Streit um Stadtgrün: Kritik an Pflege von Beeten in Neusiedl
Gartengestaltung
Die Pflege öffentlicher Grünflächen sorgt in Neusiedl am See für politische Diskussionen. Die Grünen werfen der Stadtgemeinde vor, klimaangepasste Pflanzflächen zu vernachlässigen und damit jahrelanges ehrenamtliches Engagement zu gefährden. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm weist die Vorwürfe zurück.
Zwei Meinungen: Die Grünen Neusiedl am See kritisieren die Pflege der Grünanlagen in Neusiedl am See (Bild links), die Stadtgemeinde (Bild rechts) und Bürgermeisterin Elisabeth Böhm widerspricht der Kritik, der mangelnden Pflege.
© Grüne Neusiedl am See/Stadtgemeinde Neusiedl am See
Öffentliche Grünflächen gelten als Visitenkarte einer Stadt. Sie prägen Straßenzüge, Plätze und Parks und beeinflussen das Image eines Ortsbilds oft stärker als einzelne Gebäude. Entsprechend intensiv werden in Neusiedl am See Entscheidungen rund um Gartengestaltung und Grünraumpflege in der Bevölkerung verfolgt und sorgen immer wieder für Gesprächsstoff.
Auslöser der aktuellen Diskussion ist Kritik der Grünen Neusiedl am See an der Entwicklung sogenannter „New Pannonian Style“-Beete. Dabei handelt es sich um eine Form der klimaangepassten Gartengestaltung, die der Neusiedler Gartenexperte Wolf Stockinger gemeinsam mit dem Landschaftsökologen Thomas Amersberger entwickelt hat. Heimische Pflanzen werden dabei mit Arten aus benachbarten Regionen wie dem Balkan oder dem Mittelmeerraum kombiniert. Ergänzt werden sie durch besonders blühfreudige Pflanzen, die mit den klimatischen Bedingungen im pannonischen Raum gut zurechtkommen. Ziel ist eine Bepflanzung, die Hitze, Trockenheit, Wind sowie kalk- und sandhaltige Böden gut verträgt.
Nach Angaben der Grünen entstanden seit 2015 rund 80 solcher Beete. Etwa 85 Prozent der Flächen seien ehrenamtlich und mit privaten Mitteln durch einen lokalen Verein gestaltet worden. Die Grünen sprechen von mangelhafter Pflege durch die Stadtgemeinde und führen an, dass mittlerweile rund die Hälfte der Beete nachteilig verändert, verwahrlost oder verloren gegangen sei. Als Ursache nennen sie neben fehlender Wertschätzung für die Anlagen auch mangelndes fachliches Know-how in den zuständigen Stellen der Stadtgemeinde. Ihre Kritik untermauern Neusiedls Grüne mit folgenden Bildern:
Kritisiert werden unter anderem das unsachgemäße Abfräsen von Trockenrasenflächen, Beschädigung von Jungbäumen sowie frühe Mäharbeiten auf Blumenwiesen und Säumen. Die Grünen sehen darin Hinweise auf eine aus ihrer Sicht nicht fachgerechte Pflege der ökologisch wertvollen Flächen. Zudem verweisen sie auf einen hohen finanziellen Wert der Pflanzungen und auf zahlreiche ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden.
Der Grüne Gemeinderat Rainer Fussenegger formuliert seine Kritik deutlich: „Es ist ein absoluter Skandal, dass hier ein Geschenk an die Stadt und an die Umwelt derart leichtfertig vernichtet wird. Wer heutzutage die Wichtigkeit des Klimaschutzes betont, aber gleichzeitig das mühsam entwickelte Stadtgrün durch unzureichende Kompetenz zugrunde richtet, agiert in höchstem Maße unglaubwürdig."
In einer weiteren Stellungnahme fordert Fussenegger Konsequenzen von der Stadtgemeinde und dem Bauhof: „Wir können es nicht länger hinnehmen, dass Steuergelder und privates Engagement in dieser Form verschwendet werden. Die Bürgermeisterin und die Leitung des Bauhofs müssen jetzt Verantwortung übernehmen und eine fachgerechte Pflege garantieren, bevor noch mehr wertvolle Bäume und Beete verloren gehen.“ Gleichzeitig signalisiert er Gesprächsbereitschaft. Die Grünen seien bereit, gemeinsam mit der Stadtgemeinde an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.
Die Stadtgemeinde widerspricht der Darstellung der Grünen. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm betont, dass Neusiedl am See in den vergangenen Jahren zahlreiche öffentliche Grünflächen und Beete neu gestaltet habe. Dabei setze die Stadt bewusst auf hitzeresistente, trockenheitsverträgliche und klimaangepasste Bepflanzungen. Diese Maßnahmen seien Teil einer langfristigen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel und zur Aufwertung des öffentlichen Raums.
Die Bürgermeisterin stellt klar: „Die Behauptung, Beete würden durch mangelnde Pflege zerstört, weisen ich entschieden zurück.“ Auf die Bitte der BVZ, um ein Statement zur Grünen-Kritik, konterte die Stadtgemeinde mit Fotos ihrer Meinung nach gelungener Beete:
Damit reagiert sie auch auf den Vorwurf fehlender Fachkenntnisse: Die Mitarbeiter des Bauhofs seien speziell für die Pflege der Anlagen geschult und würden sich laufend weiterbilden. Die Beete seien im Frühjahr gereinigt worden und würden kontinuierlich gepflegt. „Kein Beet wurde zerstört“, hält Böhm fest.
Zugleich verweist sie darauf, dass sich Pflanzflächen im Laufe der Jahre naturgemäß verändern. Einzelne Pflanzen würden ausfallen, andere sich stärker entwickeln als ursprünglich erwartet. Dies ist ein natürlicher Prozess, der laufende Anpassungen und Pflegemaßnahmen erforderlich mache. Daraus könne nicht auf eine Vernachlässigung der Grünflächen geschlossen werden.
Während die Grünen von einem ökologischen und finanziellen Schaden sprechen und ein Umdenken in Gemeindeverwaltung und Bauhof fordern, sieht die Stadtgemeinde ihre Klimaanpassungsmaßnahmen auf Kurs. Nach Angaben der Bürgermeisterin arbeitet die Gemeinde bereits mit Fachleuten zusammen.
Für konstruktive Vorschläge zeigt sich die Stadt offen. Die Bürgermeisterin sieht die Voraussetzung dafür in einer sachlichen Auseinandersetzung: „Ziel muss jedoch eine faktenbasierte Diskussion sein, die die geleistete Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter respektiert und anerkennt.“
Damit stehen sich derzeit zwei unterschiedliche Bewertungen derselben Entwicklung gegenüber. Die Grünen sehen wertvolle klimaangepasste Pflanzflächen und ehrenamtliches Engagement gefährdet. Die Stadtgemeinde verweist hingegen auf laufende Pflege, geschulte Mitarbeiter und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Grünanlagen.