Ausstellung über die „Masche“ in Wien
Faschingstradition
In der Ausstellung „Alte Maschen - neu gebunden“ setzt sich Agnes Pauer mit der burgenländischen Faschingstradition der „Masche“ auseinander.
Agnes Pauer mit Michael Sykora, der Inhaber und Betreiber der Vitrina Gaga, bei der Eröffnung.
© zVg
„Ausgehend von meinem Text „Treibt die Gänse raus“ habe ich mich mit der Masche auseinandergesetzt – einem Symbol, das Mädchen objektifiziert und tief im Patriarchat verwurzelt ist“, erzählt Agnes Pauer. Mit dem Text „Treibt die Gänse raus“ gewann die gebürtige Kobersdorferin im Vorjahr den „Textfunken“-Publikumspreis des ORF Burgenland.
Die Tradition Maschen oder Schleifen schmücken, halten zusammen und markieren Zugehörigkeit. Im traditionellen Kontext burgenländischer Burschenschaften wird die Masche zum Symbol für weibliche Unberührtheit, so Pauer. Mädchen, die mit 16 Jahren in die Burschenschaft eintreten, bringen eine eigene Masche mit. Diese wird mit ihren Initialen auf der einen Seite und mit jenen des Burschen, der sie bei einer internen Sitzung ersteigert hat, auf der anderen Seite bestickt. Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern in Form von alkoholischen Getränken. Der Höchstbietende darf sie zu Faschingsveranstaltungen begleiten. Beim Maschentanz wird die Masche des Paares auf den "Burschenstock" gehängt – ein Holzgestell, an dem die Maschen des gesamten Dorfs gesammelt werden. Die Masche bleibt dort, bis eine der beiden Personen heiratet. Dann wird sie durchgeschnitten. „Diese Tradition ist tief mit Geschlechterrollen und Machtverhältnissen verwoben. Mädchen werden objektifiziert, markiert und getauscht. Burschen hinterlassen nur dann Spuren, wenn sie ein Mädchen ersteigern. Meine Maschen brechen diese Tradition auf. Sie machen sichtbar, was sonst verdrängt wird - und eröffnen Räume für Widerstand“, führt sie aus.
Die ausgestellten Maschen seien Umdeutung und Kommentar zum Symbol der Jungfräulichkeit und der Gewalt, die Objektifizierung von Mädchen und Frauen fördert. Im Durchschnitt werden in Österreich drei Frauen monatlich ermordet, im Jahr 2025 kam es Stand August zu sechs Femiziden. Die Maschen machen diese Strukturen sichtbar – und eröffnen Räume für Widerstand, ist Agnes Pauer überzeugt.
Die Ausstellung ist im September und Oktober in der Auslage „Vitrina Gaga“ in der Gebrüder-Lang-Gasse 14 in Wien zu sehen.