Selbst Chefin sein als Ausweg?

Gerechtes Einkommen

Knapp jedes zweite neue burgenländische Unternehmen wurde im Vorjahr von einer Frau gegründet. Eine Flucht aus der Entgeltdiskriminierung? Auf diese wird nun wieder mit dem Equal Pay Day hingewiesen. Die Wirtschaftskammer macht Gründerinnen und Gründern indessen verschiedenste Service-Angebote.

Bea Ulreich, Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Burgenland, begrüßt die positive Entwicklung bei den Gründungen.

Bea Ulreich, Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Burgenland, begrüßt die positive Entwicklung bei den Gründungen.

© WK Burgenland

1.528 Personen gründeten im Vorjahr im Land ein neues Unternehmen. Mit 49,1 Prozent Frauenanteil bei den Neugründungen liegt das Burgenland dabei österreichweit auf Platz zwei und deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 46 Prozent.

In der Sparte „Gewerbe und Handwerk“ hatten die Frauen bei den Gründungen im Vorjahr die Nase vorn, die Sparten „Transport und Verkehr“ und „Information und Consulting“ waren von Männern dominiert.

Zugleich alarmiert die beim Bundeskanzleramt angesiedelte Gleichbehandlungsanwaltschaft mit den neuesten Zahlen zum Gender-Pay-Gap im Burgenland. Der diesjährige Equal Pay Day fällt im Burgenland auf den 15. Februar. „Das beduetet, dass Frauen im Burgenland heuer im Durchschnitt die ersten 46 Tage gratis arbeiten – das entspricht etwa jedem achten Jahr ihres Berufslebens“, heißt es aus der Gleichbehandlungsanwaltschaft.

Bundesweit findet der Equal Pay Day übrigens am 13. Februar statt. Das Burgenland liegt im Bundesländer-Ranking hinter Wien (16. Jänner) und Niederösterreich (12. Februar) auf Platz drei.

„Der eigene Chef sein“

Da kann es durchaus sein, dass Frauen, die sich ungerecht entlohnt fühlen, in die Selbstständigkeit wechseln. Hauptgrund für eine Firmengründung ist – egal ob bei Männern oder Frauen – für 71 Prozent der Gründerinnen und Gründer die flexible Zeit- und Lebensgestaltung. 69,1 Prozent wollen „ihr eigener Chef“ sein; 62,8 Prozent wollen jene Verantwortung, die sie als Angestellte haben, lieber in ihr eigenes Unternehmen einbringen.

Mit einem Wert von 5,1 Neugründungen je 1.000 Einwohner lag das Burgenland im Vorjahr vor den anderen Bundesländern sowie deutlich über dem Bundesschnitt (4,5 Neugründungen je 1.000 Einwohner). Regional gesehen gab es im Bezirk Neusiedl am See die meisten Neugründungen (326), gefolgt von den Bezirken Eisenstadt-Umgebung (315) und Oberwart (263).

Erfreut über die Zahlen zeigte sich Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Wirth: „Die Burgenländerinnen und Burgenländer beweisen weiterhin Mut, ihre Ideen umzusetzen und schaffen damit Wertschöpfung wie auch Arbeitsplätze für die heimische Wirtschaft. Für mich ein starkes Signal für ein Comeback von Leistungsbereitschaft“, so Wirth.

Auf das Gründerservice, eigene Online-Tools und die „Gründungswoche“ im März verweisen in diesem Zusammenhang Bea Ulreich von der Jungen Wirtschaft und Wirtschaftskammer-Direktor Harald Schermann. Am 21. März findet im Burgenland erstmals ein „Gründungstag“ in der Wirtschaftskammer in Eisenstadt statt (9 bis 14 Uhr). Neben einem Workshop zum Thema „1x1 der Unternehmensgründung“ gibt es an Infoständen wertvolle Tipps aus erster Hand.

Selbst Chefin sein als Ausweg?

© WK Burgenland

Einen Aspekt beleuchtet Bea Ulreich noch abschließend: „Um den bemerkenswerten Gründermut im Burgenland aufrechtzuerhalten, sind jedoch geeignete Rahmenbedingungen erforderlich, wie steuerliche Entlastungen und die Reduzierung bürokratischer Hürden.“