Die Kirche, für die ein ganzer Ortsteil kämpfte
Filialkirche Glasing
Vor 100 Jahren erfüllte sich Glasing mit einer eigenen Kirche einen großen Wunsch. Dafür brachte der Güssinger Ortsteil enorme Opfer, sammelte Geld in der gesamten Umgebung und bekam Unterstützung von ausgewanderten Glasingern in Amerika. Am 27. September wird das Jahrhundertjubiläum mit Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics gefeiert.
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Man muss 100 Jahre zurückgehen, um zu verstehen, welche Bedeutung die kleine Kirche für Glasing hat. Denn eine eigene Kirche war 1926 für einen Ort dieser Größe keine Selbstverständlichkeit. Glasing gehörte zur Pfarre Güssing, hatte aber schon lange einen eigenen Friedhof und Glocken. Was fehlte, war ein eigenes Gotteshaus.
Dass die Kirche gebaut werden konnte, war vor allem dem Einsatz der Bevölkerung zu verdanken. Die damalige „Güssinger Zeitung“ schrieb davon, dass die kleine Gemeinde ihre Kirche unter „Riesenopfern“ errichtet habe. Allein in Glasing wurden 17.000 Schilling gesammelt. Unterstützung kam aus Güssing und zahlreichen umliegenden Gemeinden und sogar von der anderen Seite des Atlantiks. Auch ausgewanderte Glasinger in Amerika beteiligten sich am Bau.
„Es ist schon sehr bezeichnend, dass man vor 100 Jahren zusammenstand und dieses großartige Gebäude bauen konnte“, sagt Güssings Bürgermeister Vinzenz Knor. „Das war alles andere als einfach und dass dann auch noch Hilfe aus Amerika kam, ist großartig. Ich wünsche mir, dass hier auch in Zukunft engagierte Menschen mitarbeiten, um in 50 Jahren das 150-jährige Jubiläum feiern zu können“, sagt Güssings Stadtchef.
Hilfe, die über den „großen Teich“ kam
Zahlreiche Südburgenländer:innen hatten ihre Heimat verlassen und sich in Amerika ein neues Leben aufgebaut. Glasing hatten sie deshalb nicht vergessen. Wie eng die Verbindung blieb, zeigte sich Jahrzehnte später noch einmal: Als 2001 das 75-jährige Bestehen gefeiert und die Kirche renoviert wurde, spendeten in Amerika lebende Glasinger erneut insgesamt 2.400 Dollar.
Die Pläne für die Kirche stammten von Baumeister Johann Neubauer aus Jennersdorf, ausgeführt wurde der Bau unter Aloys Schwarz aus Mogersdorf. Auch der Hochaltar kam aus der Region: Er wurde in der kirchlichen Kunstgewerbeanstalt von Johann Pomper in Güssing gefertigt.
Ein „Menschenmeer“ in Glasing
Am 26. September 1926 wurde das Gotteshaus dann eingeweiht. Schon am Vorabend und am frühen Morgen waren Böllerschüsse zu hören. Menschen kamen aus der gesamten Umgebung nach Glasing, aus Urbersdorf und Großmürbisch sogar in Prozessionen. Die „Güssinger Zeitung“ beschrieb die Menschenmenge auf der breiten Dorfgasse als ein „Menschenmeer“. Und für den kleinen Ort war die Kirche damit weit mehr als ein Gebäude. Sie war ein Gemeinschaftswerk, für das Menschen Geld gaben und Verantwortung übernahmen – im Dorf, in den Nachbargemeinden und Tausende Kilometer entfernt in Amerika.
Fast auf den Tag genau ein Jahrhundert nach der Einweihung wird wieder gemeinsam gefeiert. Am Sonntag, 27. September, beginnt um 10 Uhr die Festmesse mit Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics. Dabei wird auch der neue Volksaltar geweiht. Die Messe wird sogar ins Festzelt übertragen.