Tigermücke und andere „geflügelte Einwanderer“ im Fokus

Gelsen-Monitoring

In seiner Funktion als Naturschutzorgan betreut Oberpullendorfs Vizebürgermeister Nikolaus Dominkovits eine von rund 60 Eiergelegefallen in ganz Österreich. Man will erfassen, wie weit sich gebietsfremde Gelsenarten bereits in Österreich ausgebreitet haben.

Einmal pro Woche muss Nikolaus Dominkovits die sogenannten Ovitraps, die Eiergelegefallen, die er an fünf Standorten aufgestellt hat, kontrollieren.

Einmal pro Woche muss Nikolaus Dominkovits die sogenannten Ovitraps, die Eiergelegefallen, die er an fünf Standorten aufgestellt hat, kontrollieren.

© Michaela Grabner

In der hinteren Ecke des Gartens von Vizebürgermeister Nikolaus Dominkovits steht ein kleines schwarzes, auf den ersten Blick völlig unscheinbares Plastik-Kübelchen. Auf den ersten Blick erinnert es an einen leeren Pflanzentopf, aber am Rand des mit Wasser gefüllten Kübelchens ist mit einer Klammer ein Holzstäbchen befestigt. Denn bei dem Kübelchen handelt es sich um eine sogenannte Ovitraps, eine Falle, die zum Monitoring gebietsfremder Gelsenarten in Österreich eingesetzt wird. Die Ovitraps bzw. Eigelegefallen stellen künstliche Brutplätze dar und sollen Weibchen gebietsfremder Gelsenarten dazu anregen, in diese ihre Eier abzulegen.

In seiner Funktion als Naturschutzorgan beteiligt sich Nikolaus Dominkovits an diesem österreichweiten Projekt der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Dazu hat er fünf solcher Fallen an fünf verschiedenen möglichst schattigen und feuchten Stellen in Oberpullendorf aufgestellt, deren Koordinaten er auf fünf Nachkommastellen genau dokumentieren musste.

Die AGES möchte im Auftrag des Gesundheitsministeriums mithilfe dieser Ovitraps österreichweit erfassen, wie weit sich gebietsfremden Gelsenarten bereits in Österreich ausgebreitet haben - eine der bekanntesten ist die asiatische Tigermücke. Laut AGES ist diese möglicher Überträger von über 20 verschiedenen Krankheitserregern. Viele davon, wie Dengue, Zika oder Chikungunya, können von den heimischen Stechmückenarten nicht übertragen werden.

Tigermücken werden fünf bis zehn Millimeter groß und sind an ihrem schwarz-weiß gestreiften Hinterleib, den schwarz-weiß gestreiften Beinen sowie an dem weißen Streifen am Rückenschild erkennbar. Als sogenannte „Container-Brüter“ bevorzugen sie laut AGES zur Eiablage sehr kleine Wasserstellen - das können Gefäße aller Art sein, in denen sich Wasser sammelt, wie Regentonnen, Vogeltränken, Gießkannen, verstopfte Dachrinnen, Pflanzenuntersetzer etc. Besonders attraktiv sind auch im Freien gelagerte Autoreifen mit angesammeltem Regenwasser. Die Eier der Tigermücke sind zwar nicht frostresistent - bei längeren Tagen mit Minustemperaturen sterben sie ab - aber sehr robust und können auch monatelang überdauern, bevor sie schlüpfen.

Um das Vorkommen und die Verbreitung der Tigermücke und anderer potenzieller invasiver Gelsenarten in Österreich zu überwachen, führt die AGES in Kooperation mit den Ländern, Universitäten und Vereinen im Auftrag des Gesundheitsministeriums Gelsenmonitorings in ganz Österreich durch. Einmal wöchentlich muss Nikolaus Dominkovits die fünf Ovitraps in Oberpullendorf kontrollieren, die Stäbchen entnehmen und in einem Plastikbeutel verstauen, den er danach zur Post bringt und verschickt. Die Kübelchen müssen bei diesen Kontrollen entleert, gereinigt und danach wieder mit Wasser befüllt und ein neues Holzstäbchen befestigt werden.

Für das Monitoring wurden österreichweit an zirka 60 Standorten Ovitraps („Eigelegefallen“) aufgestellt, die seit Mai und noch bis Oktober wöchentlich auf Eigelege containerbrütender Gelsenarten - dazu gehören laut Experten alle in Österreich eingeschleppten Gelsenarten - untersucht werden. Da man damit nicht das gesamte Bundesgebiet abdecken kann, setzt man parallel dazu auf ein Citizen Science Projekt. Die kostenfeie App „Mosquito Alert“ liefert ein Werkzeug, mit dem einfach mögliche Tigermücken gemeldet werden können. Die eingesendeten Fotos werden von nationalen und internationalen Expert:innen begutachtet und die Funde auf einer öffentlich zugänglichen Karte angezeigt.

Erkenntnisse aus den Monitorings

2012 wurde die erste Asiatische Tigermücke in Österreich entdeckt. Damals war es noch ein einzelnes Exemplar, und in den darauffolgenden Jahren wurden nur vereinzelt Tigermücken nachgewiesen.

2022 wurde die Tigermücke erstmals in allen Bundesländern in Österreich gefunden. Etablierte Populationen, die den Winter überstehen können, bestehen aber bisher nur in Teilen von Wien, Graz und Linz. .

Quelle: AGES