Zu viert auf Opfer losgegangen: Junge Bande vor Gericht

Drei Verletzte

Im Jänner und Februar schlugen ein 18-Jähriger und seine Freunde auf Jugendliche ein. „Warum sind Sie so brutal?“, fragte die Richterin.

Fünf Angeklagte nahmen auf der Anklagebank Platz.

Fünf Angeklagte nahmen auf der Anklagebank Platz.

© BVZ/Kirchmeir

7. Jänner 2025. Ein 18-Jähriger wirft in Mattersburg einen 17-Jährigen zu Boden, versetzt ihm Faustschläge und Fußtritte. Der Jugendliche erleidet einen Bruch der Schulter. Der 17-Jährige hat sichtlich Schmerzen, trotzdem zieht der 18-Jährige ihn am verletzten Arm.

„Was ist los mit Ihnen?“, fragt die Richterin am 1. April 2025. Der 18-Jährige war zuvor aus der Untersuchungshaft in den Verhandlungssaal gebracht worden. Zweimal ist er bereits vorbestraft.

„Ich habe meine Medikamente nicht genommen und Alkohol getrunken. Deshalb konnte ich mich nicht kontrollieren“, sagte der 18-Jährige. „Dann nehmen Sie Ihre Medikamente und trinken Sie keinen Alkohol!“, ermahnte ihn die Richterin.

Opfer hatte Todesangst

Er solle, drohte der 18-Jährige im Jänner dem ersten Opfer, ja nicht zur Polizei gehen. Sonst würden ihn seine Freunde umbringen. „Ja, ich habe ihn bedroht“, gab der Angeklagte vor Gericht zu. „Der andere hatte Todesangst“, hielt ihm die Richterin vor.

Der 18-Jährige war auch dabei, als am 16. Februar ein anderer 17-Jähriger in Mattersburg zusammengeschlagen wurde. Das Opfer erlitt Hämatome. „Man kann nur von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, sagte die Staatsanwältin.

„Die Ex“ des 15-Jährigen „machte mit ihm herum“, erzählte der 18-Jährige. „Er meinte, er will mit ihm reden.“

Richterin: „Es bleibt ja nie beim Reden“

„Es bleibt ja nie beim Reden“, stellte die Richterin fest. „Was ist, wenn er die falsche Antwort gibt?“

„Nix“, meinte der 18-Jährige. Das wollte ihm die Richterin nicht glauben.

Zu viert ging man mit dem 17-Jährigen vom Brunnenplatz in Richtung des Mattersburger Hochhauses. Zum Reden, wie der 18-Jährige immer wieder betonte. „Warum darf man mit der Ex nicht rummachen?“, erkundigte sich die Richterin. „Ich habe nichts dagegen“, sagte der 18-Jährige.

„Nach zwei, drei Minuten kam es zu Faustschlag“, schilderte er die Situation. „Wer schlug als Erster hin?“, wollte die Richterin wissen. Der 16-Jährige sei es gewesen. Ins Gesicht. „Weiter habe ich hingehaut“, so der 18-Jährige. „Vier, fünf, sechs Mal.“ Der 15-Jährige habe dem 17-Jährigen ebenfalls „zwei Watschen“ gegeben.

„Warum wurde er überhaupt geschlagen?“, wunderte sich die Richterin. „Man wollte ja nur reden.“

Opfer wurde auch noch bedroht

„Ich weiß auch nicht, wie es dazu kam“, sagte der 18-Jährige. Er hatte dem am Boden Liegenden die Hände vom Gesicht weggezogen, das dieser schützen wollte, und weiter auf den 17-Jährigen eingeschlagen. „Wenn du zur Polizei gehst, wird es schlimmer“, soll er dem 17-Jährigen noch mit auf den Weg gegeben haben.

„Vier gegen eins. Das ist total feig“, ermahnte die Richterin die Beteiligten.

Der 15-Jährige war auch dabei, als am 17. Februar ein 14-Jähriger in Mattersburg zusammengeschlagen wurde. „Warum wird so oft hingeschlagen?“, fragte die Richterin. „Es war nicht geplant“, sagte der 15-Jährige. Der 14-Jährige war zuvor zu erniedrigenden Szenen gezwungen worden. Diese wurden gefilmt.

Zugeschlagen hatte am 17. Februar auch ein 14-Jähriger. Das gleichaltrige Opfer erlitt einen Kieferhöhlen- und Jochbeinbruch, leidet noch immer an den Folgen.

Täter: „Ich war halt aggressiv, habe halt zugeschlagen“

„Ich war der Erste, der zwei Fäuste gegeben hat“, gab der 14-Jährige zu. Der andere „war frech zu uns. Ich war halt aggressiv, ich habe halt zugeschlagen.“

„Dachten Sie nach, was Sie da gemacht haben?“, fragte die Richterin. „Ich habe verstanden, dass ich aus Kasachstan bin“, lautete die überraschende Antwort.

„Und da darf man das mit 14?“, fragte die Richterin.

„Na, da werden keine Polizeiprobleme sein“, meinte der 14-Jährige. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Kasachstan erlaubt ist, jemanden so brutal zusammenzuschlagen“, schüttelte die Richterin den Kopf.

„Aus dem Nichts“ habe der 14-Jährige dem Gleichaltrigen „zwei Fäuste“ gegeben, sagte ein mitangeklagter 17-Jähriger. „Er fiel nach hinten. Ich gab ihm zwei Fäuste. Wir halfen ihm auf.“

„Er mobbte und lachte in der Schule“

„Warum haben Sie hingeschlagen?“, fragte die Richterin. „Er mobbte und lachte in der Schule“, sagte der gebürtige Albaner. „Gibt es bei uns das Faustrecht oder Gesetze?“, wunderte sich die Richterin.

Vier der Angeklagten leben im Bezirk Mattersburg, der verhaftete 18-Jährige im Bezirk Eisenstadt Umgebung. Dem 16-jährigen Angeklagten wird auch ein Einbruchsdiebstahl im Bezirk Mattersburg vorgeworfen. Er soll im September 2024 aus einer Gartenhütte zwei Motocross-Maschinen gestohlen haben.

Tatwerkzeug: DNA-Spur muss noch ausgewertet werden

Dazu bekannte sich der 16-Jährige nicht schuldig. Vor der Hütte wurde ein Bolzenschneider gefunden, auf dem eine DNA-Spur sichergestellt wurde. Das Ergebnis der Auswertung dieser Spur sei noch nicht eingetroffen, so die Richterin. Der Prozess gegen den 16-Jährigen wurde vertagt.

Der vorbestrafte 18-Jährige erhielt eine Haftstrafe von zehn Monaten, zusätzlich muss er sechs Monate aus einer früheren Strafe verbüßen und insgesamt 2500 Euro Schmerzensgeld an die Opfer bezahlen. Die Staatsanwältin gab dazu keine Erklärung ab.

Zwei Angeklagte erhielten eine Diversion. Sie müssen jeweils 300 Euro an das Opfer bezahlen, ein Anti-Gewalt-Training und ein Jugendcoaching absolvieren. Das Verfahren gegen sie wurde auf eine Probezeit von zwei Jahren eingestellt. Ein weiterer Angeklagter wurde zwar schuldig gesprochen, der Ausspruch der Strafe wurde aber auf eine Probezeit von zwei Jahren vorbehalten.