Ehemaliger Burgführer kehrt nach 75 Jahren zurück in die Burg

Forchtenstein

75 Jahre war Josef Heger nicht mehr innerhalb der Mauern der Burg Forchtenstein. Nun kehrte der heute in Kapellen (Steiermark) lebende ehemalige Burgführer an einen besonderen Ort seiner Jugend zurück. Mit seiner Familie und seiner Lebensgefährtin erhielt er einen exklusiven Rundgang durch die Burg, der viele Erinnerungen wieder lebendig werden ließ.

Thomas Gruber, B.Sc.  (Leitung Historische Archive), Kastellanin Maria Hauf, Dr. Florian T. Bayer (Leitung Sammlungen), Maria Putz, Josef Heger, Thomas Weisz, Enkelin Sonja Weisz, Urenkel Stefan Weisz mit Freundin Aleksandra Hahofer.

Thomas Gruber, B.Sc. (Leitung Historische Archive), Kastellanin Maria Hauf, Dr. Florian T. Bayer (Leitung Sammlungen), Maria Putz, Josef Heger, Thomas Weisz, Enkelin Sonja Weisz, Urenkel Stefan Weisz mit Freundin Aleksandra Hahofer.

© Christian Artner

Josef Heger war 1951/52, im Alter von gerade einmal 14 Jahren, für knapp ein Jahr als Burgführer und Portier auf der Burg Forchtenstein tätig. Er wuchs in Forchtenau auf und besuchte die Schule in Neustift an der Rosalia. Der damalige Burgverwalter, so erinnert sich der heute 89-jährige Josef Heger, fragte ihn, ob er Führungen übernehmen wolle. Nachdem er zunächst einige Male mit den erfahrenen Kollegen unterwegs gewesen war, geleitete Heger schon bald eigenständig Besucher durch die historischen Räumlichkeiten. Seine Aufgaben gingen dabei weit über Rundgänge mit Besuchern hinaus, erzählt Enkelin Sonja Weisz: „Wenn der Sturm das Dach abgedeckt hat, so hat Opa es mit Biberschwanzziegeln wieder eingedeckt.“ Auch die Glocke der Burg läutete er.

Nach seiner Tätigkeit auf der Burg sollten allerdings viele Jahrzehnte vergehen, ehe Josef Heger an jenen Ort zurückkehrte, der einen kleinen, aber umso prägenderen Teil seiner Jugend ausmachte. Vor rund zwei Jahren fuhr er zwar mit dem Motorrad zur Burg, blieb dabei aber im Außenbereich stehen, erzählt Josef Heger. Ein Rundgang durch das Innere lag zu diesem Zeitpunkt fast 75 Jahre zurück.

Der Wunsch, noch einmal in die Burg zurückzukehren, entstand aus einem persönlichen Anlass, berichtet Enkelin Sonja Weisz: „Meine Oma ist vor zwei Jahren verstorben. Später lernte Opa Maria Putz kennen. Er wollte ihr und unserer Familie ein Stück aus seiner Jugend zeigen und einige Erinnerungen, die ihm wichtig waren, mit uns teilen.“ Sonja Weisz wandte sich daraufhin an Maria Hauf, die Kastellanin der Burg, und fragte, ob es möglich sei, einen speziellen Tag für ihren Großvater zu gestalten. „Frau Hauf hat mir sofort geantwortet, dass sie dies gerne für uns organisieren will.“

Am Samstag führte der Weg Josef Heger gemeinsam mit Maria Putz, seiner Enkelin Sonja samt Ehegatten Thomas sowie seinem Urenkel Stefan mit Freundin Aleksandra also zurück auf die Burg. Am Eingang wurden sie von Kastellanin Hauf, Thomas Gruber, B.Sc. (Leitung Historische Archive) und Dr. Florian T. Bayer (Leitung Sammlungen) der Esterhazy Betriebe empfangen: „Herr Heger, wir dürfen Sie herzlich auf der Burg Forchtenstein begrüßen. Wir haben eine Überraschung für Sie“, wurde ihm mitgeteilt. „Opa war erstmal sprachlos – und das kommt nicht oft vor“, sagt Enkelin Sonja schmunzelnd. Für den ehemaligen Burgführer wurde der folgende Rundgang zu einer Reise in seine Jugendtage.

Obwohl 75 Jahre vergangen waren, zeigte sich schnell, wie lebendig die Erinnerungen an seine Zeit auf der Burg Forchtenstein noch waren. Einiges hat sich verändert, doch vieles kam Josef Heger sofort wieder vertraut vor. Dazu gehörten etwa das Krokodil an der Decke – das „Schoßhündchen der Burg“, wie Heger scherzte – oder der Brunnen, bei dem schon früher durch das Spannen von Zeitungen ein Echo hervorgerufen wurde und dessen genaue Tiefe er noch im Gedächtnis hatte.

Auch mehrere Ausstellungsstücke erkannte er auf Anhieb wieder. Dazu zählten unter anderem einige Bilder, das Türkenzelt sowie diverse historische Waffen – „dort sind noch meine Fingerabdrücke drauf“, lautete sein Kommentar.

Eine große Überraschung war der Gang in die Schatzkammer. Lange Zeit war diese ein gut gehütetes Geheimnis. Erst 2005 wurde sie eröffnet. Josef Heger reagierte mit jenem trockenen Humor, der einen Burgführer auszeichnet: „Wenn ich gewusst hätte, dass es hier einen Schatz gibt, hätte ich danach gesucht.“

Für ihn und seine Familie war der Tag ein ganz besonderes Erlebnis: „Es hat jegliche Vorstellung und Erwartung um ein Vielfaches übertroffen“, sagt Sonja Weisz. Besonders schön sei es gewesen, die Erinnerungen ihres Großvaters nicht nur aus Erzählungen, sondern unmittelbar an jenem Ort zu erleben, an dem sie einst entstanden waren.

Für die Vertreter der Esterhazy Betriebe sind Begegnungen wie jene mit Josef Heger ebenfalls nicht alltäglich: „Es ist bemerkenswert, auf einen hochbetagten Menschen zu stoßen, der vor 75 Jahren als Burgführer, heute würde man Kulturvermittler sagen, gearbeitet hat. Der Rundgang hat spannende Aspekte seiner Erinnerungen an damals im Spiegel der heute präsentierten Ausstellungsbereiche zum Vorschein gebracht“, sagt Dr. Florian T. Bayer.

Auch Thomas Gruber, B.Sc. (Leitung Historische Archive) empfand das Treffen als eine persönliche Bereicherung: „Es war ein sehr interessanter Besuch, bei dem wir vieles über Begebenheiten auf Burg Forchtenstein vor 75 Jahren erfahren durften. Die detaillierte Erinnerung von Herrn Heger ist bemerkens- und bewundernswert.“

Kastellanin Maria Hauf ergänzt: „Für mich war dieser Besuch weit mehr als ein Blick in die Geschichte der Burg. Die Erzählungen von Herrn Heger haben nicht nur lebendige Einblicke in die Vergangenheit der Burg gegeben, sondern auch gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen den Generationen ist.“