Wie knacken wir die Betonwüste? Entsiegelung soll in Mode kommen ...
Darüber spricht das Land
Asphalt heizt sich an heißen Tagen auf über 60 Grad auf. Entschärft werden können die Hitzeinseln durch Entsiegelung. Ist das Land bereit für mehr Grün? Ein Entsiegelungs-Wettbewerb soll zur Kreativität anregen.
Durch Entsiegelung können Hitzeinseln entschärft werden. Gerade jetzt merkt man, wie sehr sich der Asphalt aufheizen kann.
© Shutterstock
„Parkplätze sind oft eine Asphaltwüste und heizen sich an Hitzetagen extrem auf“, warnt Katharina Jaschinsky vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Dadurch steigt die Hitze-Belastung für die Bevölkerung, die in der Umgebung wohnt. Der VCÖ plädiert dafür, Parkplätze durch Entsiegelung und Beschattung zu entschärfen.
Das Land Burgenland will die Entsiegelung ankurbeln und startete kürzlich den ersten „Entsiegelungswettbewerb“ für die Gemeinden. Unter dem Motto „Baba, Beton!“ ruft Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner die 171 burgenländischen Gemeinden dazu auf, geplante Entsiegelungsprojekte einzureichen.
Das Siegerprojekt wird vom Land mit bis zu 100.000 Euro gefördert und soll im Frühjahr 2026 umgesetzt werden. Die Situation sei, sagt Haider-Wallner, ernst: Pro Tag werden im Burgenland 1,6 Hektar Boden in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt, das entspricht zwei Fußballfeldern. Seit 2010 ist der Bodenverbrauch ständig angestiegen. Im Burgenland sei die Flächeninanspruchnahme pro Person und Quadratmeter zudem fast doppelt so hoch wie im Österreich-Durchschnitt.
Jetzt sollen gemeindeeigene Flächen wie Dorfzentren, Vorplätze vor Schulen oder Gemeindegebäude, Parkplätze, Zufahrten oder Verkehrsinseln entsiegelt werden. Wie das funktionieren kann, zeigte man in der Landeshauptstadt Eisenstadt jetzt vor. Auf Initiative zweier Anrainer wurden im Stadtteil Kleinhöflein 180 Quadratmeter eines asphaltierten Güterwegs in einen Schotterweg umgewandelt.
© Landesmedienservice
„Unser Anliegen war es, durch die Entsiegelung des Güterwegs der Natur wieder mehr Raum zu geben – zum Wohl von Mensch und Tier“, sagte einer der beiden Anrainer, Josef Klampfer. Die Landeshauptstadt ist generell ein Vorbild in Sachen Entsiegelung: Die Stadtgemeinde fördert Maßnahmen zur Entsiegelung von bebauten Flächen im Stadtgebiet mit bis zu 3.000 Euro pro Projekt.
Während das Land zum Entsiegeln aufruft, sucht Greenpeace den „Betonschatz“ im Burgenland. Die Bevölkerung ist aufgerufen, bis 26. August aus drei „Betonschätzen“ ihren Favoriten zu wählen.
Nominiert sind die 2.200 Quadratmeter versiegelte Parkplatzfläche des früheren Einkaufszentrums EKO Oberwart, das 2.000 Quadratmeter große Areal der ehemaligen Zielpunkt-Filiale in Hornstein und die schattenlose, 1.200 Quadratmeter große Fläche vor dem Kindergarten und der Schule in Stadtschlaining.
Der Hornsteiner Bürgermeister Christoph Wolf bezeichnet das ehemalige Zielpunkt-Grundstück als „Schandfleck bei der Ortseinfahrt“. Jedoch habe die Gemeinde kein Mitspracherecht. „Hoffentlich findet sich bald jemand, der sich mit einer guten Idee auszeichnet und schließlich auch die Umsetzung angeht“, so der Bürgermeister.
In Oberwart ist man sich des „schwierigen Themas“ EKO bewusst. „ Das Grundstück gehört der reformierten Kirchengemeinde, das Gebäude aber einem privaten Eigentümer“, berichtet Bürgermeister Georg Rosner. Die Stadtgemeinde habe keine rechtliche Handhabe, Veränderungen durchzusetzen.
Wie es besser laufen kann, zeige das Projekt am Areal des früheren Magnet-Marktes: „Hier ist ein moderner Standort mit Kinderkrippe, Demenzzentrum und Wohnhäusern entstanden – alle mit großzügigen Grünflächen“, freut sich der Bürgermeister.
Grün statt grau
Die Umweltberatung empfiehlt zu prüfen, welche Flächen noch benötigt werden. „Wenn man genau hinschaut, findet man Flächen, auf die man verzichten kann“, sagt Melanie Frauendienst von der Umweltberatung.
Vom Land Burgenland wurden Vorgaben beschlossen, die den Flächenverbrauch reduzieren sollen. So dürfen Supermärkte nur mehr in Ortskernen errichtet werden, Einkaufszentren müssen mindestens zwei oberirdische Geschoße haben, für je fünf Parkplätze muss mindestens ein Baum gepflanzt werden.
Werden Einkaufszentren geschlossen, so muss ein Rückbau der Flächen erfolgen. Dafür ist vorab eine Bankgarantie erforderlich.