Neusiedl plant Schulcampus: Widerstand von Anrainerin angekündigt

Gemeinderatssitzung

Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Neusiedl am See hat vergangenen Donnerstag einstimmig eine Kooperationsvereinbarung mit der Projektentwicklung Burgenland GmbH beschlossen.

Bürgermeisterin Elisabeth Böhm und Amtsleiterin Judith Siber-Reiner mit der Direktorin der Volksschule am Tabor Kordula Csukke

Bürgermeisterin Elisabeth Böhm und Amtsleiterin Judith Siber-Reiner mit der Direktorin der Volksschule am Tabor Kordula Csukke

© Stadtgemeinde Neusiedl am See

Ziel ist die Entwicklung eines Konzepts für einen neuen Schul- und Sportcampus. Ein konkreter Schulbau ist damit jedoch noch nicht beschlossen. Vielmehr handelt es sich um einen ersten Schritt, um eine fundierte Planungsgrundlage für das Projekt zu schaffen.

Zuvor wurde der Kooperationsvertrag fast eine Stunde lang diskutiert. Im Mittelpunkt der Debatte stand die Standortfrage, die die Fraktionen besonders beschäftigte. Dabei herrschte bei SPÖ, ÖVP, Grünen und FPÖ Einigkeit darüber, dass ein Neubau der Volksschule unumgänglich ist.

Mehrere Standorte geprüft

Die fünf möglichen Standorte wurden bereits 2019 im Rahmen des Stadtentwicklungsplans 2030+ (STEP 2030+) von den Gemeinderäten festgelegt und anschließend vom Büro A I R Kommunal- und Regionalplanung GmbH geprüft. Als am besten geeignet wurde ein Standort im Nahbereich des Zentralparkplatzes ermittelt. Eine Umsetzung scheiterte jedoch, da keine Einigung mit den Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern erzielt werden konnte, wie Bürgermeisterin Elisabeth Böhm und Amtsleiterin Judith Siber-Reiner in der Gemeinderatssitzung erklärten. Ein Gemeindegrundstück beim Kindergarten Storchennest wurde als zu klein bewertet, ein weiteres Grundstück wurde zwischenzeitlich verkauft und wird bereits bebaut.

Im weiteren Verlauf erwies sich für die Stadtgemeinde das städtische Sportzentrum als am besten geeignet. Insgesamt umfasst die Fläche rund 35.000 Quadratmeter, ist im Eigentum der Stadt und liegt in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Schulzentrum sowie den umliegenden Sportanlagen. 10.000 Quadratmeter könnten dort noch bebaut werden. Die Erweiterung zu einem Bildungscampus soll zahlreiche neue Möglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler der Volksschule schaffen. Synergien mit dem Fußballverein SC Neusiedl am See wurden angesprochen. Die Konzeptentwicklung für den Schulneubau soll auch eine Generalsanierung für das Sportzentrum beinhalten.

Schulgebäude ist in die Jahre gekommen

ÖVP und Grüne sind von dem Standort nicht vollends überzeugt. Die beiden Fraktionen stimmten dem Kooperationsvertrag mit der PEB nur unter Vorbehalten zu: Man einigte sich vorab ein Verkehrskonzept für den Stadtteil zu erstellen und ein Baurecht an die PEB nur zu vergeben, wenn es eine rechtliche Lösung mit dem Pächter, dem SC Neusiedl am See, gibt. Der Grünen Gemeinderat Rainer Fussenegger forderte zudem ein schriftliches Gutachten, über die Eignung oder Nichteignung des Grundstücks der bestehenden Volksschule für einen Neubau.

Ein wesentlicher Grund für die Planungen ist der Zustand der bestehenden Volksschule am Tabor. Das Gebäude wurde 1966 eröffnet und bietet derzeit Platz für rund 270 Schülerinnen und Schüler. Die Schule entspricht nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemäße Bildungseinrichtung. Die Hanglage und die begrenzten Platzressourcen des Standorts machen laut Stadtgemeinde eine Erweiterung vor Ort unmöglich.

Hotel Wende legt sich gegen geplanten Standort quer

Eine direkte Anrainerin des Sport- und Schulzentrums sieht allerdings den Betrieb ihres Hotels durch einen weiteren Schulbau gefährdet. Martina Wende äußerte gegenüber der BVZ massive Bedenken und will sich gegen die Umsetzung wehren. Sie erklärte, erst nach der Gemeinderatssitzung von den Plänen erfahren zu haben. „Ich empfinde es als Affront, nicht zuvor informiert worden zu sein“, sagt sie verärgert. Ihrer Ansicht nach würde ein Schulbau den Wert ihres Hotels erheblich mindern. Bereits jetzt habe das Hotel, eingebettet in das bestehende Schulzentrum, immer wieder mit Beschwerden der Gäste über Lärmbelästigung zu kämpfen. Diese Kritik spiegle sich auch in Google-Bewertungen wider, so die Hotelchefin. Sie kündigte an, auch rechtliche Schritte gegen das Projekt zu prüfen. Wende sieht die Tourismusbranche in Neusiedl am See insgesamt vernachlässigt.

Bürgermeisterin Elisabeth Böhm betonte, dass der einstimmige Gemeinderatsbeschluss lediglich den Auftrag zur Entwicklung eines Projekts umfasst. „Es ist jetzt an der Zeit den Neubau einer modernen Volksschule zu realisieren. Die detaillierte Standortprüfung hat ergeben, dass eine Erweiterung des bestehenden Schulzentrums eine wichtige Lösung für Neusiedl am See ist“, so Böhm. Sie freue sich, dass der Gemeinderat die Bedeutung des Vorhabens erkannt und einstimmig beschlossen habe.