„Eine der schönsten Aufgaben, die ich mir nur vorstellen kann“

Gernot Gasser im Talk

Landespolizeidirektor Martin Huber und Landesmilitärkommandant Gernot Gasser sind heuer zehn Jahre im Amt und fast auf den Tag genau gleich alt: Huber feierte am 19. Jänner, Gasser am 21. Jänner seinen 60. Geburtstag. Der Parndorfer Gernot Gasser berichtet im BVZ-Interview unter andem über Änderungen beim Bundesheer oder wie er die weltpolitische Lage beurteilt.

Einer der zahlreichen Gratulanten an Gernot Gasser (l.) war Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner.

Einer der zahlreichen Gratulanten an Gernot Gasser (l.) war Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner.

© Stadtgemeinde Eisenstadt

BVZ: Wie haben Sie ihren 60. Geburtstag gefeiert?

Gernot Gasser: Ich bin kein großer Partytiger. Ich habe meine Mitarbeiter eingeladen, und wir haben etwas gefeiert. Privat gab es ein schönes Abendessen mit der Familie.

Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben?

Gasser: Eigentlich müsste man das „Zielpublikum“ befragen. Ich denke, mit den Worten kooperativ und kommunikativ liege ich richtig. Und wenn wir schon bei den ,K's' sind, dann kommt konsequent noch dazu.

Stand schon früh fest, dass Sie den Weg einer Militärlaufbahn einschlagen würden.

Gasser: Nach der Matura gab es drei Alternativen – Politiker, Jurist, Offizier. Die Option des Politikers ist dann schnell der Realität gewichen. Der Beruf des Juristen war nicht möglich, weil ich das Studium nicht fortsetzen konnte. Im letzten Jahr an der Militärakademie habe ich begonnen, parallel Jus zu studieren. Nach der Militärakademie war ursprünglich geplant, dass ich nach St. Pölten komme; das wäre machbar gewesen. Mein Dienstort war dann jedoch Horn – damit hatte sich das Studium erledigt.

Wie beurteilen Sie die aktuelle weltpolitische Lage? Es gibt nun den Ukraine‑Krieg, und einen Donald Trump, der von der EU nicht viel hält.

Gasser: Wir leben in einer Zeit, in der die Stärke des Rechts dem Recht des Stärkeren gewichen ist. Konfrontation hat Kooperation ersetzt. In Wirklichkeit haben wir zwei negative Zeitwenden erlebt: Die eine war der Angriff Russlands auf die Ukraine, die zweite die Übernahme des Präsidentenamts durch Trump. Das eine hat gezeigt, dass der Krieg nach Europa zurückgekehrt ist und wir uns einer zunehmenden Gefahr aus dem Osten gegenübersehen. Das andere hat gezeigt, dass Freunde und Partner vergangener Zeiten es nicht mehr sind. Europa sieht sich gezwungen, seine Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. Trump ist nichts heilig; er wollte sich sogar Grönland, ein zu Dänemark – einem NATO‑Staat – gehörendes Gebiet, einverleiben.

Was sagen Sie einem Jugendlichen, was das Schöne am Beruf beim Bundesheer ist?

Gasser:Es ist ein großartiger Beruf – vermutlich einer der vielfältigsten. Zum einen ist es Ehre und Privileg, seiner Heimat zu dienen. Zum anderen ist es eine wunderschöne Aufgabe, Menschen auf Einsatzsituationen vorzubereiten und einer Einsatzorganisation anzugehören, die für die Sicherheit Österreichs verantwortlich ist.

Wagen wir einen Ausblick auf das heurige Jahr. Welche Änderungen wird es im Bereich der Infrastruktur oder der Organisation beim burgenländischen Bundesheer geben?

Gasser:Das Österreichische Bundesheer stellt sich auf die neue geopolitische Situation ein und konzentriert sich auf die militärische Landesverteidigung. Es gibt einen großen Plan, der sich „Aufbauplan ÖBH 2032+“ nennt. Danach wird das Bundesheer in infrastruktureller, materieller und personeller Hinsicht modernisiert. Das Bundesheer im Burgenland ist Teil dieses Prozesses. Es laufenBeschaffungen, neue Gerätschaften kommen; der Schutz der Soldaten steht im Vordergrund. Natürlich wird es auch neue Fahrzeuge, neue Bewaffnung und dergleichen geben. Im Jägerbataillon 19 in Güssing sieht man diese Entwicklung sehr gut. Wir sagen immer: Wir rüsten nicht auf, wir rüsten nach, weil wir einen großen Nachholbedarf haben. In Eisenstadt wird die bisherige Jägerkompanie in eine Flugabwehrkompanie umgewandelt.

Wie weit ist man im Burgenland mit diesem Prozess?

Gasser: Die ersten Umwandlungsschritte laufen. Zunächst erfolgt die Umschulung des Personals, dann gibt es Änderungen beim Material – es kommen gepanzerte Fahrzeuge – und danach beginnt die Ausbildung der Rekruten in dieser Waffengattung. Ziel ist, genau jene Fähigkeit zu erwerben, die sich derzeit im Ukraine-Krieg besonders hervortut, nämlich Angriffe aus der Luft zu allen Spektren – Drohnen, Marschflugkörper, Raketen – abzuwehren.

In einer Führungsposition wie Ihrer hat man eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wie gehen Sie persönlich damit um, wie finden Sie Ausgleich, um nicht auszupowern?

Gasser: Die berufliche Aufgabe, die ich hier habe, ist eine der schönsten, die ich mir nur vorstellen kann. Zweitens habe ich ein phänomenales Team, ich kann mich daher in beiderlei Hinsicht glücklich schätzen. Und drittens halte ich mich mit Sport wie Laufen, Tennis, Skifahren, und einer gesunden Lebensführung fit.