Lenzing zieht sich aus Heiligenkreuz zurück
Ende der Faserproduktion
Der Faserhersteller stellt die Produktion am Standort ein und sucht einen Käufer. Für Betriebsrat und Belegschaft ist das ein Schock, mit dem niemand rechnete. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil kündigt Unterstützung für Werk und Beschäftigte an.
Am Standort Heiligenkreuz wird die Faserproduktion eingestellt.
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Der Lenzing-Konzern trennt sich vom Standort Heiligenkreuz. Wie das Unternehmen am MontagAbend bekannt gab, soll die Faserproduktion eingestellt und das Werk verkauft werden. Rund 285 Mitarbeiter:innen sind von der Entscheidung betroffen. Für sie gilt ein bestehender Sozialplan.
Konzernchef Georg Kasperkovitz erklärte gegenüber der APA, dass Lenzing einen neuen Eigentümer für den Standort suche. Ziel sei es, das Werk in Heiligenkreuz weiterzuführen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Die Suche nach einem Käufer soll umgehend beginnen. Parallel dazu wird auch der Standort Grimsby in England aufgegeben. Beide Maßnahmen sind Teil eines weltweiten Konzernumbaus, bei dem bis Ende 2027 rund 2.000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Das Land kündigt Hilfe an
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bezeichnete die Entscheidung als schmerzhafte Weichenstellung für das Südburgenland. Gleichzeitig versicherte er, dass das Land den Standort und die Beschäftigten nicht im Stich lassen werde. Nach einem Gespräch mit Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz sei zugesichert worden, dass die Produktion jedenfalls bis zum Jahresende gesichert sei und bei Bedarf auch darüber hinaus weiterlaufen könne, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen.
Diesen Zeitraum will das Land nutzen, um gemeinsam mit dem Unternehmen an einer nachhaltigen Zukunftslösung zu arbeiten. Doskozil verweist darauf, dass zuletzt in Heiligenkreuz eine neue Produktlinie aufgebaut und auch in das Heizkraftwerk investiert wurde. Zudem habe sich das operative Ergebnis des Werkes zuletzt deutlich verbessert.
„Wir werden gemeinsam alle Kräfte mobilisieren, um den Standort zu erhalten und abzusichern“, betont hans Peter Doskozil. Gemeinsam mit Geschäftsführer Bernd Zauner und weiteren Experten soll nun nach einer Lösung gesucht werden, um den Industriestandort langfristig zu sichern.

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Für SPÖ-Landesgeschäftsführer Kevin Friedl steht fest: Das Burgenland wird die Beschäftigten und den Standort nicht im Stich lassen. „Gerade in solchen Situationen zeigt sich, auf wen Verlass ist. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat unmittelbar das Gespräch mit dem Vorstand der Lenzing AG gesucht und klare Signale eingefordert. Das ist gelebte Verantwortungspolitik und beweist einmal mehr die Lösungskompetenz unseres Landeshauptmannes in herausfordernden Zeiten“, betont Friedl.
Im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs mit dem Vorstand der Lenzing AG wurde dem Landeshauptmann zugesichert, dass die Produktion am Standort Heiligenkreuz jedenfalls bis Ende des Jahres gesichert ist. Diese Zeit soll nun genutzt werden, um gemeinsam mit dem Management vor Ort sowie weiteren Expertinnen und Experten an einer nachhaltigen Zukunftsperspektive für das Werk zu arbeiten.
„Das Werk in Heiligenkreuz verfügt über moderne Produktionsanlagen, eine gute Auslastung und rund 300 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sind starke Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft. Jetzt gilt es, alle Kräfte zu bündeln und konstruktiv an einer langfristigen Lösung zu arbeiten“, so Friedl.
Der SPÖ-Landesgeschäftsführer verweist darauf, dass das Burgenland in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich bewiesen habe, dass aktive Wirtschaftspolitik Arbeitsplätze sichern und Unternehmen stabilisieren kann. „Ob bei Sanochemia in Neufeld, Lumitech oder schon früher bei Vossen – das Land Burgenland hat in entscheidenden Momenten Verantwortung übernommen, erfolgreich interveniert und wichtige Unternehmen nachhaltig abgesichert beziehungsweise gestärkt. Genau diesen Weg werden wir auch in Heiligenkreuz weitergehen“, erklärt Friedl.
Besonders wichtig sei dabei, dass das Burgenland anders als viele andere Bundesländer über stabile Finanzen und wirksame wirtschaftspolitische Instrumente verfüge. „Gut, dass wir im Burgenland seit Jahren auf eine aktive Wirtschaftspolitik setzen und nicht auf jene hören, die stets predigen, das Land solle sich aus wirtschaftlichen Entwicklungen heraushalten. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig strategische Beteiligungen und eine starke Landesholding als Instrument zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung sein können“, betont Friedl.