Kranke Lunge macht das Herz krank
Gesundheitskompass
Lungenfacharzt Dr. Wolfgang Steflitsch aus Ollersbach bei Neulengbach weiß: Wenn Atemwegs- und Lungenkrankheiten verzögert erkannt oder nicht optimal behandelt werden, steigt das Risiko für folgenschwere Herzerkrankungen signifikant. Allerdings ist diese Entwicklung keine Einbahn, denn bei ernsten Herzkrankheiten sollte die Atemleistung untersucht werden. Herz und Lunge sind schließlich über den kleinen Kreislauf eng miteinander verknüpft und voneinander abhängig.
Symbolbild
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Die Ursachen von Kurzatmigkeit oder Atemnot (Dyspnoe) von Patienten in der Hausarztpraxis sind vielfältig. Dazu zählen akute Bronchitis, Atemwegsinfektionen, chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD), Asthma bronchiale, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche (kardiale Insuffizienz) und Lungenemphysem. Deutlich seltener, aber ebenso zu beachten sind eine Lungenembolie, interstitielle Lungenfibrose (Bindegewebserkrankung), Schlafapnoe (Atempausen in Schnarch-Episoden) sowie eine verminderte Atmungsfähigkeit bei Fettleibigkeit.
Wenn wir die COPD näher beleuchten, dann kann uns die Häufigkeit dieser folgenschweren Krankheit zu Recht erschrecken. Bei der COPD handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die Entzündungen in der Lunge, Schädigungen des Lungengewebes und eine Verengung der Atemwege verursacht.
Rund 44 Mio. Menschen in Europa und etwa 400 Millionen Menschen weltweit sind von der Lungenkrankheit COPD betroffen. Sie ist global betrachtet die dritthäufigste Todesursache und fünftgrößte Krankheitsbelastung. Man geht davon aus, dass in Österreich 15 bis 20% der über 40-Jährigen von COPD betroffen sind.
Dramatisch ist dabei, dass mehr als die Hälfte der Patienten mit COPD nicht diagnostiziert wird. Denn bereits im Frühstadium der COPD werden durch eine anhaltende unspezifische (nicht-infektionsbedingte) Entzündung die kleinen Bronchien (Bronchiolen) geschädigt. Die Bronchiolen enden beim Menschen in etwa 300 Millionen kleinen Lungenbläschen (Alveolen). Über die Lungenbläschen wird Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid ausgeatmet. Die enorm große Zahl an Bronchiolen macht diesen Abschnitt des Bronchialbaumes so außerordentlich bedeutungsvoll. Im Stadium 1 der COPD (4 Gold-Stadien) kann sich die Zahl der Bronchiolen um 40 bis 56% vermindern.
Risiko und Folgen von Exazerbationen
Zunehmende Atemnot bei körperlicher Belastung und häufiger produktiver Husten erhöhen das Risiko für akute Verschlechterungen der COPD (Exazerbation). Exazerbationen triggern weitere Exazerbationen in immer kürzeren Zeitabständen und mit höherem Schweregrad. Nach einer Exazerbation kann die Atemleistung über viele Wochen unter der Atemleistung vor der Exazerbation bleiben, erreicht vielleicht nie mehr die Atemleistung wie davor.
Moderate oder schwere Exazerbationen sind ein Katalysator für Entzündungen, die eine Atherothrombose des Herzens und der Blutgefäße fördert, für eine Lungenüberblähung (Hyperinflation), welche die Herzleistung (Herzzeitvolumen) durch Komprimierung reduziert, und für eine Sauerstoff-Untersättigung (Hypoxämie), die zu einem Bluthochdruck im kleinen Kreislauf (pulmonale Hypertension, Kreislauf rechtes Herz – Lunge – linkes Herz) und zu einer Rechtsherzschwäche führen kann.
Die Folgen von solchen Exazerbationen gehen aber über die Lunge hinaus. Im Vergleich zu COPD-Patienten ohne Exazerbationen steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Krankheiten) wie zum Beispiel akutes Koronarsyndrom, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall (ischämischer Insult) um den Faktor 1,43 bis 2,87. Nur rund 50% der Patienten überlebten eine schwere COPD-Exazerbation mehr als 3,6 Jahre. Auch moderate Exazerbationen erhöhen das Mortalitätsrisiko um 17 bis 23%. Bis zu 44% der Patienten müssen nach einer schweren Exazerbation innerhalb von 90 Tagen wieder im Krankenhaus stationär aufgenommen werden.
Inhalative COPD-Therapie
Die Therapie der COPD basiert auf einer regelmäßigen Inhalation von Wirkstoffen, welche verengte Bronchien weiter machen (langwirksame Betamimetika (LABA), langwirksame Muskarin-Rezeptor-Antagonisten (LAMA)), soweit es die Grundkrankheit zulässt. Besonders in fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist die Atemleistung durch chronische Veränderung der Atemwege begrenzt.
Der dritte Wirkstoff, ein inhalatives Kortikosteroid, kam bisher nur bei erhöhtem Exazerbationsrisiko oder hohen Werten an eosinophilen Granulozyten im Blutbild zum Einsatz. Aktuell empfehlen internationale Guidelines (Richtlinien) einen frühen Einsatz von inhalativen Kortikosteroiden, da bereits in Anfangsstadien der COPD Entzündungen großen Schaden an den kleinen Atemwegen anrichten können. Und lokal verabreichte Kortikosteroide wirken entzündungshemmend. Es gibt praktische Inhalationsgeräte, die alle drei Wirkstoffe enthalten (LABA, LAMA, Kortikosteroide).
Inhalativ werden nur kleinste Mengen von Kortikosteroiden in den Körper aufgenommen. Auch bei Inhalation über Jahre und Jahrzehnte treten die bei längerfristiger Gabe von Tabletten oder Injektionen mit Kortikosteroiden gefürchteten Nebenwirkungen nicht auf. Zur Vermeidung des sehr selten auftretenden Mundpilzes (Soor-Stomatitis) sollte nach einer Kortikosteroid-Inhalation mit Wasser gegurgelt und Mund ausgespült werden.
Im Rahmen einer optimalen Betreuung arbeiten Hausarzt (Allgemeinmediziner), Lungenfacharzt und Kardiologe zusammen. Wertvolle Unterstützung bieten aber auch Physiotherapeuten, Psychologen, Ernährungsberater und Rehabilitationsangebote.
Häufige Charakteristika von COPD-Patienten (inkl. therapeutische Ansatzpunkte):
· oft Adipositas, seltener Kachexie
· arterielle Hypertonie
· Hyperlipidämie
· erhöhte Insulinresistenz
· langjähriger Tabakkonsum oder andere Schadstoff-Exposition
· falsches Atemmuster
· Bewegungsmangel
· emotionale Belastungssituation (privat / beruflich / durch Atemnot)
· Schwierigkeiten zur Aufrechterhaltung einer guten Therapieadhärenz (Compliance)
· gastro-ösophagealer Reflux (Sodbrennen, Mikroaspiration)
· Mangel an Vitaminen (v. a. D), Spurenelementen und Eiweiß
· Infektanfälligkeit
· Verstärkte Bildung von Bronchialsekret, Bronchiektasien
Betreuungskonzept bei COPD:
· Screening und Früherkennung
· Kontrolle der Organfunktion (Lunge, Herz)
· multidisziplinärer Ansatz
· Management der Risikofaktoren (Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Lebensstil)
· Behandlung der betroffenen bzw. gefährdeten Organe
Kriterien für einen Erfolg der inhalativen Behandlung
· Auswahl des optimalen Inhalationsgerätes mit optimalen Wirkstoffen
· Üben der praktischen Handhabung
· Motivation und ev. Vorzeigen der Anwendung durch den Patienten bei jeder Visite
· Bei der Inhalation den Kopf leicht nach hinten beugen
· „Nach der tiefen Inhalation 5 bis 10 Sekunden Luft anhalten, danach mit Wasser gurgeln und Mund ausspülen“ (Zähneputzen funktioniert auch)
· Erstellung eines schriftlichen individuellen Notfallplans
Daten und Fakten basieren auf einem medizinischen Fachvortrag von Dr. Wolfgang Steflitsch am 26.02.2025, St. Pölten, gesponsert von AstraZeneca.
Zur leichteren Lesbarkeit habe ich auf Gendern verzichtet. Selbstverständlich werden immer auch Frauen angesprochen, vor denen ich persönlich große Hochachtung habe.

© privat
Dr. Wolfgang Steflitsch
Wahlarzt-Ordination für Lungenheilkunde
3061 Ollersbach, Sonnengasse 2d
Anmeldung: 0664-793 50 51
ordination@lungenspezialist-neulengbach.at
www.lungenspezialist-neulengbach.at
Wolfgang Steflitsch versorgt die Menschen als Lungenfacharzt seit 1995: "Sobald Sie mir Ihre Gesundheit anvertrauen, wird sie zu meiner obersten Priorität. Ich möchte den Wunsch vieler Menschen, die sich für die Behandlung, Vorbeugung und Gesundheitsförderung einer lungenfachärztlichen und gleichzeitig ganzheitlichen Medizin anvertrauen wollen, erfüllen."