Psychische Hilfe für Kinder jetzt direkt in Neusiedl verfügbar
Anlaufstelle eröffnet
In Neusiedl am See wurde ein neuer Standort der Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet. Familien aus dem Bezirk müssen künftig nicht mehr nach Eisenstadt ausweichen, um Hilfe bei psychischen Belastungen zu erhalten. Der Zugang ist niederschwellig und kostenlos – finanziert wird das Angebot vom Burgenländischen Gesundheitsfonds.
Bürgermeisterin Elisabeth Böhm, Landesrat Leonhard Schneemann, Standortleiterin Hellvig Spinka und Johannes Zsifkovits, Geschäftsführer der Sozialen Dienste Burgenland (SDB)
© Birgit Böhm-Ritter
Mit dem neuen Ambulatorium für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in der Oberen Hauptstraße 24 in Neusiedl am See erweitert der Betreiber Soziale Dienste Burgenland (SDB) das bestehende Versorgungsnetz im Land. Die Ambulanz ergänzt die Standorte in Eisenstadt und Oberwart und richtet sich an Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie an Eltern, Angehörige, pädagogisches Personal und Behörden.
Entlastung für den wachsenden Bezirk
SDB-Geschäftsführer Johannes Zsifkovits begründete die Standortwahl bei der Pressekonferenz am Mittwoch so: „Der Bezirk Neusiedl ist der am schnellsten wachsende im Burgenland. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass das Ambulatorium in Eisenstadt den Bedarf nicht abdecken konnte. Der Anfahrtsweg ist einfach zu weit.“

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Für Familien im Seewinkel bedeutet das kürzere Wege und einen besseren Zugang zu therapeutischer Unterstützung. Der neue Standort wird zur Gänze vom Burgenländischen Gesundheitsfonds finanziert – im Gegensatz zu den Einrichtungen in Eisenstadt und Oberwart, die von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) mitgetragen werden.
Früher Zugang, individuelle Hilfe
Der Zugang zur Ambulanz ist niederschwellig: Es ist keine ärztliche Überweisung notwendig, die Leistungen sind kostenlos. Der Erstkontakt erfolgt telefonisch, anschließend wird ein ausführliches Erstgespräch geführt. Das multiprofessionelle Team besteht aus fünf Fachpersonen – darunter Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie Therapeutinnen und Therapeuten.

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„Die Therapie wird individuell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt – gemeinsam mit den Obsorgeberechtigten planen wir den weiteren Weg“, erklärte Standortleiterin und Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Hellvig Spinka. Sie verwies auf den hohen Bedarf an Therapieplätzen: „Es ist leider eine Tatsache, dass ein hoher Bedarf an Therapieplätzen besteht. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass je früher man beginnt, psychiatrische Erkrankungen zu therapieren, desto wirksamer kann man sie behandeln.“
Kritik an Versorgungslage und Reaktion des Landes
Erst am Montag hatte die Volkspartei Burgenland (ÖVP) die Versorgungslage für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen als „dramatisch“ bezeichnet und ein umfassendes Maßnahmenpaket gefordert.
Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) widersprach der Kritik bei der Eröffnung: „Natürlich muss man generell im Sozialbereich sagen, es gibt immer Luft nach oben. Aber generell ist das Angebot im psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich im Burgenland gut aufgebaut. Dass wir hier eine Unterversorgung haben, kann ich nicht bestätigen.“ Er verwies auf drei Ambulatorien, stationäre Einrichtungen, Krisenplätze und Kooperationen mit Kliniken in Hinterbrühl und Graz. „Natürlich gibt es aber die Forderungen des Landes, dass wir mehr Facharztstellen bekommen. Da wäre die Österreichische Gesundheitskasse gefordert.“

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Mit dem neuen Standort in Neusiedl am See sei laut SDB jedenfalls ein weiterer Schritt gesetzt worden, um jungen Menschen und ihren Familien im Burgenland rasch und professionell helfen zu können. „Davon profitieren nicht nur sie, sondern die gesamte Gesellschaft“, so Zsifkovits.
„Mit der neuen Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie wird das psychosoziale Versorgungsnetz im Burgenland weiter gestärkt – ein deutliches Signal, dass die psychische Gesundheit junger Menschen hohe Priorität hat. Ich freue mich deshalb, dass es gelungen ist, einen Standort in Neusiedl am See zu errichten“, so Bürgermeisterin LAbg. Elisabeth Böhm. Es werde hier ganz konkret in die Lebensqualität und die Zukunftschancen unserer Kinder investiert.
Gemeinsam mit den Standorten der KJPP in Oberwart und Eisenstadt sowie dem Heilpädagogischen Zentrum in Rust, dem Krisenzentrum in Mörbisch und der mobilen Angebote des Netzwerk Kind komplettiert der neue Standort in Neusiedl am See das Betreuungsangebot der SDB für Kinder und Jugendliche im Burgenland. Im Vorjahr wurden laut Zsifkovits 1921 Kinder und Jugendliche (bei 15.000 Kontakten) von 60 Fachkräften aus verschiedenen Bereichen und acht Fachärtinnen und Fachärzten behandelt.
Eine wichtige Rolle spielen für Landesrat Leonhard Schneemann die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Vernetzung mit allen involvierten Institutionen und Berufsgruppen wie z.B. Schule, Kindergarten, Kinder- und Jugendhilfe, Schulpsychologie, Kinderdörfer und externe Behandlungs- und Therapieeinrichtungen.
Aktualisiert am 26.6.2025, 14:00