Wie gelingt faire Pflege im Land?
Darüber spricht das Land
1.700 neue Pflegekräfte werden im Burgenland bis zum Jahr 2030 gesucht. Die Frage, wie man neue Pflegerinnen und Pfleger ins Team bekommt, beschäftigt die Einrichtungen in allen Regionen. Zugleich wird mit dem Konzept des Landes um- und ausgebaut. Eine Bestandsaufnahme.
© Soziale Dienste Burgenland
Der internationale Tag der Pflege am 12. Mai war Anlass, das Umfeld eines herausfordernden Berufes näher zu beleuchten. Wie ist es um die Pflege im Burgenland bestellt? 3.900 Menschen sind aktuell im Burgenland in der Pflege beschäftigt. Aufgrund von Pensionierungen und der Bevölkerungsentwicklung werden bis 2030 1.700 Pflegekräfte benötigt, heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrates Leonhard Schneemann.
Wie gewinnt man neue Teammitglieder? 1.000 Euro monatlich erhalten Auszubildende in der Pflege dank eines burgenländischen Anstellungsmodells. Außerdem versucht das Land, im Ausland Pflegekräfte zu rekrutieren - so sind Personen von den Philippinen im Einsatz, eine Kooperation mit einer indischen Diözese verspricht weitere Unterstützung.
Das Land stellte das Pflegekonzept auf drei Säulen - Pflege daheim, mobile Pflege und Tagesbetreuung sowie Pflege im Heim. Wer pflegebedürftige Familienmitglieder zuhause pflegen möchte, kann sich bei der Pflegeservice Burgenland anstellen lassen. 376 Personen nützen derzeit diese Option.
51 Agenturen vermitteln im Burgenland Personen für die 24-Stunden-Betreuung. Der Bund gewährt ab Pflegestufe 3 eine Förderung von bis zu 800 Euro monatlich, das Land zahlt einkommensabhängig bis zu 500 Euro dazu. „Im vergangenen Jahr wurde ein Pilotprojekt mit dem BFI und betreuerinnen.at gestartet, durch welches die Betreuungskräfte eine entsprechende Grundausbildung erhalten haben und die Qualität der Betreuung gesteigert wurde“, informiert das Büro von Landesrat Schneemann.
Geplant ist eine Neuorganisation der 24h-Betreuung: Agenturleistungen sollen künftig über die Landesstruktur angeboten werden. 71 Pflegestützpunkte will das Land errichten, zwei wurden bereits eröffnet. Der Betrieb der Pflegestützpunkte wird aktuell ausgeschrieben. „Bis zum Sommer sollten die Betriebsführer feststehen“, heißt es seitens des Landesrates.
© Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt
Zusätzlich zu den 45 Altenwohn- und Pflegeheimen sind drei Einrichtungen in Bau oder Planung. Ein neues Pflegeheim in Redlschlag mit 65 Betten wird die Einrichtung in Bernstein mit 35 Betten ersetzen. In Rechnitz errichtet die Caritas ein Demenzzentrum, in Oberpullendorf entsteht ein stationäres Hospiz mit zehn Betten.
Alle 45 Pflegeeinrichtungen erhalten Mittel vom Land. Mit der Novelle des Sozialeinrichtungsgesetzes wurde im Vorjahr die Gemeinnützigkeit der burgenländischen Pflegelandschaft als Grundprinzip verankert. „Mit Pflege darf kein Gewinn erwirtschaftet werden“, stellt Landeshauptmann Hans Doskozil klar. Spätestens bis Ende 2026 müssen die Betriebe gemeinnützig tätig sein, sollte das nicht möglich sein, so werden ab Ende 2029 keine Landesförderungen mehr ausbezahlt.
36 der 45 Pflegeeinrichtungen werden bereits jetzt gemeinnützig geführt. „Weniger als 20 Prozent der Pflegebetten sind noch in gewinnorientierter Hand“, heißt es aus dem Ressort des Soziallandesrates. Wie geht es den in der Pflege Tätigen? „Aufgrund der hohen Belastung und des Personalmangels ist die Zufriedenheit nicht überall gleich gegeben“, stellt Gerald Möderl, Landesvorsitzender der Berufsvertretung der Gesundheits- und Krankenpflegekräfte ÖGKV, fest.
Sein Wunsch wäre es, dass die in der Pflege Tätigen nach ihren 10- oder 12-Stunden-Diensten heimkommen und noch „ein Leben führen können“. Um das zu gewährleisten, müsse es aber zu einer Entlastung durch mehr Personal kommen.
„Wir müssen die Qualität aufrecht erhalten“
„Der Bedarf an Pflege ist jeden Tag gleich“, sagt Möderl. „Wenn jemand aufgrund von Krankenstand oder Urlaub ausfällt, muss man dafür sorgen, dass jemand anderer einspringen kann.“ Er schlägt einen Pflegekräftepool vor, auf den bei Personalmangel alle Organisationen im Burgenland zugreifen können. „Wir müssen die Politik gewinnen, das mit finanziellen Mitteln zu unterstützen, um die Qualität aufrecht zu erhalten“, so der Berufsvertreter.
Erfreulich ist, dass die Arbeitszufriedenheit im Pflegeberuf im Burgenland leicht gestiegen ist, wie der Arbeitsklima-Index von IFES zeigt: Im Bereich Gesundheit und Soziales nahm 2024 die Arbeitszufriedenheit von 98 auf 104 Punkte zu. Das ist ein gutes Zeichen, zumal die allgemeine Arbeitszufriedenheit der Burgenländer im Vorjahr von 101 auf 100 Punkte leicht gesunken ist.
Zugleich sank im Gesundheitswesen die Job-Wechselbereitschaft von 19 auf 16 Prozent, während sie in anderen Branchen leicht stieg. „Das Burgenland liegt hier besser als Restösterreich“, freut sich AK-Expertin Brigitte Ohr-Kapral. Die Anhebung der Gehälter in den landesfinanzierten Kliniken, die Einführung einer Stationsassistenz oder der Betriebskindergarten in der Klinik Oberwart seien Maßnahmen, um gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten zu schaffen.
Infos zur Pflege im Burgenland
3.900 Pflegekräfte sind im Burgenland beschäftigt, davon 1.300 in Pflegeheimen und 500 in der mobilen Pflege und Betreuung.
Im Burgenland gibt es 45 Altenwohn- und Pflegeheime mit rund 2.300 Betten. Diese Einrichtungen werden von 17 verschiedenen Trägerorganisationen betrieben.
Die Sozialen Dienste Burgenland als Unternehmen des Landes betreiben vier Pflegewohnhäuser mit rund 330 Pflegebetten.
376 betreuende Angehörige und Vertrauenspersonen waren mit Stand 1. Mai 2025 beim Pflegeservice Burgenland angestellt.
Zwei mobile Hospiz- und Palliativteams betreuen schwer erkrankte Personen von den Stützpunkten in Eisenstadt und Güssing aus. In Oberpullendorf entsteht ein Hospizzentrum, das 2026 eröffnet werden soll.
71 Pflegestützpunkte sollen in 28 Pflegeregionen burgenlandweit errichtet werden. Zwei sind bereits in Betrieb: Das Pilotprojekt in Schattendorf wurde 2022 eröffnet, im Dezember 2024 nahm der Pflegestützpunkt in Stinatz den Betrieb auf. 14 weitere Pflegestützpunkte sind in Bau.
Zitate zum Thema Pflege
Nikolaus Scharmer, Hilfswerk Burgenland: „Das Hilfswerk Burgenland ist als gemeinnützige Organisation mit rund 300 Mitarbeitern einer der größten Anbieter sozialer Dienstleistung im Burgenland. Das Pflegeangebot reicht von Langzeit- bzw. Kurzzeitpflege und Tagesbetreuung in einer der sechs Seniorenpensionen bis zur mobilen Hauskrankenpflege.
Auch die Entlastung pflegender Angehöriger zählt zu unseren Zielen. Um dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken, muss die Ausbildungsoffensive verstärkt werden und eine Attraktivierung des Pflegeberufs stattfinden.“

© Bgld. Hilfswerk, Foto Wilke
Petra Hufnagel, Caritas: „Am Tag der Pflege gilt ein ganz besonderer Dank allen Mitarbeitenden in den Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen sowie in der mobilen Pflege. 365 Tage im Jahr sind sie mit Herz und Kompetenz für pflegebedürftige Menschen im Einsatz. Sie stellen Pflege und Betreuung stets aufgrund aktuellster Qualitätsstandards sicher, damit jeder Mensch auch genau die Pflege und Betreuung bekommt, die er braucht.“

© Caritas, Branding Identity
Christine Ecker, Samariterbund: „Der Samariterbund betreibt im Burgenland zehn Pflegekompetenzzentren und bietet rund 500 Menschen in ihrer letzten Lebensphase ein Zuhause mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Unser Anliegen ist es, dass Pflegepersonen das bekommen, was ihnen zusteht: Anerkennung, faire Bedingungen und Sicherheit.
Die Aufnahme der Pflege in die Schwerarbeiterregelung ist ein bedeutender Schritt. Gleichzeitig muss genau hingesehen werden, welche Faktoren zur Einstufung als Schwerarbeit führen, damit niemand ausgeschlossen wird.“

© Privat