Schul-Drohungen erscheinen jetzt in neuem Licht

Fälle im Burgenland

Seit Monaten sind burgenländische Schulen Ziel anonymer Gewaltdrohungen. Kaum ein Bezirk, wo es nicht zu Schulräumungen und -schließungen kam: eine Chronologie.

Das Schulzentrum in Neusiedl am See. Hier musste zuletzt immer öfter auf Homeschooling umgestellt werden.

Das Schulzentrum in Neusiedl am See. Hier musste zuletzt immer öfter auf Homeschooling umgestellt werden.

© Birgit Böhm-Ritter

Anfang Februar sorgte ein Droh-Posting auf sozialen Medien in Oberwart für Aufregung. Für 5. Februar wurde ein Amoklauf in der HBLA Oberwart angekündigt. HAK, HBLA und das Zweisprachige Gymnasium blieben vorübergehend geschlossen.

Rasch stellte sich heraus, dass sich zwei 15-Jährige einen üblen Scherz erlaubt hatten. Sie legten ein Geständnis ab und behaupteten, dass sie ihre Drohung nie wahr machen und niemanden gefährden wollten. Die Jugendlichen wurden auf freiem Fuß angezeigt.

Schul-Drohungen erscheinen jetzt in neuem Licht

© Bertie Unger

Seit März riss im Bezirk Neusiedl am See die Serie anonymer Drohungen nicht ab. Am 25. März mussten in Neusiedl am See HAK/HAS, Pannoneum, Gymnasium, Sportmittelschule und Polytechnische Schule geschlossen bleiben. Im Pannoneum war ein „sicherheitsrelevanter Hinweis“ gefunden worden.

In sozialen Netzwerken kursierte ein Foto, das eine Schmiererei zeigte, die in einer Toilette im Pannoneum angebracht worden war. Dabei sollte es, wurde spekuliert, um eine Amoklauf-Drohung handeln. Für die Schüler gab es Homeschooling. 3.000 Schülerinnen und Schüler und Dutzende Lehrpersonen waren betroffen.

Gut einen Monat später, am 29. April, ging in Neusiedl am See die nächste Gefährdungsmeldung ein. Gymnasium, Sportmittelschule und Polytechnische Schule sowie Pannoneum und Akademie der Wirtschaft stellten wieder kurzfristig auf Distance Learning um.

Am Montag, dem 26. Mai, musste dann die Berufsschule Eisenstadt evakuiert werden, nachdem eine Bombendrohung eingegangen war. Österreichweit waren an diesem Tag Dutzende Schulen von Bombendrohungen betroffen. Die Eisenstädter Schüler wurden im Allsportzentrum untergebracht, während die Polizei das Schulgebäude durchsuchte. Gefährliche Gegenstände wurden nicht entdeckt.

Matura-Prüfungen unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen

Am 3. Juni wechselte der Schulbetrieb im Schulzentrum Neusiedl am See dann zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen in den Distanzmodus: An fünf Schulen konnte wegen eines anonymen Hinweises kein Präsenzunterricht stattfinden.

Mündliche Matura- und Abschluss- sowie Externistenprüfungen wurden unter verstärkten Sicherheitsvorkerhungen durchgeführt. Exkursionen fanden statt, die Vorbereitungsstunden für die Maturanten entfielen. Die psychische Belastung der Betroffenen stieg und die Direktorin des Pannoneums bat um Hinweise, um die Verursacher der kritischen Situationen zu finden.

Am Donnerstag, dem 5. Juni, wurde schließlich bekannt, dass auch am Bildungscampus Frauenkirchen ein sicherheitsrelevanter Hinweis gefunden worden war. In Ermangelung einer konkreten Gefährdungslage entschlossen sich Bildungsdirektion und Sicherheitsbehörde jedoch, die Schüler nicht ins Homeschooling zu schicken. Der Schulbetrieb blieb unter polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen aufrecht. Betroffen waren Volksschule, Mittelschule, Polytechnische Schule und Allgemeine Sonderschule in Frauenkirchen.

Nicht betroffen von Drohungsszenarios waren bislang die Bezirke Mattersburg und Oberpullendorf. Auch ganz im Süden - in den Bezirken Güssing und Jennersdorf - blieben Schüler und Lehrkräfte verschont.

Drohungen können harte Strafen nach sich ziehen

Die Polizei verweist darauf, dass anonyme Drohungen kein Kavaliersdelikt sind. Tätern drohen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren, wenn sie „die Bevölkerung oder einen großen Personenkreis durch eine Drohung mit einem Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermögen in Furcht und Unruhe“ versetzen. Jugendliche sind in Österreich ab dem 14. Lebensjahr strafmündig.