Geschwister übernehmen Weingut Lassl in Sigleß
Generationenwechsel
Beim Weingut Lassl in Sigleß hat ein Generationenwechsel stattgefunden: Stefan Lassl und Elisabeth Strahlhofer führen den Familienbetrieb nun gemeinsam weiter. Mit neuen Ideen, einem modernen Konzept und viel Leidenschaft wollen die Geschwister den Betrieb fit für die Zukunft machen. „Wir wollen nicht nur Wein verkaufen, sondern den Gästen ein Erlebnis bieten“, sagt Stefan Lassl im Gespräch mit der BVZ.
Stefan Lassl und Elisabeth Strahlhofer führen das Weingut Lassl in Sigleß künftig gemeinsam weiter.
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Dass die beiden einmal in den Familienbetrieb einsteigen würden, sei grundsätzlich schon früh absehbar gewesen. Stefan Lassl absolvierte die Weinbauschule in Klosterneuburg, Elisabeth Strahlhofer besuchte das Pannoneum in Neusiedl. Direkt nach der Ausbildung zog es beide aber zunächst weg aus dem Burgenland. Elisabeth arbeitete mehrere Jahre als Steuerberaterin bei verschiedenen Firmen, während Stefan verschiedene Praktika absolvierte und internationale Erfahrungen im Weinbau sammelte. Sein Weg führte ihn unter anderem nach Neuseeland und Übersee. Außerdem arbeitete er in der Rebenzüchtung in Klosterneuburg. „Wir haben beide einige Zeit in Wien gelebt und uns auch andere Dinge angesehen“, erzählt Lassl. Irgendwann sei aber klar geworden, dass die Heimat doch mehr Lebensqualität biete. „Die große Stadt ist schön und gut, aber daheim ist es doch schöner.“
Seit 2016 arbeiteten die Geschwister immer stärker im Familienbetrieb mit. Stefan Lassl beschäftigt sich seither intensiv mit dem Management der Weingärten. Gemeinsam entwickelten sie auch die Idee für den heutigen Genussheurigen. „Uns war klar, dass wir den Betrieb erweitern müssen, damit wir beide davon leben können“, erzählt Stefan offen. Deshalb entschied man sich dazu, ein ehemaliges Gasthaus umzubauen und ein zusätzliches Standbein aufzubauen. Heute öffnet der Genussheuriger fünfmal im Jahr jeweils von Mittwoch bis Samstag seine Türen. Die nächsten Termine sind von 8. bis 11. Juli sowie von 15. bis 18. Juli. Für Stefan Lassl und Elisabeth Strahlhofer war der Genussheurige ein wichtiger Schritt, um den Familienbetrieb langfristig gemeinsam weiterführen zu können. Unterstützt wurden sie dabei stets von ihren Eltern. „So ist eine zukunftsfähige Lösung entstanden, damit wir den Betrieb gemeinsam übernehmen können.“
Auch künftig wolle man den Betrieb weiterentwickeln. Geplant seien unter anderem sogenannte „Tiny Houses“, also kleine Übernachtungshäuser für Gäste direkt beim Heurigen. „Wir glauben, dass man sich als kleines Weingut breiter aufstellen muss“, erklärt Lassl. Ziel sei es, die Marke „Lassl“ weiter auszubauen und den Betrieb stärker in Richtung Tourismus zu entwickeln.
Die Aufgaben innerhalb des Betriebs seien mittlerweile klar aufgeteilt. Elisabeth Strahlhofer kümmere sich vor allem um Finanzen, Büro, Ab Hof Verkauf und den Heurigenbetrieb. Stefan Lassl ist hauptsächlich für die Weingärten, den Weinkeller und den Heurigen verantwortlich. Unterstützt werden die beiden weiterhin von Vater Herbert Lassl, der trotz Pension regelmäßig mithilft. „Für ihn ist wichtig, dass er jetzt auch seine Hobbys unter der Woche genießen kann“, erzählt sein Sohn lachend.
Die aktuelle Situation in der Weinwirtschaft sieht Stefan Lassl durchaus herausfordernd. „Der Konsum geht zurück, aber wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt er. Wichtig sei es, kreativ zu bleiben und neue Wege zu gehen. Ein Beispiel dafür ist das geplante Winzerclubbing „Vinokolo x Tanzfreunde“ am 3. Juli. Gemeinsam mit elf Jungwinzern aus dem Burgenland soll bei der Weinwirtschaft Lassl ein lockeres Event mit Weinverkostung und DJs stattfinden. „Wir wollen wieder junge Leute für Wein begeistern.“
Den Trend zum alkoholfreien Wein wolle man hingegen bewusst nicht mitgehen. „Das ist für uns ein No Go“, sagt Lassl offen. Stattdessen setze man lieber auf Produkte wie Verjus aus noch grünen Trauben. „Wir machen uns das ganze Jahr die Arbeit, ein Naturprodukt herzustellen. Da wollen wir nicht danach wieder mit viel Energie den Alkohol herausziehen.“