Thomas Trukesitz: Der Mann hinter dem Teamchef
Fußball-WM
Thomas Trukesitz ist als Pressesprecher des Nationalteams bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Einsatz. Der Eisenstädter ist aber auch persönlicher Kommunikationsberater von Ralf Rangnick. In dieser Funktion rückt er dem ÖFB-Teamchef als einer der engsten Vertrauten nicht von der Seite.
ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick auf dem Beobachtungsposten mit seinem persönlichen Schatten in Form von Pressesprecher Thomas Trukesitz.
© GEPA pictures/Armin Rauthner, GEPA pictures/ Armin Rauthner
Fachlich gibt es zwischen dem Fußballdenker der Nation und seinem Trainerstab klarerweise den engsten und größten Austausch, wenn die Köpfe in sportlich/taktisch/inhaltlicher Hinsicht rauchen. Für das große Sammelbecken des täglichen Austauschs ist beim ÖFB aber eine Person die klare Nummer eins: Thomas Trukesitz. „Die Kommunikation betrifft alle Themen. Deshalb ist die Komplexität der Zusammenarbeit bei uns am größten.“
Der Sportchef von Canal+ Österreich wurde im März 2023 engagiert, um im Zuge der Länderspieltermine und Lehrgänge Rangnick als persönlicher Pressesprecher den Rücken freizuhalten. Es folgte ein Upgrade zum Pressesprecher des Nationalteams und die gemeinsame EURO in Deutschland als Abschluss. Danach konzentrierte sich der Burgenländer wieder planmäßig auf sein berufliches Kerngebiet. Pünktlich zur WM-Qualifikation kam dann aber wieder die Anfrage für eine Rückkehr auf jene Position, die der 53-Jährige auch davor bekleidet hatte.
Vom Champions League-Finale zum ÖFB-Nationalteam
Somit sieht und hört man den Eisenstädter auf Canal+ beispielsweise, wenn die Champions League-Spiele übertragen werden. Hier ist Trukesitz der Journalist, der dem Publikum den Fußball von außen näherbringt. Beim ÖFB-Team tauscht er hingegen seine Rolle und ist tatsächlich mittendrin im Geschehen. Bei jeder Besprechung in der Kabine, bei jedem noch so kleinsten kommunizierten internen Detail ist der Burgenländer im Kreis des Vertrauens dabei. „Es gibt ja auch Stimmen, die behaupten, dass die beiden Funktionen nicht kompatibel miteinander sind. Für mich ist das sehr wohl machbar und miteinander vereinbar. Vor allem Canal+ und der ÖFB haben kein Problem damit, ganz im Gegenteil.“
Noch vor kurzem kommentierte Trukesitz das Champions League-Finale zwischen PSG und Arsenal in Budapest. Nun ist er wieder aktiver Teil des ÖFB-Nationalteams. „Beide Tätigkeiten sind extrem spannend und aufregend. Aber das hier im Zuge der Weltmeisterschaft ist für mich schon einzigartig. Es kribbelt schon gewaltig.“
2006 war der damals 33-jährige Jungspund für „Premiere“ als TV-Mann bei der WM in Deutschland dabei, um Interviews zu führen. „Das war schon interessant, wenn du da mit Menschen wie Marco van Basten und Co. zu tun hast.“
Das hier, 20 Jahre danach, ist aber eine völlig neue Nummer. Thomas Trukesitz ist als persönlicher Kommunikationsberater des Teamchefs in einer ganz speziellen Rolle im Einsatz. Hier geht es nicht um den Journalisten, der den Teamchef trifft und dann die gefilterte Wahrheit für die Öffentlichkeit weiterverwertet.
Es ist eine viel persönlichere berufliche Ebene mit Substanz. „Wir pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander, das sehr offen und ehrlich ist.“ Wie das eben bei einem persönlichen Berater im Hintergrund und der Person, die in der Öffentlichkeit steht, optimalerweise der Fall ist: „Rangnick ist ein unglaublich spannender, wertschätzender und vor allem sehr empathischer Mensch. Diese Empathie ist auch ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg bei der Nationalmannschaft. Es wird auf Augenhöhe agiert.“
Ralf Rangnick ist ein unglaublich spannender, wertschätzender und vor allem sehr empathischer Mensch. Thomas Trukesitz, persönlicher Kommunikationsberater des Teamchefs
Parallel dirigiert Trukesitz, der ehrenamtlich auch Obmann des Sportpools Burgenland ist, das zehnköpfige Medienteam. Es gilt, die Pressekonferenzen vor Ort zu moderieren, die verschiedensten Plattformen des ÖFB inhaltlich zu bespielen, die FIFA-(TV-)Kollegen zu betreuen und sämtliche Anfragen zu bearbeiten – sprich zu entscheiden, wer wann wo wem Interviews geben soll oder muss.
Hier kommt alles beim burgenländischen Medienprofi zusammen. „Es gibt natürlich verpflichtende Interviews, die auch die Vorgabe der FIFA sind. Durch die WM haben sich aber vor allem bei den Medien-Anfragen neue Dimensionen ergeben. 95 Prozent aller Anfragen müssen wir leider ablehnen.“ Dabei geht es nicht um den fehlenden Willen. „Fakt ist: 80 Exklusivinterviews mit dem Teamchef sind leider nicht möglich.“

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Ralf Rangnick elektrisiert hier als Macher der so attraktiv-offensiven Spielidee des österreichischen Teams. Klar will hier jedes Medium einige spezielle Teamchef-Sager zum Ausspielen verfügbar haben. Auch bei öffentlichen Terminen ist der 67-jährige Fußballguru aus Deutschland ein gefragter Mann. „Er ist hier sehr offen, was Selfies und Autogramme betrifft. Trotzdem müssen wir ihn schützen und aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Um alle Interview-Wünsche erfüllen zu können, müsste sein Tag 48 Stunden dauern.“
Denn Rangnick und das ÖFB-Nationalteam stehen zwar in Zeiten wie diesen gewaltigst in der breiten Öffentlichkeit, der zu erfüllende Job bei der WM erfordert aber gleichzeitig hundertprozentige Konzentration. Hier die Balance zu finden, ist die große Kunst. Vor dem Abflug in die USA gab es in Österreich noch zahlreiche Termine. Trainings, Marketingaktivitäten, Besuche und Termine im ÖFB-Campus, Fanpflege. „Ich habe es dann schon herbeigesehnt, dass wir endlich fliegen.“
Startschuss gegen Jordanien: Man darf auch Fan sein
Schließlich beginnt mit der aktuell laufenden Vorbereitung im WM-Basiscamp von Santa Barbara, Kalifornien, der eigentliche Showdown. Am kommenden Mittwochfrüh (6 Uhr MEZ) steht in Santa Clara der WM-Auftakt gegen Jordanien auf dem Programm, ehe mit den Spielen gegen Argentinien (22.6., 19 Uhr, Arlington) und Algerien (28.6., 4 Uhr, Kansas City) die Gruppe J aus rot-weiß-roter Sicht fortgesetzt wird. Mit welcher Erwartung geht Österreichs Pressechef hier in das Turnier? „In dieser Funktion gebe ich keinen Kommentar ab. Als Fan sehe ich aber nur immer das nächste Spiel und will gar keine Prognose abgeben. Ich finde es immer interessant, wenn über das mögliche vierte Spiel gesprochen wird. So weit zu denken, finde ich verkehrt.“ Nachsatz: „Auch wenn es natürlich eine Papierform gibt.“
Die würde besagen, dass David Alaba und Co. als potenzielle Gruppenzweite hinter Favorit Argentinien in der K.o.-Phase dann auf Spanien treffen könnten. Hätte Hätte Fahrradkette.
Apropos: Ob es nach der WM eine ÖFB-Fortsetzung für Thomas Trukesitz gibt, hängt auch von der Zukunft des Teamchefs ab. „Was das betrifft, lebe ich im Hier und Jetzt.“ Fix ist lediglich, dass nach dem WM-Abenteuer ein Paris-Familienurlaub folgen wird. Und es dann mit den Champions League-Vorbereitungen von Canal+ für die neue Saison weitergeht. So gesehen sind die Aussichten nicht die schlechtesten.