Patrick Farkas drückt Norwegen und Ex-Kollegen Haaland die Daumen
FUSSBALL-WM
Patrick Farkas kennt einen der größten Stars dieser WM besser als die meisten Österreicher. Der Burgenländer spielte ein Jahr mit Erling Haaland bei Salzburg zusammen. Warum ihn der Norweger schon damals beeindruckte, weshalb er Norwegen zutraut, die Viertelfinal-Hürde England zu nehmen, und warum er nach seinem Karriereende als Mentalcoach eine neue Erfüllung gefunden hat, erzählt Farkas im BVZ-Gespräch.
Vor sieben Jahren jubelten Patrick Farkas und Erling Haaland noch gemeinsam in Österreich.
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Für Patrick Farkas ist diese WM auch eine Reise durch die eigene Fußball-Vergangenheit. Natürlich verfolgt der Burgenländer die Auftritte von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ganz genau. „Es ist wohl ihr letztes Großereignis. Das sind Spieler, die mich über meine gesamte Karriere begleitet haben.“
Noch genauer blickt Farkas aber auf die Spiele Norwegens. Denn dort stürmt mit Erling Haaland jener Spieler, mit dem er 2019 bei Red Bull Salzburg ein Jahr lang gemeinsam in der Kabine saß.
Ein besonderes Spiel des Norwegers fand ausgerechnet auf burgenländischem Boden statt. Im ÖFB-Cup gewann Salzburg beim ersten Pflichtspiel der Saison 2019/20 in Parndorf mit 7:1. Haaland erzielte drei Tore, Farkas traf doppelt. Schon damals war für den heutigen Mentalcoach klar, dass der Norweger kein gewöhnlicher Fußballer ist. „Das habe ich relativ früh gemerkt. Ich habe in der Kraftkammer meinen Rumpf trainiert. Da ist Erling gekommen und hat gefragt, ob er mitmachen kann. Das hat mich natürlich gefreut.“
Noch mehr beeindruckte ihn allerdings der nächste Morgen. „Ich bin wieder früh in die Kraftkammer gekommen. Erling war schon dort und hat trainiert. Man spricht immer von diesen ein, zwei oder drei Extra-Prozenten, die man herausholen kann. Genau das hat er gemacht.“
Für Farkas war Haalands Erfolg nie Zufall. Vielmehr seien es sein Talent und unzählige Kleinigkeiten gewesen, die den Unterschied ausmachten. „Ich war bei ihm in der Wohnung. Da hatte er schon seine Blaulichtfilter-Brille auf und in seinem Schlafzimmer gab es kein einziges elektronisches Gerät.“ Auch auf dem Trainingsplatz habe der Norweger nichts dem Zufall überlassen. „Einmal hat er einen Stanglpass nicht ideal getroffen und deshalb kein Tor gemacht. Beim nächsten Training hat er den Co-Trainer gebeten, ihm 50 solcher Pässe zu spielen. Er hat dann 50 Tore gemacht.“
Besonders in Erinnerung geblieben ist Farkas aber eine Szene aus einem Bundesligaspiel in Hartberg. „Er macht in der 92. Minute das 5:0, schnappt sich sofort den Ball und sprintet zur Mittellinie, weil er noch ein Tor machen wollte. Der Hartberg-Tormann René Swete hat ihn nur angeschaut und gefragt, ob er verrückt ist.“
Fußballverrückt sei Haaland tatsächlich. „Er hat sich aber auch das Kindliche bewahrt, verfolgt seinen Traum konsequent und ist dabei immer sympathisch geblieben.“
Deshalb drückt Farkas im WM-Viertelfinale gegen England (Samstag, 23 Uhr) seinem ehemaligen Teamkollegen die Daumen. Das Achtelfinale gegen Brasilien verfolgte er gemeinsam mit seinem Vater – und dort bewahrheitete sich einmal mehr, warum er Haaland niemals abschreibt. „Beim Stand von 0:0 nach der Pause hat mein Vater irgendwann gesagt: ,Von Haaland sieht man heute nicht viel.‘ Ich habe nur geantwortet: ,Der braucht einen einzigen Moment, dann trifft er.‘“ Genau so kam es. Haaland erzielte nicht nur den Führungstreffer, sondern schnürte sogar noch einen Doppelpack und führte Norwegen ins Viertelfinale.
Nach dem Schlusspfiff durfte natürlich auch der inzwischen legendäre Jubel der Norweger nicht fehlen, als sich die Spieler gemeinsam ins imaginäre Ruderboot setzten. „Ich habe daheim gleich mitgerudert und mitgejubelt. Wenn sie gegen England gewinnen, werde ich wieder rudern.“ Dass Norwegen auch gegen England überraschen kann, davon ist Farkas überzeugt. „In einem Spiel ist immer alles möglich. Ich traue Norwegen das Weiterkommen absolut zu.“
Auf einen Ergebnistipp will er sich ebenfalls festlegen. „Ich sage 2:2 nach der regulären Spielzeit – mit mindestens einem Tor von Harry Kane und Erling Haaland. Danach ist alles drin. Wenn Norwegen das auf den Platz bringt, was sie zuletzt gezeigt haben, dann traue ich ihnen alles zu.“
Auch die WM selbst verfolgt Farkas mit großem Interesse – nicht jede Entwicklung gefällt ihm allerdings. Vor allem Diskussionen rund um Schiedsrichterentscheidungen und zurückgenommene Platzverweise sieht er kritisch. „Da frage ich mich schon, wo das bei den Entscheidungsträgern noch hinführt. Die Spieler können dafür nichts.“
Den Fokus richtet er lieber auf die positiven Geschichten des Turniers. „Ich bin generell ein Mensch, der sich auf das Positive konzentriert. Da nehme ich lieber Momente mit, wie sie Kap Verde erlebt hat. Das kann so viel auslösen – vor allem bei jungen Menschen, die dadurch vielleicht mit Sport beginnen. Eine WM kann für ein ganzes Land unglaublich viel bewirken. Das geht im Fußball.“
Vor wenigen Wochen hat Patrick Farkas seine aktive Laufbahn beendet - bei seinem Heimatverein Oberdorf. Der Abschied fiel ihm alles andere als leicht. „Meine Identität als Fußballer abzulegen, war ein richtig schwerer Prozess. Ich habe Fußball immer geliebt. Nach meinem letzten Spiel sind Tränen geflossen. Das war ein Kampf mit mir selbst.“
Heute blickt der Burgenländer dennoch voller Zufriedenheit auf seine Entscheidung zurück. „Ich fühle mich befreit und genieße jeden Moment. Ich hätte mit halber Kraft sicher weiterspielen können, aber das bin ich nicht. Ich möchte den Menschen auch zeigen, dass man einen anderen Weg einschlagen kann.“ Diesen Weg hat Farkas inzwischen gefunden. Nach seiner Ausbildung in der Lebens- und Sozialberatung arbeitet er heute als Mentalcoach. „Das macht mir unglaublich viel Spaß. Menschen zu helfen, erfüllt mich und macht mich auch stolz.“
Stolz macht Farkas auch die Freundschaft zu seinen ehemaligen Teamkollegen, die mittlerweile Superstars sind. Vor wenigen Tagen postete der 33-Jährige ein gemeinsames Foto mit Erling Haaland und Dominik Szoboszlai aus gemeinsamen Salzburger Tagen auf Instagram. Beide Weltstars reagierten darauf. „Das sind wunderbare Gesten. Solche Verbindungen schafft eben nur der Fußball. Erling hat unsere gemeinsame Zeit nie vergessen.“ Und genau das schätzt Patrick Farkas am ehemaligen Teamkollegen bis heute am meisten und meint abschließend: „Da sind wir uns sehr ähnlich.“