Jois hofft auf Pflege-Stützpunkt: Land verweist auf fixierte Standorte
Grundsatzbeschluss
Die Gemeinde Jois hat im Gemeinderat einstimmig beschlossen, sich als Standort für einen Pflegestützpunkt zu bewerben. Bürgermeister Hannes Steurer (ÖVP) hofft auf eine faire Chance, auch wenn das Land Burgenland bereits 71 Standorte fixiert hat. Im Bezirk Neusiedl am See sind 14 Stützpunkte vorgesehen, Jois gehört nicht dazu.
Grundsatzbeschluss, Jois möchte sich als Standort für einen Pflegestützpunkt bewerben.
© Birgit Böhm-Ritter
Einstimmiger Beschluss in Jois
In Jois herrscht Einigkeit: Der Gemeinderat sprach sich in einem Grundsatzbeschluss geschlossen dafür aus, die Seegemeinde als Standort für einen Pflegestützpunkt ins Spiel zu bringen. Der Antrag kam von der ÖVP, Zustimmung kam auch von SPÖ und der Liste Gemeinsam für Jois (GfJ).
„Die Volkspartei Jois setzt sich aktiv für den Standort und die Zukunft der Gemeinde ein. Deshalb haben wir diesen wegweisenden Grundsatzbeschluss auf den Weg gebracht. Wir sehen in einem Pflegestützpunkt eine wertvolle Unterstützung für alle Generationen in unserer Gemeinde. Wir hoffen auf eine positive Resonanz und setzen uns daher für eine bessere Versorgung und Unterstützung in Jois ein. Wir hoffen auf eine faire Chance“, erklärte Bürgermeister Hannes Steurer.
Die Gemeinde argumentiert mit passenden Rahmenbedingungen: Es gebe geeignete Liegenschaften, breite Unterstützung und starkes Engagement. Damit erfülle Jois nach eigener Einschätzung alle Kriterien, die für die Standortwahl entscheidend seien. Ein Pflegestützpunkt könnte zudem eine wichtige Lücke schließen – zwischen zentralen Einrichtungen und privater Pflege – und Angebote wie mobile Pflege, betreutes Wohnen oder Tagesbetreuung schaffen.
Fixierte Standorte im Bezirk
Während Jois die Hoffnung auf einen Zuschlag nicht aufgeben möchte, verweist das Büro von Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) auf die bereits beschlossene Standortplanung. Im Bezirk Neusiedl am See sind fünf Pflegeregionen vorgesehen, die zusammen 14 Stützpunkte erhalten sollen.
- Region 1: Kittsee, Gattendorf, Deutsch Jahrndorf
- Region 2: Neudorf, Winden am See, Bruckneudorf
- Region 3: Neusiedl am See, Weiden am See
- Region 4: Gols, Mönchhof, Frauenkirchen
- Region 5: Andau, Wallern, Illmitz
Ein erstes Projekt ist bereits konkret: In Deutsch Jahrndorf feierte man bereits im November 2023 den Spatenstich. Spätestens am 1. April 2026 soll der Stützpunkt eröffnen, Betreiber wird die Volkshilfe sein. Auch andernorts geht es voran – in Gols laufen die Bauarbeiten, in Wallern steht der Spatenstich bevor. Für die übrigen Gemeinden laufen derzeit Planungen und Umwidmungsverfahren.
Verantwortlich für den Betrieb der burgenländischen Stützpunkte sind sechs Organisationen, die nach einem wiederholten Ausschreibungsverfahren nun fixiert wurden. Neben Volkshilfe, Hilfswerk und Caritas übernehmen auch das Rote Kreuz, die Diakonie und die landeseigene Soziale Dienste Burgenland GmbH die Betreuung in den insgesamt 28 Pflegeregionen des Landes. Im Neusiedler Bezirk werden die Caritas, das Hilfswerk und die Volkshilfe die Stützpunkte betreiben.
Diskussion um Auswahlkriterien
Mit der Standortentscheidung möchte sich Jois nicht zufrieden geben. Bürgermeister Steurer (ÖVP) kritisierte, dass aus seiner Sicht vor allem SPÖ-geführte Gemeinden berücksichtigt worden seien.
Das Land hält dagegen und verweist auf die Gesamtübersicht: „Die Behauptung, dass nur SPÖ-geführte Gemeinden einen Pflegestützpunkt erhalten, hält einer sachlichen Prüfung nicht stand. Ein Blick auf die Liste der insgesamt 71 geplanten Standorte reicht aus, um das Gegenteil zu beweisen.“ Die BVZ hat einen Blick auf die Liste geworfen: 14 Gemeinden sind ÖVP-geführt, eine hat einen Listen-Bürgermeister.
Auf die Frage nach welchen Kriterien die Standorte ausgewählt worden seien, weist man im Büro des Landesrats auf eine wissenschaftliche Untersuchung durch das „Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit“ (EPIG) hin. Das Netz der Pflegestützpunkte sei damit vollständig festgelegt. Ergänzend könne es in Gemeinden zusätzliche Einrichtungen geben, etwa betreutes Wohnen oder Tageszentren, wenn dort Bedarf bestehe und geeignete Flächen zur Verfügung stünden.