Barrieren bleiben bestehen: Kritik an WC-Anlagen in Neusiedl
Grillplatz
Die WC-Anlagen am Grillplatz der Stadtgemeinde Neusiedl am See sind nicht barrierefrei. Eine Stiege versperrt Menschen mit Rollstuhl oder Gehhilfe den Zugang, die Kabinen selbst sind zudem viel zu eng. Zwar verweist die Stadt auf laufende Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit, doch konkrete Fortschritte bleiben punktuell.
Die WCs am Neusiedler Grillplatz sind nur über Stufen erreichbar, unüberwindbare Hürden für Rollstuhlfahrer.
© Birgit Böhm-Ritter
Grillfest mit Hindernissen: Fehlende Barrierefreiheit sorgt für Unmut
Beim jüngsten Grillfest des Seniorenbundes in Neusiedl am See mussten Gäste die Veranstaltung vorzeitig verlassen – der Grund: Die WC-Anlagen am Grillplatz der Stadtgemeinde sind nur über eine Stiege erreichbar. Für Menschen mit Rollstuhl ist der Zugang unmöglich, für viele ältere Personen beschwerlich. Auch im Inneren bieten die WC-Kabinen kaum Platz. Die Kritik daran ist nicht neu: Schon seit Jahren bemängeln Bürgerinnen und Bürger den fehlenden barrierefreien Zugang.
Bereits im August 2022 erklärte Bürgermeisterin Elisabeth Böhm auf Anfrage der BVZ, dass das gesamte Gelände des Grillplatzes nicht barrierefrei geplant worden sei. Eine Modernisierung sei jedoch vorgesehen. Drei Jahre später bestätigt sie, dass die entsprechenden Vorhaben zwar weiterhin bestehen, aber an der Finanzierung scheitern: „Aufgrund der aktuellen Budgetlage können diese Maßnahmen derzeit jedoch nicht so rasch umgesetzt werden. Die Barrierefreiheit hätte bereits bei der Errichtung des Grillplatzes vor über 20 Jahren berücksichtigt werden müssen.“

© Birgit Böhm-Ritter
Schrittweise Umsetzung eines Etappenplans
Im Jahr 2022 beauftragte die Stadtgemeinde den Österreichischen Zivil-Invalidenverband (ÖZIV) mit einer umfassenden Barrierefreiheits-Evaluierung. Geprüft wurden dabei bauliche, gestalterische und kommunikative Aspekte im öffentlichen Raum sowie in Gemeindeimmobilien. Im Rahmen der Evaluierung durch den ÖZIV wurden verschiedene Empfehlungen ausgesprochen, die sich auf Orientierungshilfen im Straßenraum und Barrierefreiheit in Gemeindeimmobilien bezogen.
Zu den damals festgestellten Mängeln zählten unter anderem fehlende barrierefreie WC-Anlagen – etwa im Neusiedler Seebad. In der Folge wurden erste Maßnahmen umgesetzt: Die mobilen Toiletten am Seebad-Parkplatz wichen fixen Sanitäranlagen, in unmittelbarer Nähe zur „La Takeria“ wurde ein barrierefreies WC errichtet. Dieses ist mit einem Euro-Key zugänglich – einem europaweit einheitlichen Schlüssel für Menschen mit Behinderung. Auch im Strandbad steht seither eine barrierefreie Toilette zur Verfügung.
Langer Weg zur barrierefreien Stadt
Die Empfehlungen des ÖZIV seien in interne Planungsprozesse eingeflossen, erklärte Böhm. Barrierefreiheit werde bei künftigen Bauprojekten standardmäßig mitgedacht. Die Zusammenarbeit mit dem ÖZIV erfolge fallweise, etwa bei konkreten Planungs- oder Umsetzungsprojekten.

© Birgit Böhm-Ritter
Trotz einzelner Fortschritte bleibt die Gesamtsituation für viele Betroffene schwierig. Vor allem am Grillplatz, einem beliebten Veranstaltungsort, fehlt es weiterhin an grundlegender Zugänglichkeit. Die Kritik bleibt aktuell – ebenso wie die Hoffnung auf baldige Umsetzung der angekündigten Maßnahmen.
Denn: „Langfristig bleibt das Ziel der Stadtgemeinde bestehen, den öffentlichen Raum so weit wie möglich barrierefrei zu gestalten – auch wenn dies nur etappenweise und im Rahmen verfügbarer finanzieller Mittel erfolgen kann“, so Bürgermeisterin Böhm gegenüber der BVZ.