Pinkafeld: SOS-Kinderdorf bekommt eine neue Adresse

Gemnderats-Beschluss

Gegen den österreichischen Landesverband des SOS-Kinderdorfs werden derzeit schwere Vorwürfe erhoben – darunter Fälle von Missbrauch und Gewalt in verschiedenen Einrichtungen über Jahrzehnte hinweg. In Pinkafeld hat man darauf reagiert: Die nach dem nun posthum beschuldigten Gründer Hermann Gmeiner benannte Adresse soll umgewidmet werden. Ein Artikel von Eva Maria Kamper.

Marek Zeliska hat die Umbenennung des Straßennamens im Gemeinderat beantragt.

Marek Zeliska hat die Umbenennung des Straßennamens im Gemeinderat beantragt.

© SOS Kinderdorf

Fassungslos ist man über die Vorwürfe und Entwicklungen, die über das SOS-Kinderdorf in den vergangenen Woche zu Tage getreten sind. Marek Zeliska, der Leiter des Standortes in Pinkafeld kommt momentan auch nicht daran vorbei, sich mit dieser schandhaften Thematik auseinandersetzen. „Man kann die Vergangenheit nicht beeinflussen und wichtig ist die Gegenwart“, sagt er allerdings sehr reflektiert und hat unmittelbar die Umbenennung des Straßennamens zu „Kinderrechteweg“ im Gemeinderat beantragt.

Namensänderung als Botschaft

„Vor Missständen ist keine Institution gefeit“, sagt Zeliska und betont, dass in seiner Amtszeit in den letzten zehn Jahren keine Vorfälle bekannt sind. Die Umbenennung in „Kinderrechteweg“ ist eine bewusste Message, die das SOS-Kinderdorf im Jahr 2025 ankommen lässt und sich von dem 1986 verstorbenen und posthum beschuldigten Gründer Hermann Gemeiner distanziert.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Pinkafeld war man sich rasch einig, dass die Umbenennung vollzogen wird. Die Frage, wer die anfallenden Kosten der weiteren fünf Anrainer auf der anderen Straßenseite des SOS-Kinderdorfs übernehmen wird, soll allerdings noch diskutiert werden, da nötige Änderungen der gesamten Dokumente kostspielig sein können.

Fakten zu den Missbrauchs-Vorwürfen

Hermann Gmeiner, dem Gründer von SOS-Kinderdorf, wird vorgeworfen, zwischen den 1950er und 1980er Jahren mehrere Jungen in österreichischen Kinderdörfern misshandelt und sexuell missbraucht zu haben. Berichten zufolge soll die Organisation Missbrauchsfälle jahrzehntelang vertuscht haben, um den Ruf und Spenden nicht zu gefährden. Die Vorwürfe erstrecken sich über verschiedene Standorte in Österreich und auch international, etwa in Nepal, wo ein Großspender Kinder missbraucht haben soll, was auch bekannt gewesen sein soll.

Vorläufige Suspendierung ausgesprochen

Die Vorwürfe weiten sich stetig aus, wobei immer mehr Betroffene aus verschiedenen Standorten (wie Altmünster, Nußdorf-Debant, Seekirchen) von physischer und psychischer Gewalt sowie sexuellem Missbrauch berichten. Als Reaktion auf die Enthüllungen wurde der langjährige Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf Österreich, Christian Moser, dienstfrei gestellt. Die internationale Dachorganisation hat den österreichischen Ableger vorläufig suspendiert.