Lackenbach gedachte der Opfer des „Zigeuner-Anhaltelagers“
Gedenkfeier
Am Freitag fand in Lackenbach eine Gedenkfeier zur würdevollen Erinnerung an die während des Nationalsozialismus ermordeten Roma und Romnja, Sinti und Sintizze statt.
Unter den Gästen befanden sich Landtagsabgeordneter Patrik Fazekas, Bezirkshauptmann von Oberpullendorf Klaus Trummer, Referatsleiterin der Romapastoral Manuela Horvath, Leiter der historischen Abteilung im Innenministerium Stephan Mlczoch, Landespolizeidirektor-Stellvertreter Generalmajor Werner Fasching, Vorständin des Nationalfonds Hanna Lessing, Bundeskanzler a. D. Franz Vranitzky, Bürgermeister Christian Weninger und Schriftsteller Michael Köhlmeier.
© Nadine Wiedemann
Laut Hanna Lessing, Vorständin des Nationalfonds der Republik Österreich, wurden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in einer einzigen Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 über 4.000 Roma, Romnja, Sinti und Sintizze qualvoll ermordet. Insgesamt fielen etwa 500.000 Angehörige dieser Volksgruppe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum Opfer. Bedauerlicherweise sei das schreckliche Verbrechen lange verdrängt und kaum anerkannt worden.
Allerdings bedeutet Verantwortung sich nicht nur der Vergangenheit zu stellen, sondern auch Konsequenzen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Aufgrund dessen wurde in Österreich am 1. Juli 2022 die Abteilung für historische Angelegenheiten im Innenministerium geschaffen. Außerdem erkannte der Nationalrat den 2. August im Jahr 2023 offiziell als nationalen Gedenktag an.
Doch auch die Gemeinde Lackenbach ergreift kontinuierlich Maßnahmen, um das Schweigen über die schrecklichen Taten im „Zigeuner-Anhaltelager“ Lackenbach zu brechen.
Dieses Vernichtungslager wurde im November 1940 nicht von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) oder der Schutzstaffel (SS), sondern von der österreichischen Kriminalpolizei errichtet. Es war ein Ort der Zwangsarbeit, Misshandlung und Deportation. In dem völlig überfüllten Lager starben mindestens 237 Menschen an Unterernährung, Gewalt oder Fleckfieber. Tausende wurden von dort aus in die Konzentrationslager Lodz und Auschwitz deportiert, viele kehrten nie wieder zurück.
Stephan Mlczoch, Leiter der Abteilung für historische Angelegenheiten im Innenministerium, begleitete nicht nur durch die Veranstaltung, sondern erinnerte auch im Namen des Staates an das Leid der Opfer und sprach sich gegen Ausgrenzung, gegen Rassismus sowie gegen das Wiederholen aus. Darüber hinaus reichtete der Nationalrat 1995 einen Nationalfonds für alle Opfergruppen ein.
In seiner Rede wies Andreas Kranebitter, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, darauf hin, dass die Verbrechen am Ende des Krieges erstmals von allen Seiten totgeschwiegen wurden. Zugleich kamen Täter mit milden Urteilen davon. Daraufhin setzte die systematische Diskriminierung sich in der Zweiten Republik fort, da die Opfer von Lackenbach jahrzehntelang nicht als solche anerkannt worden seien.
Erst 1988 wurde das Lager amtlich anderen Zwangslagern gleichgestellt. Zuvor hatten Überlebende wie Theresia und Lorenz Hodor in Briefen an Behörden geschrieben:
„Zu schwersten Arbeiten wurden wir verwendet. Die Verpflegung bestand aus Wassersuppe und faulen Kartoffeln. […] Täglich wurden wir von der SS-Wache verprügelt und auf jede Art und Weise geschunden und dressiert. Man ließ uns in Schmutz und Läusen verkommen, mehr Schläge als zu essen. […] Und heute, 1954, verweigert man uns Lackenbachern die Anerkennung. Wir haben keinen Anspruch auf Amtsbescheinigung.“ Theresia und Lorenz Hodor
Ebenso bewegend waren das Gebet und die Ansprache von Manuela Horvath, Referatsleiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt. Als Enkelin zweier Holocaust-Überlebender sprach sie nicht nur über die Angst, Entwurzelung und Gewalt damals. Denn selbst heute, 80 Jahre nach Kriegsende, sieht sich ihre Volksgruppe weiterhin mit Hass, Diskriminierung und Rassismus konfrontiert.

© Nadine Wiedemann
Im Dienste der Solidarität begleitete ein Vertreter der Polizeimusik Burgenland das Gedenken sowie die feierliche Kranzniederlegung am Denkmal in der Feldgasse musikalisch. Abschließend wurden Kerzen an den Gräbern entzündet, als stilles, persönliches Zeichen des Gedenkens mit lauter Botschaft.