Benjamin Gedeon: „Einmal möchte ich im Ernst-Happel-Stadion singen“
Halbturner Musiktalent
2022 machte der Halbturner Benjamin Gedeon von sich reden als er in der deutschen TV-Castingshow „The Voice Kids“ auf Sat1 Jury und Publikum verzauberte und sich bis ins Finale sang. Am Samstag ist der junge Singer-Songwriter in einem Konzert in der Csello Mühle in Oslip zu sehen. Zu hören ist auch seine neue Single, die erst vor ein paar Tagen erschienen ist. Die BVZ hat den Maturanten gefragt, wie es ihm seit seinem Show-Erfolg ergangen ist.
Benjamin Gedeon
© Clarissa Sopper
BVZ: Musik spielt seit Kindesbeinen an eine Rolle in deinem Leben. Inwieweit hat dich die Show rückblickend in deiner Musik und in deiner Karriere vorangebracht?
Benjamin Gedeon: Das intensive Arbeiten mit Gesangscoaches und meine ersten Erfahrungen mit Fernsehauftritten waren ein großer Schritt, eigentlich der erste Schritt, in die Musikwelt. Die Ausstrahlung war der Startschuss für meine Karriere. Ich denke, die Show hat erst so richtig das Feuer in mir entflammt, nun brenne ich für die Musik mehr denn je.
Wie hat sich das Leben nach der Show verändert? Dein Bekanntheitsgrad hat sich doch stark erhöht?
Kurz nach der Show kam es öfter vor, dass ich erkannt wurde. Heute passiert es seltener, doch ich freue mich jedes Mal!
In der Show warst du im Team des deutsch-spanischen Popstars Álvaro Soler, er war dein Mentor und Coach. Hast du noch Kontakt zu ihm?
Als er zuletzt ein Konzert im Gasometer in Wien hatte, haben wir uns Backstage getroffen.
© zVg/Gedeon
Welche größeren Auftritte hattest du seit deinem Erfolg bei „The Voice Kids“?
Als „Benjamin Gedeon & The Thumbs“ traten wir letztes Jahr beim Golser Volksfest und beim Surf Opening in Neusiedl auf, im Jänner spielten wir auch beim Ball der Wirtschaftsuniversität Wien in der Hofburg. Kein Auftritt ähnelte dem andern, jedes Mal entdeckten wir das Live-Spielen aufs Neue und es machte einen Riesenspaß.
Du Hast deine Band „The Thumbs“ angesprochen. Wie habt ihr euch gefunden?
Im Herbst 2022 lernte ich Julia (Gitarre), Sandro (Gitarre), Levi (Schlagzeug) und Fabian (E-Bass) im Internet kennen über eine Website für Musiker, die Bandmitglieder suchen. Tatsächlich ging das ganze ziemlich flott und wir begannen wenig später gemeinsam in Wien zu proben. Noch vor unserem ersten Konzert waren wir im Studio, um „Fall into Your Arms“ aufzunehmen. Das erste Mal standen wir gemeinsam auf der Bühne im März 2023 im Café Carina in Wien.
Was macht für dich den Unterschied aus, wenn du nicht alleine auf der Bühne stehst?
Mit der Band ist das Auftreten eine ganz andere Welt. Egal ob in der Probe oder on-stage, bei uns herrscht immer eine gute Stimmung und wir haben alle ein Ziel - Musik machen, und das so gut wir können. Sie sind mir sehr ans Herz gewachsen und sie sind mir so wichtig, wie meine beiden Daumen, deshalb heißen sie ja auch „The Thumbs“
Was waren deine schönsten Auftrittsmomente?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Auftritt bei der Feier einer Bank in Graz in der Alten Universität, das Publikum war ganz bei uns, tanzte begeistert mit und nach drei Stunden Spielzeit waren die Band und ich zwar völlig erledigt, aber überglücklich. Sogar der Eigentümer im hohen Alter, von dem mir gesagt wurde, er tanze nie, schwang das Tanzbein zu unserer Musik.
Dein erster professionell produzierter Song war „Fall into Your Arms“. Stimmt es, dass du ihn anlässlich deiner Konfirmation geschrieben hast?
Genau, „Fall into Your Arms“ ist in der Vorbereitung auf meine Konfirmation entstanden. Bei einem Gottesdienst in Gols, welcher von den Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltet wurde, hatte ich die Möglichkeit, mein Lied das erste Mal vor einem Publikum, vor der ganzen Kirche zu präsentieren. Ein Ereignis, das ich mit vielen positiven Gefühlen verbinde und welches mich motivierte, weiterhin Lieder zu schreiben.
Der Song ist eine gefühlvolle Ballade, deine neue soeben erschienene Single „Faster Than Ever Before“ geht in eine ganz andere Richtung. Wie würdest du denn selbst deine musikalische Entwicklung beschreiben?
Nach mehreren Auftritten mit meiner Band „The Thumbs“ habe ich einiges gelernt. Bisher bestand unsere Setlist großteils aus Covers und beinhaltete nur wenige eigene Lieder. Bei Songs wie „Gimme Gimme Gimme“ und „SOS“ von ABBA füllte sich die Tanzfläche schnell, bei Balladen wie „Purple Rain“ von Prince oder „Fall into Your Arms“ zog sich die Menschenmenge jedoch zurück wie ein Meer bei Ebbe. Es ist natürlich sehr vom Publikum abhängig, aber meine Band und ich finden, dass schnellere Tanzlieder eher gefragt sind. Deshalb beschloss ich dann, „Faster Than Ever Before“ im Studio als nächste Single aufzunehmen, und ich hatte viel Spaß daran! Balladen, in denen ich gefühlvolle Texte und die Grenzen meiner gesanglichen Fähigkeiten zeigen kann, sind für mich trotzdem immer noch essenziell.

© Clarissa Sopper
Worum geht es in deinem neuen Song „Faster Than Ever Before“?
Bei „Faster Than Ever Before“ geht es darum, dass sich die Welt heutzutage in einem Dauerlauf zu befinden scheint. Durch moderne Kommunikation und der alltäglichen Nutzung von hochkomplexer Technologie kann schnell mal der Überblick verloren gehen. Im Kontrast dazu, bin ich eher jemand, der in der Ruhe seine Inspiration und Kraft findet.
Du schreibst in einem Posting auf Instagram, es sei ein langer Weg von der Idee bis zum fertigen Song. Wie entsteht die Idee zu einem Lied, was inspiriert dich?
Egal wie oft ich mit den Fingern schnipse, meine Ideen kommen nicht, wenn ich sie forciere. Meistens kommt mir eine Phrase oder eine Melodie in den Sinn während ich etwas Monotones mache, beispielsweise beim Laufen oder Duschen. Im April 2023 saß ich erneut im Auto auf dem Weg zu meinen Großeltern, sah aus dem Fenster und beobachtete, wie die grellen Autolichter in der Dunkelheit an uns vorbeischossen. Plötzlich dachte ich an eine Phrase, daraus wurde eine Strophe und bald darauf hatte ich den Text für „Faster Than Ever Before“ - ein Wasserfall aus Wörtern sozusagen, die ich immer schnell aufschreiben muss. Meine musikalischen Ideen spiele ich dann am Klavier oder an der Gitarre in ein Programm auf meinem Laptop ein, dazu noch Schlagzeug und Stimme und dann ist das Lied fertig. Mit diesem Demo-Song ging ich dann im Sommer 2023 zu David Piribauer. Er ist ein großartiger Mentor und brachte meine Band und mich im Studio an unsere Grenzen, für die bestmögliche Qualität des Songs. Nach dem Mixing und Mastering fehlte noch etwas, das meiner Empfindung nach heutzutage ein Muss ist in der Musikwelt - das Musikvideo. Das drehten wir während unseres Auftritts am WU Ball 2024 mit Daniel Schiehl als Produzent, Behind-The-Scenes Aufnahmen aus dem Studio sind darin ebenfalls zu sehen. Ich bin sehr froh, dass wir nun all das präsentieren können.
Du hast deine Songs mit Thomas Pronai und David Piribauer mit sehr renommierten Produzenten herausgebracht. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit den beiden gekommen?
Thomas Pronai habe ich durch meine Musikschuldirektorin Johanna Ensbacher entdeckt, David Piribauer habe ich durch Promoterin Tina Ruprechter, mit der ich zusammenarbeite, kennengelernt. Beide waren sehr offen, dadurch entstand der Kontakt schnell.
Wird es auch mal ein ganzes Album von dir geben?
Das ist auf jeden Fall ein erstes großes Ziel von mir, dafür brauche ich noch einige weitere Demos, um schließlich die besten Songs für das Album auszuwählen, daher liegt mein Fokus, neben der Maturavorbereitung, auf Songwriting. Zurzeit schreibe ich Lieder gemeinsam mit zwei renommierten Musikern einer österreichischen Kultband. Eines kann ich verraten, die nächste Single ist bereits fertig, das heißt, es wird bald wieder etwas Neues geben.
Hast du einen Traum, den du dir mit deinen Liedern erfüllen möchtest? Wohin soll es in deiner Musikkarriere gehen?
Mein größter Traum ist eine eigene Tour und ein Konzert im Ernst-Happel-Stadion, doch bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg, den ich zur Gänze genießen möchte! Mein Ziel ist es, eigene Konzerte zu haben und eigene Lieder zu spielen, sodass es mir und dem Publikum Freude bereitet.
Du maturierst heuer, was sind deine Pläne nach der Schule?
Im Mai/Juni werde ich maturieren, danach mache ich den Zivildienst. 2025 möchte ich mit meinem Zahnmedizinstudium beginnen und währenddessen natürlich weiter Musik machen. Ich denke, es wird beides möglich sein - vielleicht tagsüber studieren, nachts musizieren (schmunzelt).
Wie kann man euch buchen?
Am besten über meine Homepage www.benjamingedeon.com
Wer Lust hat, eigene (auch unveröffentlichte) Songs von mir zu hören und das neu eröffnete Kellertheater der Csello Mühle zu erleben, kann am Freitag, 16. Feber, um 20 Uhr vorbeikommen!
Tickets gibts unter www.oeticket.com/event/bad-ida-benjamin-gedeon-the-thumbs-csello-cselley-muehle-oslip-17976482/