30 Jahre nach dem Attentat von Oberwart

Erinnerungskultur

Die Gedenkfeier zum 30. Jahrestag des Bombenattentats von Oberwart war emotional und sorgte für Gänsehautmomente. Unter dem Motto „Niemals vergessen“ wurde auf die Bedeutung einer funktionierenden Erinnerungskultur hingewiesen. Denn eines steht fest: Die Volksgruppe der Roma befindet sich immer noch am Rand der Gesellschaft.

"Das Attentat von Oberwart hat gezeigt, dass die Volksgruppe verletzbar ist", sagt Emmerich Gärtner-Horvath, der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma.

"Das Attentat von Oberwart hat gezeigt, dass die Volksgruppe verletzbar ist", sagt Emmerich Gärtner-Horvath, der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma.

© Parlamentsdirektion, Johannes Zinner

Das rechtsextreme Attentat erschütterte in der Nacht vom 4. auf den 5. Feber 1995 nicht nur Österreich, sondern ganz Europa. Eine Rohrbombe tötete Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath. Franz Fuchs, der Täter, handelte aus rechtsextremen Motiven.

„Erinnerung ist keine Last, sondern ein Auftrag“, sagte Landesrat Leonhard Schneemann bei der offiziellen Gedenkveranstaltung. „Wir müssen uns weiterhin intensiv mit der Geschichte der Roma auseinandersetzen, denn viele wissen heute nicht mehr, wo Roma-Siedlungen waren, wie diese Menschen gelebt und gearbeitet haben. Diese Erinnerungen dürfen nicht verblassen oder ausgelöscht werden“, betonte Schneemann.

Aufklärungsarbeit von enormer Bedeutung

In den vergangenen 30 Jahren wurden bedeutende Fortschritte im Bereich der Chancengleichheit für Roma erzielt. Dennoch bedarf es weiterer Anstrengungen, um gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle Roma sicherzustellen. Denn die Mitglieder der Volksgruppe haben den Weg in die Mitte der Gesellschaft noch lange nicht gefunden. „Das Attentat von Oberwart hat gezeigt, dass wir verletzbar sind. In einer Zeit des Aufschwungs war das der größte Rückschlag. Man hat gemerkt, dass Randgruppen ein Angriffspunkt sind“, sagt Emmerich Gärtner-Horvath, der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma.

In der Zwischenkriegszeit lebten rund 12.000 Roma und Sinti auf dem Gebiet des heutigen Österreich, die Mehrzahl davon, rund 9.000, im Burgenland. Dem Rassenwahn und der Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten fielen 90 Prozent der österreichischen Romabevölkerung zum Opfer.„Die Geschichte hat es schon nach dem zweiten Weltkrieg verabsäumt, die Rollen der Opfer und Täter aufzuarbeiten“, sagt Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma. „Wiederbetätigung spielt eine große Rolle. Wie geht man damit um. Warum ist Antiziganismus immer noch da. Warum wird der Name Roma immer noch nicht akzeptiert. Warum wird der Name Zigeuner verwendet. Genau in diesen Punkten ist Aufklärungsarbeit notwendig, um zu erreichen, dass sich dieses schreckliche Bild in ein anderes Bild wandelt“, sagt Gärtner-Horvath. „Das sind unsere Projekte und die Roma Strategie 2030 spielt ebenso eine zentrale Rolle“. In dieser Strategie wurde ein Rahmen zur Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma bis 2030 vorgelegt. Der neue EU-Rahmen umfasst die Schwerpunktbereiche Bildung, Beschäftigung, Gesundheit und Wohnen sowie drei horizontale Ziele in den Bereichen Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe.

Haus der Volksgruppen ein ganz wichtiges Signal

In Oberwart nimmt das „Haus der Volksgruppen“ immer konkretere Formen an. Nach Fertigstellung Mitte 2026 soll das Haus den Burgenländisch-Ungarischen Kulturverein, den Kroatischen Kulturverein im Burgenland, das Roma Service sowie die VHS der Roma und die VHS der Ungarn beheimaten, auch das hkdc – Kroatisches Kultur- und Dokumentationszentrum wird das Gebäude nutzen. Für Emmerich Gärtner-Horvath ist das ein Meilenstein. „Dieses Haus der Volksgruppen ist für alle Volksgruppen immens wichtig, weil wir uns da präsentieren können. Als Volksgruppe, aber auch Volksgruppen übergreifend“, sagt der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma. „Wichtig ist es aber auch, die Mehrheitsbevölkerung einzubinden. Wenn der Austausch passiert, ist es eine Selbstverständlichkeit, um Vorurteile abzubauen, ohne großartig darüber zu sprechen“, sagt Gärtner-Horvath.

Die Bombe von Oberwart war eine direkte Reaktion auf die Anerkennung der Roma als Volksgruppe. Auf diesen ersten zarten Schritt vom Rand der österreichischen Gesellschaft in Richtung Mitte. Die Mitglieder der Volksgruppe der Roma werden in allen Teilen Europas immer noch diskriminiert. Auch in Österreich. Es gibt also noch viel zu tun.