Werner Gruber geht „in Freundschaft“ - und bleibt im Hintergrund
Forschungskoordinator-Aus
Es war ein Job von zehn Wochenstunden - aber die Aufmerksamkeit war groß: Nach knapp drei Jahren als Forschungskoordinator hört der allseits bekannte Physiker Werner Gruber auf. „Ich werde dem Burgenland aber weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen“, lässt Gruber im BVZ-Gespräch anklingen. Immerhin geht es um neue Strukturen in der Forschung.
Spektakulär war 2021 die Präsentation als Forschungskoordinator. Jetzt nimmt Physiker Werner Gruber Abschied aus dem Landhaus.
© Wolfgang Millendorfer
Gerüchte um einen möglichen Abschied hat es, wie berichtet, schon im Herbst des Vorjahres gegeben. Damals hatte Leonhard Schneemann als zuständiger Landesrat erwähnt, dass die Forschung neue Wege beschreiten und die Bilanz durchaus kritisch beleuchtet werde. Jetzt gab das Büro des Landesrates bekannt, dass das Vertrag mit Forschungskoordinator Werner Gruber „in beiderseitigem Einvernehmen“ gelöst wurde.
Da müsse man aber gar nichts hineininterpretieren, meint der Star-Physiker gegenüber der BVZ: „Mein Job war die Bestandsaufnahme in der Forschung, dieser Job ist abgeschlossen. Jetzt geht es darum, im Bereich der Strukturen etwas zu ändern; und das geht sich für mich nicht aus, deshalb muss jemand anderes übernehmen.“
Uni statt Full-Time-Job
Gespräche über einen Full-Time-Job mit 40 Wochenstunden und allem Drum und Dran habe es gegeben, doch Gruber hat dazu „schlicht und einfach nicht die Zeit“ und will sich auf seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Informatik-Fakultät der Uni Wien konzentrieren. Mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Landesrat Schneemann habe er aber „bestes Einvernehmen“, betont Gruber gegenüber der BVZ. Deshalb will er dem Burgenland in beratender Funktion treu bleiben.

© Wolfgang Millendorfer
Im Mai 2021 hatte Doskozil den Physiker unter großem medialen Aufsehen ins Land geholt. Von Anfang an sei klar gewesen, dass Gruber als Forschungskoordinator in beratender Funktion zur Verfügung stehe und nicht selbst Forschung betreibe, so hieß es in einer vorjährigen Landtags-Diskussion, als die Opposition den Posten hinterfragte. Mit einer Forschungsquote von 0,9 Prozent (im Vergleich zu österreichweiten 3,3 Prozent) ist das Thema mitunter nämlich auch ein Politikum.
Gruber selbst zog im BVZ-Gespräch schon damals eine eigene, zufriedene Bilanz: Was die Netzwerkarbeit angeht, habe sich viel getan; mit den „Science Village Talks“ in Kooperation mit der Volkshochschule habe man Wissenschaft in die Gemeinden gebracht. Und schon damals sei einiges im Hintegrund passiert, etwa im Landes-Auftrag für die Dickdarmkrebs-Vorsorge: „Das ist sehr konkret, und es hilft den Menschen.“
Kritischer äußert sich da die FPÖ, die besagte Forschungsquote in Relation zu Grubers Tätigkeit stellt: Eine echte Offensive sei ausgeblieben, meint Landesgeschäftsführer Rudolf Smolej, jetzt brauche es konkrete Schritte. „Außer Spesen nichts gewesen“, kommentiert ÖVP-Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas den Abgang. Fazekas vermisst „das groß angekündigte Scheinwerferprojekt“.
Die konkreten Schritte und Ansätze soll es aber noch geben, wenn man dem Plan des Landes folgt: Eine Bilanz über die Forschung im Burgenland liegt vonseiten Werner Grubers auch schriftlich vor. Sie liegt aber noch im Büro von Landesrat Schneemann und wird erst präsentiert. Das soll in Kürze erfolgen, und dann will Schneemann auch bekanntgeben, wie es mit den Strukturen in der Forschung weitergeht, und ob es einen neuen Koordinator geben wird.