht sich für Eltern eine „durchgehende, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die so gestaltet ist, dass Kinder gerne hingehen“. Die Ferienbetreuung dürfe keine „reine Aufbewahrungsstätte sein“.

Angebote von privaten Einrichtungen oder Vereinen seien meist hochwertig, aber teuer. „Das muss man sich leisten können“, sagt Anika Karall. Ihr Verein bietet Unterstützungen bei der Finanzierung von Campaufenthalten an, wenn Elternteile bestimmte Einkommensvoraussetzungen erfüllen.

Waren früher die Großeltern quasi für die Ferienbetreuung zuständig, so fällt diese Option heute meistens weg. „Großeltern gehen später in Pension und wenn sie nicht mehr berufstätig sind, dann sind so häufig schon so alt, dass sie auf die Kinder nicht mehr aufpassen können“, meint Anika Karall. Außerdem könne man ein Betreuungssystem nicht auf der Grundlage aufbauen, dass Großeltern für die Ferienbetreuung zuständig seien.

Ihre Kinder, heute 14 und 18 Jahre alt, nahm sie bisweilen im Sommer ins Büro mit, wenn es nicht anders ging: „Sie sind neben mir gesessen und haben gemalt, gingen eine Runde durchs Büro und haben überall genascht, und dann kamen sie zurück und haben schon wieder genug gehabt...“

Seit dreieinhalb Jahren ist Szandra Grabler aus Rudersdorf alleinerziehend. Ihr Sohn ist achteinhalb Jahre alt. „Ich habe ein Riesenglück und bin eigentlich ein interessanter Fall“, erzählt sie im BVZ-Interview. An ihrem Arbeitsplatz, bei Rogner Bad Blumau, steht Mitarbeitenden und Gästen ein kostenloser Kinderclub zur Verfügung.

„Es reicht, wenn man sich eine Woche vorher anmeldet“, erzählt Szandra Grabler. Die Kinder werden von einem „tollen Team“ betreut, sie haben einen Raum zum Basteln und dürfen in die Therme zum Schwimmen.

Um 7.50 Uhr bringt sie ihren Sohn in den Ferienzeiten in den Club, die Betreuung wird bis zum Alter von zwölf Jahren angeboten. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie andere Mütter das machen“, lobt Szandra Grabler das Service. „Das ist eine gute Idee für alle Arbeitgeber - überall arbeiten Mütter“, empfiehlt die Alleinerziehende den Kinderclub weiter.

Doris Handler ist Kindergartenpädagogin in Mattersburg und stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten „younion“. Durchgehende Kinderbetreuung wurde in Mattersburg schon immer angeboten, seit der Gesetzesänderung würden aber um 50% mehr Eltern ihre Kinder im Sommer im Kindergarten lassen, berichtet sie.

„Früher hatten in Mattersburg drei Gruppen offen, jetzt sind es sechs“, fasst Doris Handler die vermehrte Nachfrage in Zahlen. Mehr Personal gibt es aber nicht und das führt zu mehr Belastung. Elementarpädagoginnen haben nicht mehr automatisch zu den Ferienzeiten frei, sondern verfügen nun über einen Urlaubsanspruch, der sich ganzjährig einlösen lässt.

Das wird zwar einerseits begrüßt, weil die Elementarpädagoginnen jetzt auch außerhalb der Hauptsaisonen ihren Urlaub genießen können, führt aber zu Schwierigkeiten in der Dienstzeitplanung. Geht eine Kollegin in Urlaub, müssen das die anderen Mitarbeitenden ausgleichen. „Wir wünschen uns bessere Rahmenbedingungen: kleinere Gruppen, mehr pädagogisches Personal, um die Ferienbetreuung besser abdecken zu können, mehr Leiterinnen-Stunden“, sagt Doris Handler.

Und was tut den Kindern gut? Kinderpsychologen empfehlen, so die Information des Landes, Freizeitaktivitäten mit Bewegung und sozialen Kontakten mit ungefähr Gleichaltrigen. „Das kann in durchorganisierter Form oder in halborganisierter Variation im Bekanntenkreis oder Verwandtenkreis – angepasst an das Alter der Kinder – erfolgen.“

Spezielle Interessen über Sportvereine bis hin zu Schach oder Aktivitäten wie Theater oder musikalische Schwerpunktsetzungen seien dabei ebenso als „gesunde“ Sommerbeschäftigung zu sehen. Animierendes familiäres Lesen in gemeinsamen Urlauben oder zu Hause sollte ebenfalls in den Sommer integriert werden.

Kreative Ferienideen

Schatzsuche: Für Haus oder Garten wird eine Schatzkarte gezeichnet. Auf der Reise zum Schatz müssen Rätsel gelöst und Aufgaben erfüllt werden. Am Ende wartet eine Schatzkiste mit kleinen Belohnungen auf die Schatzsucher. Besonders lustig wird es mit umgekehrten Rollen: Jetzt schicken die Kinder ihre Eltern auf Schatzsuche!

Ein Dorf aus Karton: Endlich finden die alten Schuhkartons Verwendung. Kinder basteln daraus das Dorf ihrer Träume. Wege, Bäche und Teiche werden auf großen Papierbögen aufgemalt. Mit Steinen, Ästen und Moos wird die Landschaft gestaltet. Die Playmobil-Familie wartet schon darauf, das Dorf zu erobern.

Naturforscher-Challenge:Für den Tag im Freien bekommen die Kinder besondere Aufgaben: Suche drei Steine in unterschiedlichen Farben, beobachte einen Schmetterling, finde fünf Blätter von Bäumen und versuche herauszufinden, um welche Bäume es sich handelt, baue ein kleines Insektenhotel, fotografiere Wolken, die wie Tiere aussehen, und sammle deinen schönsten Naturerlebnisse in einem Tagebuch.