Unterwegs im Sammeltaxi: „Mit dem BAST passt alles!“
Darüber spricht das Land
Einen Vormittag lang im Burgenländischen Anrufsammeltaxi: ein Lokalaugenschein auf vier Rädern!
Damit Kundin Hilde Edl ins BAST-Taxi bequem einsteigen kann, hat Fahrer Peter Kovacs einen Hocker aufgestellt.
© BVZ/Kirchmeir
Um drei Uhr morgens ist BAST-Taxilenker Peter Kovacs an diesem Tag Ende Oktober 2025 aufgestanden, um 4.15 Uhr hat sein Dienst begonnen. Seine erste Fahrt ging um 4.44 Uhr vom Bahnhof Purbach zum Billa in Donnerskirchen, dann führte er um 5.19 Uhr einen Lehrling von Eisenstadt nach Rust und danach einen weiteren Lehrling von Forchtenstein nach Mattersburg. Um 6.42 Uhr wurde ein Mann von Mattersburg in den Gewerbepark Pöttelsdorf gebracht, dann ging es von Draßburg nach Marz.
Kurz nach 8 Uhr ist es, als die BVZ-Redakteurin beim Haltepunkt Technologiezentrum in Eisenstadt zusteigt. Und wir haben gleich Zeit für ein Kurzinterview: Die nächste Fahrt wurde für 9 Uhr bestellt - eine Frau wird bei der Apotheke in Siegendorf abgeholt.
Von 4.15 bis 8 Uhr hat Peter Kovacs Transporte durchgeführt, die am Tag vorher gebucht werden mussten. Ab 8 Uhr sind auch kurzfristige Bestellungen möglich, spätestens 60 Minuten vor dem gewünschten Abholtermin sollte man bei der Verkehrsbetriebe-Hotline anrufen.
Peter Kovacs ist gebürtiger Ungar. Seit 15 Jahren lebt er in Österreich, vor sechs Jahren übersiedelte er von Vorarlberg nach Eisenstadt. Lange arbeitete er bei der Post, dann machte er den LKW-Führerschein und war mit einem 40-Tonner unterwegs. Wegen gesundheitlicher Einrschränkungen suchte er nach einer neuen Perspektive und kam im Mai 2024 zu den Verkehrsbetrieben Burgenland.
„Anscheinend war ich sympathisch, sie haben mich eingestellt“, freut sich der 41-jährige Lenker. Beim Wifi absolvierte er die Taxilenkerausbildung und begann im Bezirk Oberpullendorf als BAST-Lenker. Seit knapp einem Jahr betreut er den Bezirk Eisenstadt und Teile des Bezirks Mattersburg. „Wir fahren dort, wo es ungünstig wäre, einen Riesen-Autobus durchzuschicken. Das wäre schade für die Umwelt“, sagt Peter Kovacs.
Zeitgerecht sind wir in Siegendorf angekommen. Hilde Edl steuert auf das BAST-Taxi zu, Lenker Kovacs klappt rasch einen Tritthocker auf, um der 86-Jährigen das Einsteigen zu erleichtern. „Ich besuche eine Freundin in Trausdorf“, berichtet sie. Zweimal in der Woche bucht die Siegendorferin das BAST-Taxi, Fahrer Kovacs kennt sie bereits gut.
Manchmal fährt sie mit dem BAST zum Einkaufen, einmal war sie in Pöttelsdorf bei einem Prosciutto-Erzeuger, erzählt die frühere Meinl-Verkäuferin. Mit dem BAST-System sei sie „sehr zufrieden“, sagt Hilde Edl, bevor sie in Trausdorf aussteigt.
Peter Kovacs macht bis zu 350 Kilometer pro Tag
Die nächste Fahrt hat eine Leithaprodersdorferin gebucht. Während wir bei herrlichem Herbstwetter die Adresse ansteuern, erzählt Peter Kovacs, dass er pro Tag 200 bis 350 Kilometer zurücklegt. Der Neunsitzer-Bus hatte, als er im Mai 2024 in den BAST-Dienst gestellt wurde, 60.000 Kilometer am Tacho und jetzt, Ende Oktober 2025, 100.000 Kilometer mehr.
Es ist 9.26 Uhr, in Leithaprodersdorf steigt eine Dame ins BAST-Taxi. Sie tut sich schwer beim Gehen, deshalb muss sie nicht an einem der Haltepunkte im Ort warten, sondern wird direkt bei ihrer Wohnadresse abgeholt. „Für mich wäre es ohne BAST unmöglich, zum Einkaufen zu kommen“, sagt sie. In Hirm steigt Frau Andrea, 57 Jahre alt, zu. Sie arbeitet in der Landesregierung, ihr Dienst beginnt um 10.30 Uhr.

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„Der Bus fährt am Vormittag nicht mehr, ich bin froh, dass ich mit dem BAST fahren kann“, sagt Frau Andrea. Ein Auto hat sie zwar, aber sie würde in Eisenstadt schwer einen Parkplatz finden. „So setze ich mich ins BAST-Taxi und muss nicht auf den Verkehr achten“, schildert sie die Vorteile. Zurück wird sie mit dem Linienbus fahren.
Während die Leithaprodersdorferin beim McDonald's in Eisenstadt aussteigt, wo sie sich mit einer Freundin treffen will, verlässt Frau Andrea um 10.04 Uhr am Domplatz das BAST Taxi. „Ich bin immer rechtzeitig in der Arbeit“, freut sie sich.
Um 10.30 Uhr wird Herr Oleiksii in Hirm abgeholt. Er kommt aus der Ukraine und fährt jeden Tag mit dem BAST zum Deutschkurs im Technologiezentrum Eisenstadt. „Ich finde den Service sehr gut und die Fahrer sind alle sehr höflich und pünktlich“, sagt er in tadellosem Deutsch.
Als nächstes wird eine Abholung in Hornstein am Display neben dem Fahrersitz angezeigt. Während der Fahrt erzählt Fahrer Kovacs, dass er öfter Kinder transportiert, zum Beispiel im Sommer nach Forchtenstein zum Stausee. „Nichts ist so wertvoll wie acht Kinder im Auto - da bin ich extra vorsichtig“, sagt er. Erst ab 16.30 Uhr gilt beim BAST das Top-Jugendticket, damit soll ausgeschlossen werden, dass der mobile Dienst als Schulbus verwendet wird.
Das BAST kann nicht zum Discotaxi werden
Bei der Volksschule Hornstein warten wir auf den nächsten Fahrgast. Da läutet das Handy des Fahrers. Die Dame hat den Transport kurzfristig storniert, informiert der Kundensupport. „Ab und zu passiert es, dass jemand nicht kommt oder sich verspätet“, sagt Peter Kovacs. Aus Datenschutzgründen werden ihm die Telefonnummern der Fahrgäste nicht übermittelt. In unklaren Situationen muss er den Kundensupport anrufen, dieser klärt ab, warum ein Fahrgast die bestellte Fahrt nicht antritt.

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In eine gefährliche Situation sei er noch nie gekommen, so Peter Kovacs. „Im Burgenland wurde noch nie ein Raubüberfall auf einen Taxilenker verübt“, berichtet er. Stark alkoholisierten oder unter Drogen stehenden Kunden dürfte er die Fahrt verweigern. „Aber das ist noch nie passiert“, sagt er. BAST-Taxis verkehren nur bis 20.30 Uhr, damit ist sichergestellt, dass das BAST nicht zum Discotaxi wird.
Einmal hatte Peter Kovacs einen „blinden Passagier“. „Ich war in Forchtenstein und hatte die hintere Türe offen, um durchzulüften. Ich reinigte die Fenster, dann schloss ich die Türe und fuhr bis Hornstein.“ Dort sprang eine Katze aus dem Auto. „Leider lief sie gleich weg“, erzählt Peter Kovacs. „Sie sah nicht sehr gepflegt aus und trug kein Halsband.“
Um 12.10 Uhr findet die letzte Fahrt für Peter Kovacs an diesem Tag statt. In Klingenbach steigt Monika Wild ein. Sie zahlt für hin und retour, das kostet 3.40 Euro. Dreimal in der Woche muss sie zur Reha nach Eisenstadt, sechs Wochen lang. „Beim BAST passt alles!“, lobt sie das Service.
Nachdem sie bei der Reha ausgestiegen ist, fährt Peter Kovacs den BAST-Bus ins Parkhaus beim Technologiezentrum. Er holt seinen Thyssen-Handstaubsauger aus dem Kofferraum und macht das Auto piccobello sauber. „Da bin ich ein bissl verrückt“, lächelt er.

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Das BAST in Zahlen
45BAST-Taxis sind im Burgenland unterwegs – PKW und Kleinbusse.
82Fahrerinnen und Fahrer sind für das BAST tätig.
3.020 Fahrten werden pro Woche durchschnittlich durchgeführt, 4.170Fahrgäste werden dabei durchschnittlich transportiert.
78.061BAST-Fahrten gab es 2024, 138.928waren es bis zur Kalenderwoche 45 heuer.
114.070Fahrgäste wurden 2024 transportiert, 191.797waren es bis zur Kalenderwoche 45 heuer.
3.715BAST-Haltepunkte gibt es im Burgenland.
Seit 1. Dezember 2024 verkehrt das BAST in allen Bezirken.
4.000bis 5.000Anrufe nimmt der BAST-Kundensupport im Pinka-Center in Oberwart pro Woche entgegen. 20Personen sind hier tätig.
Von 3.30 bis 8 Uhr und von 19 bis 20.30 Uhr führt das BAST nur Zubringer-Fahrten zu Hauptverkehrsachsen durch, dazwischen wird lokal zwischen Haltepunkten und Haltestellen transportiert.