Visionärin will Burgenland zum „Hightech-Valley“ machen

Daten in Europa behalten

Die Unternehmerin Petra Augustyn will mit ihrer App 500 Millionen User erreichen und künftig die Daten in Europa behalten und nicht alles nach Amerika (aus-)liefern.

Petra Augustyn will mit der "Ktchng"-App den großen Weltkonzernen vom Burgenland aus Konkurrenz machen.

Petra Augustyn will mit der "Ktchng"-App den großen Weltkonzernen vom Burgenland aus Konkurrenz machen.

© Wolfgang Millendorfer

Petra Augustyn, eine Technologieunternehmerin mit über 25 Jahren Erfahrung, hat sich mit ihrer Leidenschaft für Deep Learning und Objekterkennung einen Namen gemacht. Sie ist Mitgründerin der „Ktchng“-GmbH, die seit 2019 im Burgenland tätig ist und sich auf die Entwicklung von Objekterkennungssoftware spezialisiert hat.

Mit „Ktchng“ den Großen den Kampf ansagen

Die Firma hat die gleichnamige App entwickelt, die Objekte in der Realität erkennt und alle Informationen dazu liefert. Beim Scannen eines Artikels im Supermarkt liefert die App beispielsweise Produktinformationen. „Unsere Vision für die Zukunft ist es, dass ,Ktchng' zu einer international bekannten und vertrauenswürdigen Marke wird, die überall dort, wo es Strom gibt, bekannt ist und genutzt wird”, sagt Augustyn.

Die größte Herausforderung dabei sind die Kapitalisierung und der Wettbewerb mit den großen Technologieunternehmen auf anderen Kontinenten. Doch trotz dieser Herausforderungen sieht Augustyn auch Chancen: „Die rasante Entwicklung der Technologie und ihr Einfluss auf verschiedene Lebensbereiche, einschließlich Software, Kommunikation und Wirtschaft, bieten enorme Möglichkeiten.”

Daten in Europa behalten

Die Diskussion berührt auch die Bedeutung des technologischen Fortschritts für den wirtschaftlichen Wohlstand und die Herausforderungen, denen sich europäische Unternehmen bei der Schaffung von Verbraucherplattformen aufgrund finanzieller und datenschutzrechtlicher Einschränkungen gegenübersehen.

„Es ist wichtig, dass Europa die Verbraucherdaten innerhalb des Kontinents behält”, betont Augustyn. Und mit Apps wie „Ktchng“ wäre dies für die Zukunft möglich, um in Europa die Datenhoheit zu bewahren. Denn jetzt würden wir alle, so Augustyn, alle unsere Daten über Social Media und Smartphone an die amerikanischen, chinesischen und indischen Software-Riesen liefern – und das meist sehr einfach und gratis.

Burgenland als Standort für technologische Innovation

Die Bedeutung eines unterstützenden Ökosystems für Start-ups und die Attraktivität von Regionen wie dem Burgenland als Standort für technologische Innovationen werden hervorgehoben.

„Die lokale Lebensweise und Kultur können genutzt werden, um Technologie und Geschäftswachstum zu fördern”, so Augustyn. „Im nördlichen Burgenland hast du in einem Umkreis von rund 70 km Metropolen wie Wien oder Bratislava“. Das sei ein perfektes Umfeld, um eine Art „Silicon Valley“ hier aufzubauen. „Denn überall auf der Welt ist es für Technologie-Mitarbeiter kein Thema, rund 45 Minuten zur Arbeit zu fahren.“

So gesehen wären die Rahmenbedingungen im Burgenland optimal, und „warum sollen nicht künftig auch Wissensarbeiter aus der ganzen Welt hier arbeiten und leben?“ Start-up-Unternehmen könnten im weltweiten Vergleich sehr kostengünstig Infrastruktur kaufen oder mieten und ihren Mitarbeitern gleichzeitig mit dem Neusiedler See und dem burgenländischen Ambiente einen „sehr coolen, einzigartigen Arbeits- und Erholungs-Hotspot bieten“.

500 Millionen User als Ziel

Allerdings sollte diese für Europa einzigartige Chance „Quantum-“ und nicht „Silicon Valley“ heißen. Denn die Basis für alle Software-Technologien ist die Chip-Technik. „Old School“ ist da heutzutage der Einsatz von Chips auf Silikon-Basis als Transmitter. Die Zukunft liegt im „Quantum“-Chip, der um ein Vielfaches schneller und besser funktioniert, als die bisherige Hardware.

Petra Augustyn, die bereits ein Start-up-Unternehmen in Hamburg aufgebaut hat, will auch das Selbstbewusstsein im Burgenland und Europa in diesen Bereichen stärken. Auch bei ihren Zielen kann man wenig „Kleingeist“ erkennen, immerhin setzt sich die Unternehmerin die stattliche Zahl von rund 500 Millionen Usern für ihr App – rund 1.666 Mal mehr, als das Burgenland Einwohner hat.

Was ist „Ktchng“?
  • Gründungsjahr: 2019
  • Standort: Neusiedl am See (www.ktchng.com)
  • Gründerin und CEO: Petra Augustyn

Was macht „Ktchng“? „Ktchng“ hat eine App entwickelt, die Objekte in der Realität erkennt und Informationen dazu liefert. Diese Technologie wird als Objekterkennung bezeichnet und ist ein Teilbereich des Deep Learning, einer Form von künstlicher Intelligenz.

Wie funktioniert die App? Stellen Sie sich vor, Sie sind im Supermarkt und sehen ein Produkt, über das Sie mehr wissen möchten. Mit der „Ktchng“-App können Sie einfach Ihr Smartphone auf das Produkt richten, und die App liefert Ihnen detaillierte Informationen dazu. Das kann alles sein, von Nährwertangaben bei Lebensmitteln bis hin zu Produktbewertungen.

Oder aber, Sie fahren im Bus, U-Bahn oder sind in einem Lokal und sehen jemanden, der ein Kleid trägt, das Ihnen gefällt. Sie scannen es, erhalten Informationen dazu, wer es hergestellt hat, wo es zu kaufen ist (Händler oder Online-Shop) und sehen dazu Social-Media-Auftritte oder Leute, die Videos dazu gepostet haben. Mittelfristig ist auch Gesichts-Scan, wenn erwünscht, möglich. User sind in der nächsten Version dazu aufgerufen, Videos zu gestalten und selbst Produkte zu beschreiben.

Ziel von „Ktchng“: Ziel ist es, den Alltag der Verbraucher zu vereinfachen und ihnen dabei zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. „Ktchng“ strebt danach, eine international bekannte und vertrauenswürdige Marke zu sein und moderne Arbeitsplätze in Österreich und Europa zu schaffen.