Von der Öko-Stadt zur Kulturhauptstadt im Südburgenland
Güssings Wandel
Güssing hat sich neu erfunden. Einst galt die Stadt als internationales Vorzeigemodell. Selbst Arnold Schwarzenegger ließ sich das Konzept erklären. Doch das Image der „Öko-Stadt“ hat Staub angelegt und heute setzt Güssing ein anderes Zeichen: Kultur als Motor für Leben, Begegnung und Wertschöpfung.
Das Ambiente auf Burg Güssing trägt zum Erfolg der Güssinger Kulturinitiativen bei.
© Andreas-Hafenscher, Andreas Hafenscher
Güssing kennt den Wandel. Noch vor zwanzig Jahren stand die Stadt europaweit im Fokus, weil sie mit ihrem Energiekonzept als Modellregion für erneuerbare Energie galt. Politiker, Wissenschaftler und Medien reisten an, um zu sehen, wie eine Bezirkshauptstadt ihren Energiebedarf fast vollständig aus Biomasse, Solar- und Biogas deckt. Selbst Arnold Schwarzenegger ließ sich vor Ort erklären, wie aus einer Vision ein funktionierendes System wurde. Doch politische Entscheidungen, geänderte Förderstrukturen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen führten dazu, dass das Öko-Image verblasste.
Kultur mit regionaler Wertschöpfung
Heute setzt Güssing auf eine ganz andere Stärke, auf Kultur als Standortfaktor. Die Stadt hat sich zu einer Bühne entwickelt, die weit über den Bezirk hinaus strahlt. Und während das KUZ umgebaut wird, zieht die Burg nicht nur Tourist:innen an, sondern macht Güssing zu einem Fixpunkt für Kabarett, Musik, Theater und Musical.
Der Kultursommer Güssing 2025 hat diesen Anspruch untermauert. Intendant Andreas Vitásek brachte ein Programm, das bekannte Namen mit klarer Handschrift verband. Rund 5.300 Besucher:innen kamen zu den Abenden, füllten nicht nur den Burghof, sondern bereicherten auch die Region. Die Mischung aus Stars der heimischen Kabarett- und Musikszene und regionaler Verankerung funktionierte. „Der Kultursommer 2025 war ein wunderschönes Sommermärchen. Jetzt bin ich schon in den Vorbereitungen für das nächste Jahr“, sagt Andreas Vitásek.
Musical Güssing setzt auf eine ganz andere Schiene
Und kaum sind die letzten Töne des Kultursommers verklungen, übernimmt Musical Güssing die Bühne. Seit 8. August läuft „Jesus Christ Superstar“ – kein dekoratives Sommerprogramm, sondern eine ernsthafte, musikalisch kraftvolle Auseinandersetzung mit einem Stoff, der seit über 50 Jahren polarisiert. „Ein weltberühmtes Musical in die heutige Zeit zu bringen und so, dass es verständlich ist, das ist eine Herausforderung“, sagte Intendantin Marianne Resetarits und brachte das Thema auf den Punkt. Bemerkenswert ist dabei die Struktur hinter den Kulissen. Musical Güssing arbeitet seit Jahren mit regionalen Talenten, ergänzt durch professionelle Musikerinnen, Choreografen und Bühnentechniker. Das sichert Identität und verankert die Produktion in der Region – ohne an künstlerischem Anspruch zu sparen. Dass alle Vorstellungen heuer ausverkauft sind, zeigt, wie groß das Vertrauen des Publikums geworden ist.
Fazit: Die kulturelle Entwicklung Güssings ist mehr als ein Nebeneffekt der touristischen Nutzung der Burg. Sie ist zu einem Standortfaktor geworden, der auch wirtschaftlich wirkt. Das Zusammenspiel aus Kultursommer, Musical und kleineren Veranstaltungen macht Güssing im Sommer zu einem der lebendigsten Orte im Landessüden.