Hausierer nahm Pensionistin 100 Euro weg
Freispruch vor Gericht
Zuerst wollte der 31-jährige Ungar einer 78-jährigen Frau ein Messerset schenken, dann verlangte er Geld für ein Geschirrset. Weil er sich 100 Euro einfach aus ihrer Geldbörse nahm und sie rempelte, musste der Mann vor Gericht.
Der Angeklagte (rechts) und sein Anwalt Michael Dohr freuten sich über den Freispruch.
© BVZ/Kirchmeir
Am Landesgericht Eisenstadt erklärte der vollbärtige Angeklagte am Montag, 8. September 2025, wortreich, dass er am 29. Juli dieses Jahres die Frau in ihrem Haus im Bezirk Oberpullendorf aufgesucht und ihr ein „17-teiliges Geschirrset und ein Messerset“ gegeben habe.
„Was ist das wert?“, fragte die Richterin. „50, 60 Euro“, antwortete der Angeklagte.
Die Frau wollte ihm zuerst 2.500 Forint geben, dann nahm sich der Ungar einfach 100 Euro aus ihrer Geldbörse. Eigentlich habe er 200 Euro kassieren wollen. Als die Frau protestierte, gab er ihr 20 Euro zurück und bot ihr ein weiteres Messerset als Geschenk an, „damit es freundschaftlich zwischen uns bleibt“, wie er vor Gericht erklärte.
„Ich war im Garten, er fragte, ob mein Mann zuhause ist“, schilderte die 78-jährige Frau den Vorfall. „Ich sagte, er kommt später.“ Der Fremde habe ihr ein Messerset gegeben und gesagt, dieses sei ein Geschenk für ihren Mann.
Ungar kam mit Schachtel ins Haus
Dann sei sie ins Haus gegangen. „Er ist zum Auto und sagte, er hat noch etwas für mich“, schilderte sie den weiteren Verlauf. Der Hausierer habe ihr eine Schachtel mit Töpfen angeboten. „Er sagte, es ist schwer, er trägt es hinein“, so die Frau.
Obwohl der Hausierer die Waren als „Geschenke“ bezeichnet hatte, habe er sich 100 Euro aus ihrer Geldbörse genommen, so die Frau. „Ich wollte die 100 Euro zurück, die er in der Gesäßtasche eingesteckt hatte.“ Als sie ihm ans Gesäß griff, rempelte der kräftige Mann sie weg und verließ das Haus.
„Ich habe schnell zugesperrt und die Polizei angerufen. Ich wollte mein Geld zurück und dass er die Sachen mitnimmt“, so die Pensionistin.
Pensionistin bekam die 100 Euro wieder zurück
Da der Hausierer technische Probleme mit seinem Auto hatte, war er noch immer da, als die Polizei mit Blaulicht eintraf. „Er gab mir den 100 Euroschein, ich gab ihn der Frau zurück“, so einer der Polizisten, die damals vor Ort waren. Im Gegenzug nahm der Ungar die Waren wieder mit.
Die Frau habe Tränen in den Augen gehabt, der Hausierer konnte nicht erklären, warum er der Hausbewohnerin etwas hatte schenken wollen. „Wir verstanden das nicht, es war nicht logisch“, sagte der Polizist als Zeuge vor Gericht.
Angeklagter: „Ich entschuldige mich vor Gott bei Ihnen“
„Ich bin ein gläubiger Mensch und mache so etwas nicht. Ich entschuldige mich vor Gott bei Ihnen“, sagte der Angeklagte zunächst zur Richterin und entschuldigte sich später auch bei der Pensionistin. Mit überkreuzten Händen vor der Brust verneigte er sich und sagte in gebrochenem Deutsch: „Bitte tausendmal Entschuldigung.“
Die Richterin sprach den Ungarn vom Vorwurf des räuberischen Diebstahls frei. „Ich kann keinen Bereicherungsvorsatz erkennen, weil ich nicht weiß, was die Sachen wert sein sollen“, so die Richterin. Dass es sich um Geschenke handeln könnte, das habe wohl nicht einmal die Pensionistin annehmen können.
Richterin ermahnte den Angeklagten
Dann ermahnte sie eindringlich den Angeklagten: „Wenn Sie Geschäfte machen, betreten Sie die Wohnung nicht. Sie bleiben draußen stehen!“
„Okay“, versprach der Angeklagte.
„Sie sagen nicht, es ist ein Geschenk, wenn Sie etwas dafür haben wollen“, setzte die Richterin fort.
„Das habe ich verstanden“, sagte der Angeklagte und bedankte sich beim „lieben Gott“ und beim Gericht.