Europa-Premiere in Oberpullendorf: Erstes Denkmal für Roma-Retter

Einweihung

Unter großer Anteilnahme wurde am Allerseelentag vor der Bezirkshauptmannschaft Oberpullendorf eine Gedenktafel enthüllt, die dem „Schindler“ von Oberpullendorf, György Gedeon Rohonczy (1884-1975) gewidmet ist.

Vizebürgermeister Nikolaus Dominkovits, Eva Mayer-Rohonczy, Tochter von von György Gedeon Rohonczy, VHS Roma-Geschäftsführer Horst Horvath, Landtagsabgeordneter Jürgen Karall, Bürgermeister Johann Heisz und Gestalter Andreas Lehner enthüllten die Gedenktafel.

Vizebürgermeister Nikolaus Dominkovits, Eva Mayer-Rohonczy, Tochter von von György Gedeon Rohonczy, VHS Roma-Geschäftsführer Horst Horvath, Landtagsabgeordneter Jürgen Karall, Bürgermeister Johann Heisz und Gestalter Andreas Lehner enthüllten die Gedenktafel.

© Michaela Grabner

„Sein Wirken sei uns Vorbild!“ heißt es auf der Gedenktafel des neuen Denkmals für György Gedeon Rohonczy von Felsöpulya. Gleich neben der Gedenktafel mit dem Bildnis eines Roma-Mädchens im Ghetto der Stadt Lódź für Romnija und Roma, Jüdinnen und Juden sowie Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen Widerstand leisteten und Menschen, denen aufgrund von Erkrankungen oder Behinderungen das Lebensrecht abgesprochen wurde und die der NS-Medizin zum Opfer fielen, wurde von Generalvikar Michael Wüger und Superintendent Robert Jonischkeit das erste Denkmal Europas für einen Roma-Retter eingeweiht, der auch als der „Schindler“ von Oberpullendorf bezeichnet wird.

Historiker Alex Karazman, der als kleiner Junge oft mit anderen Kindern in Rohonczys Meierhof in Mitterpullendorf gespielt hatte, berichtete von dessen Leben und Wirken. 1884 in Czernowitz - in der heutigen Urkaine - geboren, da sein Vater, ein hochrangiger K&K Militär, dort stationiert gewesen war, übersiedelte er mit der Familie nach Budapest, wo er Rechtswissenschaften studierte. Als fertiger Jurist kam er zurück nach Oberpullendorf, wo er bis 1921 zunächst als Vizestuhlrichter und später wohl als Stuhlrichter im heutigen Gebäude der Bezirkshauptmannschaft - damals Stuhlrichteramt - gearbeitet hat. Dann wurde er Land- und Forstwirt am Meierhof in Mitterpullendorf, der seiner Familie ebenso gehörte wie das Kastell in Oberpullendorf.

Im zweiten Weltkrieg wurden Rohonczys Arbeitskräfte nach und nach zur deutschen Wehrmacht eingezogen, daher forderte er für seinen Meierhof - der als kriegswichtiger Betrieb galt - Arbeiter aus dem Zigeuneranhaltelager Lackenbach an.

„Es ist ihm gelungen auch Frauen samt Kindern anzufordern. Eigentlich hätte er nur drei, vier Arbeiter gebraucht. Nach neuestem Stand konnte er aber insgesamt 121 Roma - Männer, Frauen und Kinder - rausholen und so vor der Deportation in ein NS-Vernichtungslager und dem sicheren Tod retten. Dieses entschlossene Handeln war Vorbild für zwei andere Gutsbesitzer in der näheren Umgebung, Graf Ladislaus Niczky aus Nebersdorf und Gutspächter Ernst Kautz aus Unterpullendorf genauso zu handeln“, so Karazman.

Eva Mayer-Rohonczy, Tochter von von György Gedeon Rohonczy, die die Gedenktafel gemeinsam mit Landtagsabgeordnetem Jürgen Karall, Bürgermeister Johann Heisz, Vizebürgermeister Nikolaus Dominkovits, Roma Volkshochschule-Geschäftsführer Horst Horvath und Gestalter Andreas Lehner enthüllte, zeigte sich tief berührt. „Mein Vater half, weil er es als Selbstverständlichkeit empfand. Menschlichkeit war für ihn kein Prinzip, sondern Teil seines Wesens und etwas, das man lebt, still im Augenblick. Er begegnete anderen mit Achtung, Anteilnahme und echtem Mitgefühl. Wenn mein Vater heute hier wäre, hätte er gesagt, dass es gut ist, an das Gute zu erinnern, um zu wissen, was mit Menschlichkeit erreicht werden kann. Menschlichkeit ist etwas, das in jedem von uns beginnen kann - heute - hier - in unserem Tun!“

Zitate

„Das Denkmal soll nicht nur an György Rohonczy erinnern, sondern auch an die hunderttausenden Roma, die an den Auswirkungen des Holocausts gelitten haben.“ Vizebürgermeister Nikolaus Dominkovits

„Die Platzierung dieser Tafel ist auch ein Symbolakt, der an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 1948 erinnert, wo es in Paragraph eins heißt, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren werden und in Paragraph 3, dass jeder Mensch das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit hat. Bürgermeister Johann Heisz

„Es ist ein starkes Zeichen, dass dieser Gedenkstein aus hartem Basalt just vor dem Gebäude gesetzt wird, wo der Baron arbeitete und wo sich später im zweiten Weltkrieg die Kreisleitung befand und die Deportationsbefehle ausgestellt wurden.“ Landtagsabgeordneter Jürgen Karall

„Für Benachteiligte ist es nicht immer so einfach, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Dieses Denkmal ist ein gutes, positives Zeichen und ein wichtiger Beitrag zur Weiterentiwkclung der Gesellschaft.“ VHS-Roma-Vorsitzender Herwig Wallner

„Mut Zivilcourage, Wachsamkeit und kritische Positionen sind mehr denn je gefordert. Das 'Nie wieder' darf nicht zur leeren Worthülse werden.“ Anita Dumfahrt, Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus

„György Gedeon Rohonczy bleibt uns allen als großer Freund der Roma, als großer Freund der Roma-Musik, als kinderliebend, humorvoll, umgänglich und freigiebig in Erinnerung.“ Historiker Alex Karazman