Zwischen Rebzikade und Zukunft: Allacher stellt Weichen

Golser Weingut

Das Golser Weingut Vinum Pannonia Allacher verbindet Familiengeschichte mit neuen Entwicklungen im Weinbau. Bei einer Weingutpräsentation standen neben der Geschichte des Betriebs vor allem alkoholfreie Alternativen, neue Produktideen und die Herausforderungen durch die Amerikanische Rebzikade im Mittelpunkt.

Michael Allacher

Michael Allacher

© Birgit Böhm-Ritter

Eine Warnung hat inzwischen an Aktualität gewonnen

Als Michael Allacher vor wenigen Wochen bei einer Weingutpräsentation über aktuelle Entwicklungen im Weinbau sprach, war die Goldgelbe Vergilbung im Weinbaugebiet Neusiedler See noch nicht nachgewiesen. Schon damals beschäftigte den Winzer und Bezirksobmann des Weinbauverbands jedoch die zunehmende Verbreitung der Amerikanischen Rebzikade, die die Krankheit überträgt.

Inzwischen hat sich die Lage verändert. Die Goldgelbe Vergilbung ist mittlerweile auch im Nordburgenland nachgewiesen worden. Die Rebkrankheit führt dazu, dass befallene Rebstöcke geschwächt werden, keine marktfähigen Trauben mehr hervorbringen und schließlich gerodet werden müssen. Die Landwirtschaftskammer Burgenland intensivierte daraufhin ihre Informationsarbeit. Mehr als 300 Winzerinnen, Winzer und Privatpersonen nahmen zwischen 16. und 22. Juli an fünf Schulungen teil, eine davon fand im Weingut Vinum Pannonia Allacher in Gols statt. Dabei standen die Symptome der Krankheit, die Amerikanische Rebzikade als Überträgerin sowie Maßnahmen zur Eindämmung im Mittelpunkt.

Zwischen Rebzikade und Zukunft: Allacher stellt Weichen

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Vor diesem Hintergrund erhalten die Aussagen Allachers bei der Weingutpräsentation zusätzliches Gewicht. Bereits damals sprach sich Allacher in seiner Funktion als Bezirksobmann des Weinbauverbandes für vorbeugende Maßnahmen aus, um die Population der Amerikanischen Rebzikade zu verringern. „Man sollte jetzt keine Panik verbreiten, aber es gibt klare Empfehlungen vom Landesweinbauverband“, sagte er.

Mit jeder Generation neue Antworten

Dass sich der Weinbau immer wieder auf neue Rahmenbedingungen einstellen muss, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Familienbetriebs. Die Wurzeln reichen bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals bewirtschafteten die Großeltern der Familie Allacher einen gemischten Landwirtschaftsbetrieb mit Weinbau, Ackerflächen und Viehhaltung. Die Trauben wurden zunächst an Genossenschaften verkauft, ehe die Familie begann, Wein selbst in Flaschen abzufüllen und direkt zu vermarkten.

In der zweiten Generation verlagerte sich der Schwerpunkt vollständig auf den Weinbau. Michael Allacher stieg nach seiner Matura im Jahr 2000 in den Familienbetrieb ein. Gemeinsam mit seinen Eltern setzte er verstärkt auf hochwertige Rotweine und investierte in renommierte Rieden wie Altenberg, Salzberg und Ungerberg.

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Mit der Betriebsübernahme durch Michael und Janine Allacher im Jahr 2016 begann ein weiteres Kapitel. Ein Jahr später eröffnete das neue Weingut in Holzbauweise. Das Gebäude fügt sich bewusst in die Landschaft ein und bietet moderne Bedingungen für die Weinproduktion. Heute bewirtschaftet der Familienbetrieb 54 Hektar Rebfläche, die sich nahezu gleichmäßig auf Weiß- und Rotweinsorten verteilen. Zu den wichtigsten Rebsorten zählen Sauvignon Blanc, Chardonnay und Zweigelt.

Neue Ideen für veränderte Trinkgewohnheiten

Die Geschichte des Betriebs zeigt zugleich, wie sich der Weinbau immer wieder an neue Entwicklungen anpassen muss. Das gilt heute nicht nur für den Anbau, sondern auch für die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten.

Ein Beispiel dafür sind alkoholfreie Weine. Die Idee dazu entstand während einer Geschäftsreise nach Hamburg. Dort lernte Michael Allacher moderne Verfahren zur Entalkoholisierung kennen und begann, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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© Birgit Böhm-Ritter

Dabei wurde rasch klar, dass sich nicht jeder Wein für die Entalkoholisierung eignet. Bereits im Weingarten müsse feststehen, welche Rebsorten, welcher Erntezeitpunkt und welcher Ausbau die besten Voraussetzungen für einen hochwertigen alkoholfreien Wein schaffen. „Man muss den Wein eigens für das Entalkoholisieren produzieren“, erklärte Allacher.

Noch macht dieses Segment nur einen kleinen Teil des Betriebs aus. Das Interesse wächst jedoch. Nach Angaben Allachers wurden vom Jahrgang 2025 rund 60.000 Flaschen produziert, ein Großteil davon für den deutschen Markt. „Es kann immer einen Grund geben, warum man keinen Alkohol trinken will oder darf“, sagte Allacher. Gleichzeitig betonte er, dass alkoholfreier Wein auch künftig nur einen kleinen Anteil am Gesamtumsatz ausmachen werde.

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© Birgit Böhm-Ritter

Dennoch soll das Angebot erweitert werden. Geplant sind ein alkoholfreier Schaumwein sowie weitere Getränke auf Traubenbasis. Parallel dazu entwickelt das Weingut Veranstaltungsformate weiter, die neue Zielgruppen ansprechen. Workshops vermitteln Weinwissen bewusst niederschwellig und greifen Themen wie alkoholfreie Alternativen oder passende Kombinationen von Wein und Speisen auf.

Die Veränderungen beschränken sich jedoch nicht auf neue Produkte. Auch die Vermarktung entwickelt sich weiter. Neben dem Ab-Hof-Verkauf, der rund zehn Prozent des Absatzes ausmacht, gewinnt der Export im Golser Weingut an Bedeutung. Während der Betrieb seinen Wein früher vollständig im Inland vermarkten konnte und der Export deshalb nur eine untergeordnete Rolle spielte, soll dieser Bereich nun gezielt ausgebaut werden, um sich breiter aufzustellen. Deutschland, Belgien, die Niederlande und die Schweiz zählen bereits zu den wichtigen Märkten. Künftig will das Weingut unter anderem auch in Kanada und Indien stärker Fuß fassen. Gleichzeitig sollen Veranstaltungen wie etwa der "Schnittwoch" am Weingut neue Zielgruppen ansprechen und Gästen zusätzliche Erlebnisse rund um den Wein bieten.

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© Birgit Böhm-Ritter

Tradition als Fundament für die Zukunft

Der Blick auf die Entwicklung des Familienbetriebs zeigt, dass sich das Weingut über Generationen hinweg immer wieder auf veränderte Rahmenbedingungen eingestellt hat – von der Direktvermarktung über Investitionen in Spitzenlagen bis hin zu alkoholfreien Alternativen und dem Ausbau neuer Absatzmärkte. Gleichzeitig stellen Herausforderungen wie die Goldgelbe Vergilbung die Winzerinnen und Winzer erneut vor große Aufgaben.

Die Weingutpräsentation machte damit deutlich, dass Weinbau heute weit mehr umfasst als die Arbeit im Weingarten. Gefragt sind unternehmerisches Denken, die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, und gleichzeitig der verantwortungsvolle Umgang mit den aktuellen Herausforderungen im Weinbau. Dass die Warnungen vor der Amerikanischen Rebzikade inzwischen von der Realität eingeholt wurden, zeigt eindrucksvoll, wie eng Innovation und Krisenbewältigung im Weinbau heute miteinander verbunden sind.