Ballzauber ... oder Bauchfleck-Gefahr?
Fasching als Faktor
Bälle boomen bei den Jungen wieder, das besagt eine Studie – aber abseits der ganz großen Events ist es trotzdem „nicht mehr wie früher“.
Die „Gen Z“ ist an Bällen durchaus interessiert. Nicht nur die Matura ist ein willkommener Anlass zum Feiern im feinen Zwirn.
© Lexi, Jens Krauss
An die 5.000 Einladungen sind verschickt, doch die bräuchte es wahrscheinlich gar nicht, um den Ball der Wirtschaft in Eisenstadt zu füllen: Als „burgenländischer Opernball“ ist der Klassiker (heuer am 31. Jänner) immer bestens besucht. Im Saal der Wirtschaftskammer wird getanzt, sechs Bars und eine Disco beleben das ganze Haus.
Bei der Größe kein Wunder, dass die Vorbereitungen schon seit dem Sommer laufen, bis zu 30 Köpfe umfasst das Ballkomitee, das von Christian Schriefl und Hans Lackner geleitet wird. Den Opernball-Vergleich nimmt man gern, dazu wird die Bedeutung für die Wirtschaft unterstrichen, nicht nur beim Netzwerken: „Die Betten in Eisenstadt sind ausgebucht, und vor dem Ball werden die Restaurants stark besucht“, betont Schriefl im BVZ-Gespräch.
Die Boutiquen und Friseure, die Tanzschulen und Juweliere profitieren von der Ballsaison ebenfalls: Zwischen 200 und 300 Euro wird pro Person ausgegeben, zeigen die Erhebungen. Dass es in den Dörfern immer weniger klassische Bälle gibt, das muss man trotzdem akzeptieren.
Sperren die Wirtshäuser zu, müssen die Vereine in andere Gemeinden ausweichen – „und da hast du schon einmal weniger Gäste“, nennt Franz Perner von der Tourismus-Sparte der Wirtschaftskammer ein offensichtliches Problem. „Oft rechnen sich für die Vereine die Kosten nicht mehr, und die Auflagen kommen noch dazu.“
Als Gastronom weiß der Fachgruppenobmann Matthias Mirth, wovon er spricht: Er erinnert daran, dass man ja auch abseits der Saison auf Events setzen kann, etwa auf Oktoberfeste oder Tanzabende im Frühling.
Dass die Ballsaison als solche dehnbar ist, sieht man in der Oberwarter Messehalle: „Die hat bei uns schon im September begonnen“, lacht Roland Poiger. Er ist Amtsleiter in der Bezirkshauptstadt und als Geschäftsführer der Inform-Events für die (gut gebuchte) Vermietung der Halle zuständig.
13 Maturabälle finden von Herbst bis zum Faschingsende statt, zum Finale bringt der Gebäudetechnik-Ball der HTL Pinkafeld wieder 3.500 Gäste. Die Jungen tanzen also wirklich gern, wenn die Party groß genug ist. „Man darf nicht vergessen: Wir haben zusätzlich eine Disco-Halle für 600 Menschen“, sagt Poiger. Das deckt die Sehnsucht nach den Szene-Lokalen ab, die es in dem Umfang heute auch nicht mehr gibt.
Auch besondere Events wie der Garnisonsball in der Güssinger Montecuccoli-Kaserne ziehen junge Gäste an. Um Karten für den Traditionsball des Jägerbataillons 19 gibt's jedes Jahr das sprichwörtliche G'riss, mit mehreren Bands und Bars geht er übrigens am 24. Jänner über die Bühne(n).
Stichwort Jugend: Die „Generation Z“ (im Alter von 18 bis 28 Jahren) legt laut österreichweiter Umfrage des Handelsverbandes mit 41 Prozent bei den Ballbesuchen vor, die „Millenials“ und die „Generation X“ sind da schon schwerer zu bewegen. Und obwohl das Burgenland – mit Niederösterreich – beim Studien-Ranking der Ballbesuche „unter dem Durchschnitt“ liegt, zeigt eine spontane Instagram-Umfrage der BVZ (siehe Grafik links) immerhin: Es hat sich noch nicht ausgetanzt!