Indonesischer Botschafter zu Besuch in Horitschon
Diplomatie trifft Weinbau
Ein besonderer Besuch sorgte am Mittwoch für internationales Flair im Blaufränkischland.
Am Weingut. David, Rudi und Maria Kerschbaum freuten sich über den Besuch von Botschafter Damos Dumoli Agusman und dessen Gattin Ermitu. Beim Empfang ebenso mit dabei waren Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landwirtschaftskammerpräsident Niki Berlakovich, die Bürgermeister Gerhard Petschowitsch und Christian Weninger sowie der ehemalige österreichische Botschafter in Indonesien, Klaus Wölfer und Gattin Dian.
© BVZ, Isabella Kuzmits
Der indonesische Botschafter Damos Dumoli Agusman stattete gemeinsam mit seiner Frau Ermitu, dem ehemaligen österreichischen Botschafter in Jakarta Klaus Wölfer und dessen Frau Dian dem Rotweingut Maria Kerschbaum by David Kerschbaum in Horitschon einen Besuch ab. Empfangen wurden die Gäste vor Ort auch von Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landwirtschaftskammerpräsident Niki Berlakovich sowie den Bürgermeistern Gerhard Petschowitsch (Horitschon) und Christian Weninger (Lackenbach).
Im Rahmen eines feierlichen Empfangs am Weingut wurde nicht nur burgenländische Gastfreundschaft gelebt, sondern auch ein intensiver interkultureller Austausch gepflegt. Im Mittelpunkt standen Themen wie nachhaltige Landwirtschaft, soziale Verantwortung und die Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Indonesien.
Wein verbindet Kulturen
David Kerschbaum, Winzer und Gastgeber, freute sich über den hochrangigen Besuch: „Heuer hatten wir zwei ganz besondere Erntehelfer aus Indonesien, die uns bei der Lese unterstützt haben. Wir wollen die guten Beziehungen und die Zusammenarbeit mit Indonesien aber noch weiter verstärken, deswegen freut es mich besonders, dass wir heute zu einem Austausch zusammengekommen sind.“
Gemeint sind Ari und Hendra, zwei junge Männer von der indonesischen Insel Lombok, die seit September am Weingut mitarbeiten. „Die Verbindung entstand über Hendras Frau Janine, eine Kollegin von mir, die ein kleines Hotel auf der Insel Gili Trawangan, nahe Lombok, betreibt und sich für die dortige Montessori-Schule 'Chili Community House' engagiert“, berichtet David Kerschbaum, der seit 2021 ebenso die Schule unterstützt - unter anderem mit einem eigens kreierten Wein, dessen Erlös dem Bildungsprojekt zugutekommt, sowie mit regelmäßigen Besuchen für Schulprojekte vor Ort.

© BVZ, Isabella Kuzmits
„Ich danke David für seinen Beitrag zur sozialen Entwicklung in Lombok“, betonte Botschafter Agusman in seiner Ansprache. „Ich hoffe, dass Ari und Hendra viel über die Weinproduktion lernen und viel Wissen mit nach Hause bringen werden“, so Agusman.
Diplomatische Beziehungen und neue Perspektiven
Der Besuch des Botschafters fand auch im Zeichen der 70-jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Indonesien statt, die im Vorjahr gefeiert wurden. Agusman, der bereits mehrfach in Österreich war, zeigte sich auch dieses Mal wieder begeistert von Land, Leuten und auch dem heimischen Wein. (Anmerkung: In Indonesien wird kaum Wein produziert. Der Fokus liegt auf Reis, Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, etc.)

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Mit einem Augenzwinkern verwies er auch auf die religiöse Vielfalt seines Heimatlandes: „Indonesien hat 280 Millionen Einwohner, davon sind 87 Prozent muslimisch. Es bleiben also 36 Millionen übrig, die gerne einmal Wein trinken.“
Besonders erfreulich sei für den Botschafter das kürzlich unterzeichnete Handelsabkommen zwischen Indonesien und der Europäischen Union, das nach 20 Jahren Verhandlungen zustande kam. „Eine gute Nachricht für beide Seiten“, so der Botschafter.
Nachhaltigkeit als Brücke
Auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner hob die Bedeutung des Austauschs hervor: „Im Weinbau haben wir im Burgenland einen hohen Prozentsatz an ökologischer Landwirtschaft, rund 40 Prozent. Die Natur hier ist - wie auch in Indonesien - nicht nur für die Landwirte, sondern auch für den Tourismus sehr wichtig.“
Haider-Wallner zeigte sich zudem begeistert vom Engagement der jungen indonesischen Helfer: „Es freut mich, dass die beiden Männer die Chance erhalten haben, hier zu lernen und Wissen mit nach Hause nehmen können.“
Qualität statt Masse
Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer Niki Berlakovich betonte in seiner Ansprache die strategische Bedeutung der Zusammenarbeit: „In Österreich ist die Landwirtschaft relativ klein strukturiert, mit vielen kleinen Betrieben. Unsere Strategie ist es nicht Masse, sondern Klasse herzustellen. Das trifft auch auf unseren Wein zu, der auf der ganzen Welt getrunken wird.“
Er verwies auch auf geopolitische Entwicklungen, die neue Märkte notwendig machen: „Trump war der Grund für das Freihandelsabkommen mit Indonesien. Ebenso die Probleme mit Russland. Daher versucht Österreich nun neue Märkte für seinen Wein zu erschließen.“ Als Beispiel nannte er Japan, Thailand und Indonesien.
Das Projekt der Familie Kerschbaum sei ein gelungenes Beispiel für gelebte Partnerschaft: „Es ist immer interessant, neue Freunde zu finden“, so Berlakovich.
Ein Abend voller Begegnungen
Abgerundet wurde der Besuch des Botschafters mit einem gemeinsamen Abendessen am Weingut – serviert wurden burgenländisches Spanferkel und Krautfleckerl. Für Ari und Hendra ist ihr Aufenthalt im Blaufränkischland nicht nur ein kulinarisches und kulturelles Erlebnis, sondern auch eine wertvolle Lernerfahrung. „Sie wollten gerne sehen und selbst erleben, wie der Wein für die Chili Community Schule produziert wird und ein tieferes Verständnis für das Produkt Wein entwickeln“, so Winzer David Kerschbaum abschließend.