Schweres Thema, lockerer Auftritt: Geschichte darf unterhalten

Florian the Historian

Wie es sich ausgeht, über den Zweiten Weltkrieg zu reden und dabei entspannt mit dem Publikum zu plaudern, davon erzählt Florian Graf alias Florian the Historian am 10. Mai im Jazz Pub Wiesen in seiner Neuauflage „Losing it – Wie Hitler den Führer erfand“ … und im Gespräch mit der BVZ.

Florian the Historian in Aktion. Sein Programm „Losing it“ ist jetzt in Wiesen zu sehen.

Florian the Historian in Aktion. Sein Programm „Losing it“ ist jetzt in Wiesen zu sehen.

© Luiza Puiu, Luiza Puiu

Stand-up History nennt sich die hohe Kunst, komplexe Zusammenhänge dynamisch auf die Bühne zu bringen. Florian Graf hat’s erfunden und macht es seit bald 20 Jahren. Jetzt kehrt er dorthin zurück, wo er 2009 seinen ersten Auftritt in Österreich hatte: ins Jazz Pub nach Wiesen.

„Losing it“, heißt das Programm, mit dem er schon 2019 über den aktuellen Stand der Geschichtsschreibung zu Adolf Hitler sprach, und darüber, wie der Despot „den Führer erfand“. Zum Gedenkjahr anlässlich des Kriegsendes vor 80 Jahren kommt jetzt die Neuauflage aus Wien ins Burgenland.

Der Musikszene ist Florian Graf als leidenschaftlicher Konzertbesucher und früherer Journalist sowieso verbunden, aber wie kommt es, dass er sich selbst mit Geschichte(n) auf die Bühne stellt? Die Antwort liegt schon im englisch ausgesprochenen Namen: Florian the Historian – den gebürtigen Niederösterreicher zog es einst nach Kalifornien, und dort kam eines zum anderen.

Schweres Thema, lockerer Auftritt: Geschichte darf unterhalten

© Luiza Puiu, Luiza Puiu

Von Kalifornien über Wien zurück ins Jazz Pub ...

Als studierter Historiker arbeitete Graf in den USA nicht, wie erwartet, als Lehrer am College, sondern als Übersetzer, vorrangig im Bereich der Militärgeschichte, später auch als historischer Berater bei Filmprojekten. Die Bühne entdeckte er über befreundete Punkbands: „Und weil ich selbst kein Instrument spiele, habe ich eben angeboten, in Konzertpausen mit kurzen Auftritten zu historischen Fakten mitzumischen.“

Das selbst definierte Stand-up-Genre war geboren, bis heute sieht sich Graf als Florian the Historian in der Funktion eines „praktisch veranlagten Historikers“, der in lockerer Atmosphäre über die großen Zusammenhänge spricht. „Aber natürlich fundiert“, unterstreicht er: Fachliteratur statt Wikipedia, konkrete Geschichtsforschung statt Halbwissen und Legendenbildung.

Gerade beim Zweiten Weltkrieg sei das ein Muss: „Ich will dazu beitragen, Wissenslücken zu schließen. Deshalb hat das Publikum immer auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Im besten Fall solche Fragen, auf die man sonst nicht gekommen wäre.“

Schweres Thema, lockerer Auftritt: Geschichte darf unterhalten

© Privat

Im Fall des aktuellen Programms mit dem Titel „Losing it – Wie Hitler den Führer erfand“ beleuchtet Florian Graf den Niedergang und die (Kunst-)Figur Hitlers in all den Diskrepanzen und streng wissenschaftlich. Denn Stand-up History ist keine Comedy!

Und genau darum machte Graf nach seiner Rückkehr aus den USA als Florian the Historian weiter, mit Auftritten vom Museum bis zum Nova Rock. Mit der Neuauflage seines abendfüllenden Programms folgt am 10. Mai nun die besagte Rückkehr ins Jazz Pub. Man darf gespannt sein, und man darf sich schon Fragen überlegen. Im besten Fall solche, auf die man bis jetzt noch nicht gekommen ist.

Infos auf www.jazzpub.at und florianthehistorian.at