„Lohnverhandlungen 2024 werden so schwer wie 2023“
Gewerkschaft
1962 wurde nach hartem Arbeitskampf die eigenen Lohngruppen für Frauen abgeschafft denen der Männer angeglichen. Damals hatte wohl niemand gedacht, dass es 61 Jahre dauern wird, bis gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen mit einer ähnlichen Vehemenz geführt werden. 2023 war es aber soweit, die Kollektivvertrags-Verhandlungen für die Metallindustrie dauerte zehn Wochen, sie war begleitet von mehreren und bis zu 24 Stunden dauernden Streikwellen.
ProGE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder zu Besuch in Eisenstadt.
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Reinhold Binder war 1961 zwar noch nicht dabei, 2023 aber schon - und zwar ganz vorne: Er ist der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Pro-GE, zu der die beiden größten Industrie-Branchen Metallindustrie (200.000 Beschäftigte) und Elektroindustrie (60.000 Beschäftigte) gehört. Er gelangte zu einer breiteren Bekanntschaft, als den Wirtschaftskammer-Verhandlern in nicht zitationsfähigen Worten ausrichten ließ, dass er ihre Einmalzahlungen ablehne.
„Wird heuer genau so schwer wie 2023“
Binder war am vergangenen Dienstag in Eisenstadt, nicht zuletzt um seine 5.500 burgenländischen ProGE-Mitglieder auf die nächste Verhandlungsrunde einzuschwören: Von März bis Mai steht die Frühjahrslohnrunde an, “die wird genau so schwer wie 2023”, kündigt Binder mit Blick auf die Teuerung an. Die “rollierende Inflation” sei mit etwas über sieben Prozent zwar im Sinken, aber die Kosten der Grundbedürfnisse würden sich immer noch rapide erhöhen, so Binder: “Wir werden erneut auf nachhaltige Lohnerhöhungen drängen, um das abzufedern.” Einmalzahlungen könnten dabei nur “der Schnittlauch am Butterbrot sein”. Die Butter, das war in dieser schon eleganteren Formulierung, die Sozialbeiträge, die Einmalzahlungen ja nicht aufbessern würden.
Insgesamt war der Besuch aber ganz sozialpartnerschaftlich: Gemeinsam mit der Arbeitgeberseite habe man Qualifizierungsmaßnahmen ausarbeiten können, die den Fachkräftemangel abfedern können. Es gebe alleine in seinen Branchen 200 Berufsbilder, so Binder, diese gelte es für junge Menschen attraktiv zu gestalten, weshalb die ProGE die Werbeoffensive “Jahr der Lehre” gestartet hat.
Gute Politik und Weiterbildung vertreiben Zukunftssorgen
Dass auf Österreich eine Situation wie in Deutschland, wo die KVs nur noch die Hälfte der Jobs abdecken, zukommt, fürchtet Binder nicht. Das tarifpolitische System sei bei uns ein anderes, man arbeite, ganz umgekehrt, auch daran, dass die zwei Prozent ohne KV auch bald einen bekommen.
Auch für die Zukunft sieht Binder seine Branche gerüstet: Die Gewerkschaft war selbst an der Gründung der Plattform 4.0 beteiligt, entscheidend sei Qualifizierung der Arbeitskräfte für Innovationsprozesse. Als Beispiel nannte er ein heimisches Verbrennermotoren-Werk, in dem die Zukunftssorgen natürlich erst groß waren, man es aber geschafft habe, in kürzester Zeit die Belegschaft auf die Herstellung von zukunftsträchtigen Elektro-Antrieben umschulen. “Lebenslanges Lernen bedeutet für Arbeitnehmer eben auch lebenslange Chancen”, schließt Binder.