Qualität hui, Preise pfui - schwierige Zeiten in der Weinbranche

Weinlese 2025

Der ungewöhnlich kühle und feuchte Jahrgang verspricht eine moderne Stilistik mit weniger Alkohol, frischer Säure und hoher Qualität – bei den Preisen spiegelt sich das leider nicht wieder. Vor allem am Rotwein-Markt herrscht Katerstimmung.

Ernte hui, Markt pfui - so fasste Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld die aktuelle Lage in der Weinbranche bei einer gemeinsamen, parteiübergreifenden Pressekonferenz mit Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich, Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager und Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep (v.l.) zusammen.

Ernte hui, Markt pfui - so fasste Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld die aktuelle Lage in der Weinbranche bei einer gemeinsamen, parteiübergreifenden Pressekonferenz mit Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich, Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager und Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep (v.l.) zusammen.

© BVZ/Wagentristl

„Ernte hui, Markt pfui“, brach Weinbaupräsident die Erwartungen an den Jahrgang 2025 in einem Einzeiler auf den Punkt. Während sich Weinliebhaber auf einen spannenden Jahrgang mit konträrer Stilistik zu den vergangenen Jahren freuen dürfen, nehmen die Sorgenfalten in der Branche zu.

Bei der mittlerweile traditionellen „Weinreise“ gaben Wein Burgenland, Weinbauverband Burgenland und Österreich sowie Landwirtschaftskammer einen Ausblick auf die heurige Weinlese. Neben Superlativen („Jahrtausend-Jahrgang“) und Lob auf die heimischen Winzer war der Tonfall aber besorgter als in vergangenen Jahren. Treffpunkt war dabei heuer im Weingut Mariel in Wulkaprodersdorf.

Vorweg: An der Qualität des Weins liegt das nicht. Das Jahr 2025 war im Weingarten geprägt von untypisch hohen Niederschlägen im gesamten Burgenland und eher niedrigen Temperaturen sowie besonders kühlen Nächsten in den Sommermonaten – speziell im August. Das führt dazu, dass die Lese heuer etwas später (also zum „normalen“ Zeitpunkt) stattfindet als zuletzt.

Qualität hui, Preise pfui - schwierige Zeiten in der Weinbranche

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Die spätere Reife führt wegen der niedrigeren Temperaturen auch zu weniger Zucker und in Folge zu weniger Alkohol, dafür dürften die Weine säurebetonter ausfallen. Vor einigen Jahren und Jahrzehnten wären das noch schlechte Nachrichten gewesen. Heute liegt man damit aber voll im Trend, „mehr ist mehr“ als Grundsatz hat in der Weinbranche schon länger ausgedient.

Warum also die Katerstimmung? Das hat mehrere Gründe und das Kopfweh verteilt sich in der Branche nicht gleichmäßig.

Großartige Rotweine als Ladenhüter

Vor allem beim Rotwein wird über schlechten Absatz geraunt, besonders im Mittelburgenland – wo üppige Rote besonders marktdominant sind. Dieser Entwicklung will man mit „low“ und „zero“, also alkoholreduzierten oder -freien Weinen, aber auch sommerlichen Rosés entgegenwirken.

Und dafür war der Jahrgang 2025 optimal. Über das Wetter wird also aktuell eher nicht gejammert – außer vielleicht wegen des vielen Regens in der Lesezeit.

Qualität hui, Preise pfui - schwierige Zeiten in der Weinbranche

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Am schlimmsten trifft die aktuelle Marktlage kleine Betriebe mit einem hohen Rotwein-Anteil. Bei Weinbauern, die ihre Trauben an große Händler verkaufen läuten gar die Alarmglocken: „Nicht einmal kostendecken“ und „auf mehrere Jahre wirtschaftlich nicht zu überleben“, formulierte es das Quartett aus den Weinbaupräsidenten Andreas Liegenfeld (Burgenland) und Johannes Schmuckenschlager (Österreich), Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep und Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich.

Für ein Kilogramm Weißweintrauben würden immerhin noch 70 bis 80 Cent bezahlt, beim Rotwein liege der Preis zwischen 30 und 40 Cent. „Viele überlegen, ob sie überhaupt weitermachen“, so Schmuckenschlager. „Sein oder nicht sein – das ist hier die Frage“, zitierte Berlakovich Shakespear.

EU-Gelder werden 2026 freigegeben

Für Ärger in der Winzerschaft sorgt auch der Umstand, dass es auf europäischer Ebene zwar umfangreiche Fördermaßnahmen für den Weinbau gebe, das Landwirtschaftsministerium diese Töpfe aber noch blockiere. Bis 2026 zumindest, dann sollen die Gelder „endlich“ im Weinbau ankommen.

Qualität hui, Preise pfui - schwierige Zeiten in der Weinbranche

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

Marketing-Anreize sollen außerdem auch weiterhin vom Österreich Wein Marketing (ÖWM) kommen. Hier arbeite man eng mit den Landesorganisationen zusammen, betonte Oschep. Ein Fokus liegt dabei auf der Zielgruppe der 20- bis 35-Jährigen im Inland. Dem internationalen Klientel will man zudem die rot-weiß-rote Banderole näherbringen, die für garantierte Qualität stehe.

Keine Zukunft ohne Marketing und Innovation

Liegenfeld warnte vor Abwehrstrategien wie Rodungen oder Verspritung, wie sie etwa in Frankreich forciert werden. „Wir müssen in aktive Maßnahmen investieren, vor allem ins Marketing“, betonte er.

Junge Betriebsführer seien die Zukunft, ihr Innovationsgeist sei gefragt. Als Positivbeispiel führte Oschep dabei die Gastgeber vom Weingut Mariel, wo zwei Generationen gemeinsam arbeiten, ins Feld. Ein Verweis auf den Weintourismus durfte natürlich nicht fehlen. Für diesen brauche es starke Winzerpersönlichkeiten: „Jeder Winzer ist ein Markenbotschafter für das Burgenland.“

Ein Sorgenkind sei dagegen die Gastronomie und deren Preiskalkulation, die den Weinkonsum drücke: „Wir brauchen faire Preise für das Achterl und mehr Präsenz bei Events“, forderten Liegenfeld und Oschep.